30.05.2012
Waffe gegen HIV
Körpereigenes Molekül soll Aids verhindern
HI-Virus (Modell von 1987): Mittels Knopf-Proteine klammert sich der Erreger an eine Zelle
Hamburg - Das Molekül trägt den Namen CXCL4 und ist bereits seit etwa 50 Jahren bekannt. Wenn es nach den Forschern um Paolo Lusso vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) im amerikanischen Bethesda geht, könnte CXCL4 eine wichtige Rolle im Kampf gegen das HI-Virus einnehmen.
Lusso und sein Team zeigten in Experimenten, dass sich das kleine Signalprotein an einem Protein auf der Außenseite von HIV festsetzt und das Anheften des Aids-Erregers an die Zelle blockiert - und somit das Eindringen des Virus verhindert. Damit sank die Fähigkeit von HIV zur Infektion der Zellen in den Versuchen deutlich. Zudem wirkte CXCL4 gegen zahlreiche verschiedene HIV-Varianten.
Die Ergebnisse der Wissenschaftler, darunter auch NIAID-Direktor Anthony Fauci, oberster HIV-Bekämpfer der USA und Berater des Weißen Hauses, sind in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaft veröffentlicht.
CXCL4 gehört zu Gruppe der Chemokine. Dies sind kleine Signalmoleküle, die im Immunsystem eine wichtige Rolle spielen. Unter anderem dienen Chemokine dazu, Immunzellen herbeizurufen. Diese Zellen wiederum tragen auf ihrer Oberfläche Rezeptoren, an die sich die Chemokine binden - dies ist der Mechanimus, mit dem die Signale von Cytokinen ins Innere der Zelle gelangen, die daraufhin ihr Verhalten ändert.
Viele Eigenschaften noch unklar
HIV hat den Andockmechanismus übernommen und heftet sich ebenfalls an Chemokin-Rezeptoren auf der Oberfläche von Immunzellen an, um später in die Zellen zu gelangen. Das Virus vermehrt sich darin und zerstört sie schließlich. Das System der Chemokine hat auch sonst einen großen Einfluss darauf, wie stark sich HIV im Körper vermehrt - und damit auf die Ausprägung von Aids.
Obwohl CXCL4 schon so lange bekannt ist, sind viele seiner Eigenschaften noch unklar, schreiben die Forscher. Sie weisen darauf hin, dass einige in ihrem Labor untersuchte Patienten mit einem hohen Gehalt von CXCL4 im Blut eine weniger stark ausgeprägte Immunschwäche haben. Dies lege den Schluss nahe, dass das Protein auch im Menschen eine schützende Rolle habe.
Das Team prüft derzeit unter anderem, ob genetische Varianten im CXCL4-Gen einen Einfluss auf seinen Schutz haben. Ziel ist es, künstliche Moleküle zu schaffen, die die Funktion des Moleküls nachahmen, um womöglich neue Medikamente herzustellen.
nik/dpa
