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22.02.2012
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Erbgutanalyse

Männer sterben doch nicht aus

DPA

Erbgutanalyse im Labor: Das Y-Chromosom findet sich nur bei Männern

Das ist eine gute Nachricht, wenigstens für die meisten. Entgegen landläufiger Vermutungen sterben Männer nicht aus. Forscher haben jetzt herausgefunden: Das Y-Chromosom, das Männer erst zu Männern macht, ist stabiler als gedacht.

London - Amerikanische Forscher geben Entwarnung: Männer werden aller Voraussicht nach doch nicht aussterben. Das für sie spezifische Y-Chromosom erweist sich einer Erbgutanalyse zufolge stabiler als gedacht. Tatsächlich habe es bei den Vorfahren des Menschen in den Millionen Jahren der Evolution mehrfach einen rapiden Genverlust auf dem Chromosom gegeben - in den vergangenen 25 Millionen Jahren sei es aber zu keinem wesentlichen Schwund mehr gekommen.

Das nur bei Männern vorhandene Y-Chromosom ist im Gegensatz zum X-Chromosom stark verkümmert. Einen Großteil seiner Erbinformationen verlor es im Laufe der Evolution. Statt mehr als 1.100 Gene wie sein weiblicher Gegenpart enthält es heute nur rund 200 davon. Darunter befinden sich Gene, die für die Spermienproduktion wichtig sind.

Aus dieser Beobachtung heraus entstand die Theorie, dass das Y-Chromosom innerhalb der nächsten zehn Millionen Jahre auch noch seine restlichen funktionellen Gene einbüßen werde und damit letztlich ganz verschwindet. Entgegen landläufiger Vermutungen gingen die Spezialisten nicht davon aus, dass es künftig nur noch ein Geschlecht geben wird. Statt des jetzigen Merkmals Y-Chromosom würde es andere prägende genetische Unterschiede geben.

Doch die Theorie vom schwindenden Y-Chromosom haben Jennifer Hughes vom Massachusetts Institute of Technology und ihre Kollegen jetzt widerlegt: Ihren Untersuchungen nach ist in der jüngeren Vergangenheit nur bei den evolutionär jüngsten Genen des Y-Chromosoms Erbinformation verloren gegangen. Beim Großteil des Erbguts hingegen "hat der Genverlust offensichtlich vor mehr als 25 Millionen Jahren aufgehört", schreiben die Forscher nun im Fachmagazin "Nature". Und das, obwohl es durchaus einige Gene auf diesem Chromosom gebe, die ihre eigentliche Funktion schon lange verloren zu haben scheinen und heute offenbar nutzlos seien.

Chromosomenvergleich mit Schimpanse und Rhesusaffe

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler das Y-Chromosom des Menschen mit dem des Schimpansen und des Rhesusaffen verglichen. Sie wollten herausfinden, ob im Laufe der Evolution dieser drei verwandten Arten ein stetiger Genverlust zu beobachten ist, der die Theorie des aussterbenden Y-Chromosoms stützt. Das sei jedoch eindeutig nicht der Fall gewesen. "Der Verlust der Urgene schritt anfangs schnell voran, aber verlangsamte sich dann merklich", schreiben Hughes und ihre Kollegen.

Der Hauptteil des Erbguts aus dem Y-Chromosom habe bereits einen stabilen Punkt erreicht, bevor sich in der Evolution der Mensch vom Rhesusaffen abspaltete. Nur drei Prozent des Erbguts auf dem Y-Chromosom gehören zu dem Genbereich, in dem während der Entwicklung vom Rhesusaffen zum Menschen Gene verloren gegangen sind, schreiben die Forscher. Im menschlichen Erbgut seien danach sogar noch Gene hinzugekommen.

Viele Sexpartner treiben Evolution voran

Meerkatzenartige, zu denen der Rhesusaffe zählt, und der Mensch sind durch 25 Millionen Jahre Evolution getrennt - der Mensch und der Schimpanse nur durch sechs Millionen Jahre. Was das Y-Chromosom angeht, waren die Unterschiede zwischen Mensch und Schimpanse sogar größer als zwischen Mensch und Rhesusaffe: Die Forscher fanden fünf Urgene des Rhesusaffen, die der Schimpanse während seiner Entwicklung verloren hat, während der Mensch sie noch besitzt.

Dass der Schimpanse so häufig seine Geschlechtspartner wechselt und es daher mehr Konkurrenz beim Sperma gebe, könnte die schnelle Evolution in dieser Tierart vorangetrieben haben, vermuten Hughes und Kollegen. Denn einige Gene auf dem Y-Chromosom regulieren die Bildung der Spermien.

nik/dpa/dapd

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