Lade Daten...
22.05.2012
Schrift:
-
+

Tropenkrankheit

Arznei-Schlamperei schadet Kampf gegen Malaria

REUTERS

Impfstoff-Test in Kenia (2010): Milliarden Menschen wohnen in Malaria-Risikogebieten

Wenige Medikamente helfen gegen Malaria - umso dramatischer ist es, wenn diese Mittel gefälscht oder in falscher Dosierung auf den Markt kommen. Studien zeigen das Ausmaß der Medikamenten-Schlamperei. Forscher sehen dies als ernste Gefahr im Kampf gegen die Tropenkrankheit.

Gefälschte oder mangelhafte Medikamente gefährden den Erfolg im Kampf gegen die Malaria, befürchten Forscher der Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) in den USA. Das Team um Gaurvika Nayyar hat frühere Studien aus Südostasien und Afrika ausgewertet, in denen die Verpackungen von Malaria-Mitteln untersucht oder die Medikamente chemisch analysiert wurden. Das erschreckende Ergebnis: Zwischen 20 und 42 Prozent der getesteten Präparate hatten eine schlechte Qualität oder waren gefälscht. Die Medikamente wurden in öffentlichen Apotheken oder privaten Läden in 28 Ländern eingekauft.

Unter schlechter Qualität verstehen die Forscher in betrügerischer Absicht falsch hergestellte und verpackte Pillen, eine geringe oder zu hohe Menge an Wirkstoffen in den Tabletten sowie Medikamente, die durch falsche Lagerung beeinträchtigt waren.

Wie viele gefälschte oder mangelhafte Malaria-Medikamente wirklich weltweit im Umlauf sind, kann allerdings niemand sagen, schränken die Forscher in ihrem Artikel im Fachjournal "The Lancet Infectious Diseases" ein. Verlässliche Zahlen dazu fehlen.

Falsch dosierte Medikamente können dazu führen, dass die Krankheitserreger unempfindlich gegenüber dem Wirkstoff werden. Zuletzt wurden solche Resistenzen gegen Präparate mit dem Wirkstoff Artemisinin aus der Grenzregion zwischen Thailand und Kambodscha bekannt. Dies alarmiert die Gesundheitsbehörden weltweit, weil Kombinationspräparate mit Artimisinin als besonders wirksame Waffe gegen die vom Parasiten Plasmodium falciparum verursachte Malaria gelten.

Prüfbehörden fehlen

Von 1437 gesammelten Proben aus sieben asiatischen Ländern hielt ein Drittel einer chemischen Qualitätsprüfung nicht stand, knapp die Hälfte war nicht korrekt verpackt und ein Drittel war gefälscht. Analysen aus 21 afrikanischen Ländern südlich der Sahara mit 2634 Proben zeigten: Mehr als ein Drittel bestand die chemischen Tests nicht, etwa 20 Prozent waren gefälscht. Nayyar und Kollegen schränken ein, dass Daten aus wichtigen Malaria-Ländern fehlen und dass es teils Unzulänglichkeiten bei der Auswahl der Proben gab. Beispielsweise waren die Arzneien nicht immer nach einem festen Schema erworben worden.

Die Forscher bemängeln, dass in den betroffenen Ländern Prüfbehörden fehlen und Medikamenten-Fälscher nicht ausreichend verfolgt würden. "Derzeit haben nur drei von 47 Malaria-Ländern in Afrika Labore, die für die chemische Analyse von Malaria-Medikamenten ausgestattet sind", schreiben sie.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben 2010 etwa 655.000 Menschen an der Tropenkrankheit, die durch Anophelesmücken übertragen wird. Die Sterberate sei seit dem Jahr 2000 weltweit um mehr als ein Viertel gesunken. Dennoch: "3,3 Milliarden Menschen sind von einer Ansteckung mit Malaria bedroht, die in 106 Ländern vorkommt", berichten Nayyar und Kollegen.

wbr/dpa

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Verwandte Themen

Malaria

Die Krankheit
Malaria zählt zu den tödlichsten Infektionskrankheiten der Welt: Statistisch gesehen stirbt allein in Afrika etwa alle 30 Sekunden ein Kind an der Krankheit. Pro Jahr fallen ihr insgesamt mindestens eine Million Menschen zum Opfer, die meisten davon Kinder unter fünf Jahren. Der Erreger der Malaria tropica, der einzellige Parasit Plasmodium falciparum, wird durch den Stich weiblicher Stechmücken der Gattung Anopheles von bereits infizierten Menschen auf gesunde übertragen.
Schutzmaßnahmen
Einen Impfstoff gegen Malaria gibt es derzeit nicht. Deshalb gilt es, eine Ansteckung von vornherein zu vermeiden, indem man sich in moskitosicheren Räumen aufhält, mit Insektiziden imprägnierte Moskitonetze benutzt und langärmlige Kleidung trägt.
Chemische Vorbeugung
Prophylaxe-Medikamente bieten keinen absoluten Schutz vor einer Malaria, erhöhen aber die Sicherheit. Über die Art der Malaria-Prophylaxe muss individuell der Arzt entscheiden, anhand des Reisezieles, der Reisezeit, der Reisedauer und des Reisestils. Dabei müssen Vorerkrankungen und Unverträglichkeiten sowie Besonderheiten bei der Medikamenteneinnahme beachtet werden. Bei Reisen in Gebiete mit hohem Malaria-Risiko ist eine Chemoprophylaxe empfehlenswert. Wenn in Gebieten mit niedrigem oder mittlerem Malaria-Risiko keine regelmäßige Chemoprophylaxe durchgeführt wird, sollte ein Reservemedikament mitgeführt werden. Es sollte nur bei verdächtigen Symptomen, fehlender ärztlicher Versorgung und nur im Notfall eingenommen werden ("Standby").

Drama in Uganda

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter RSS
alles zum Thema Malaria
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten