Lade Daten...
26.11.2012
Schrift:
-
+

Grippe

RNA-Trick verspricht schnellere Impfstoff-Herstellung

DPA

Grippeimpfung: Demnächst schnellere Produktion von Vakzinen?

Grippeimpfstoffe könnten in Zukunft deutlich schneller hergestellt und zugleich robuster werden. Deutsche Forscher haben in einem neuen Verfahren Impfstoffe allein auf Basis des Virus-Erbguts hergestellt. Bis zum Einsatz am Menschen ist es aber noch ein weiter Weg.

Riems - Die Entwicklung und Produktion von Grippeimpfstoffen ist bisher ein langwieriger Prozess. Meist werden Hühnereier mit Viren infiziert. Haben sich die Erreger nach der Bebrütung ausreichend vermehrt, wird das virushaltige Eiklar geerntet und zu verschiedenen Impfstoffen weiterverarbeitet. Allerdings lassen sich die Wirkstoffe im Fall einer Epidemie so nur schwierig in ausreichender Menge herstellen. Außerdem müssen sie gekühlt gelagert und transportiert werden, und es gibt auch keine Möglichkeit, in einer Grippesaison auf aktuelle Mutationen zu reagieren.

Ein neues Verfahren könnte diese Nachteile künftig umgehen: Deutschen Forschern ist es nach eigenen Angaben gelungen, die Entwicklungszeit stark zu senken. Die Herstellung basiert nur auf dem Erbgut des Virus, erklärte Lothar Stitz, Leiter des Instituts für Immunologie am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Die DNA des Erregers werde in sogenannte mRNA, auch Boten-Ribonukleinsäure genannt, umgeschrieben - und bilde so die gewünschten Virusproteine für die Immunisierung.

"Während man bei der klassischen Herstellung von Impfstoffen in Eiern oder Zellkulturen von einer Entwicklungszeit von mehreren Monaten spricht, sprechen wir bei der mRNA-Methode von Wochen", sagte Stitz. Die Studie des FLI und eines Tübinger Unternehmens wurde jetzt im Fachblatt "Nature Biotechnology" veröffentlicht.

Die Boten-Ribonukleinsäure mRNA fungiert in der Zelle als Bauanleitung für Proteine und wird nicht in das Erbgut eingebaut. "Deshalb können bei einer Impfung mit dem synthetisch hergestellten Impfstoff keine nachteiligen Folgen in den Zellen und im Organismus auftreten", sagt Stitz. Bei Impfstoffen aus Eiern oder Zellkulturen bestehe grundsätzlich die Gefahr von Unverträglichkeiten beispielsweise durch Fremdeiweiß-Bestandteile. Auch können Eiweiße ausflocken, wie dies jüngst bei Grippeimpfstoffen geschehen war,

was zu einem umfangreichen Rückruf führte.Mit der Methode könne die Pharmaindustrie schnell auf neue oder genetisch veränderte Viren reagieren. Sie könne als Plattform für die Herstellung von Impfstoffen gegen viele Infektionskrankheit dienen, meint Stitz. Ein weiterer Vorteil dieser Impfstoffe sei, dass sie bei Transport und Lagerung nicht gekühlt werden müssten, sondern stabil blieben. "Sie könnten also problemlos in tropischen Ländern eingesetzt werden."

Die Wirksamkeit der Impfstoffe sei in Tierversuchen nachgewiesen worden. Bei Mäusen, Frettchen oder Schweinen sei eine spezifische Immunreaktion sowohl auf Antikörper- als auch zellvermittelter Ebene gegen Influenzaviren gefunden worden. Auch sehr junge und alte Mäuse hätten auf die Impfung ansprachen. "Dies könnte für die vorsorgliche Grippeschutzimpfung wichtig sein, da Kinder und ältere Menschen als Risikogruppen für Infektionen gelten", so Stitz.

Der Rostocker Tropenmediziner und Infektionsforscher Emil Reisinger, der nicht an der Studie beteiligt war, sprach von einem "hochinteressanten wissenschaftlichen Ansatz". Vom Tierversuch und der Grundlagenforschung sei es aber ein weiter Weg hin zum klinischen Einsatz. Bei den kommenden Versuchen müsse unter anderem gezeigt werden, dass auch beim Menschen keine Nebenwirkungen auftreten.

mbe/dpa

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
1. keine DNA
gnorkel 26.11.2012
das wird hier ein wenig irreführend Beschrieben... Influenzaviren sind minus-strang RNA Viren haben also keine DNA. Also wie funktioniert das Verfahren genau?
das wird hier ein wenig irreführend Beschrieben... Influenzaviren sind minus-strang RNA Viren haben also keine DNA. Also wie funktioniert das Verfahren genau?
2. Gut erkannt
pussinboots 26.11.2012
Sie haben Recht. Liegt wohl daran, dass Erbgut allzuoft mit DNA gleichgesetzt wird, was bei RNA-Viren eben anders ist. Die mRNA wird synthetisch hergestellt, nachdem das Erbgut des Virus entschlüsselt wurde. Nachzulesen [...]
Zitat von gnorkeldas wird hier ein wenig irreführend Beschrieben... Influenzaviren sind minus-strang RNA Viren haben also keine DNA. Also wie funktioniert das Verfahren genau?
Sie haben Recht. Liegt wohl daran, dass Erbgut allzuoft mit DNA gleichgesetzt wird, was bei RNA-Viren eben anders ist. Die mRNA wird synthetisch hergestellt, nachdem das Erbgut des Virus entschlüsselt wurde. Nachzulesen auf dieser Seite des FLI: FLI: Presse Informationsseite (http://www.fli.bund.de/de/startseite/presse/presse-informationsseite/Pressemitteilung/synthetisch-hergestellter-mrna-impfstoff-schuetzt-vor-grippe.html)
3. optional
wincel 27.11.2012
Der Artikel ist absolut irrefuehrend. Was passiert ist: das jeweilige Antigen aus dem Influenza-Virus wurde in DNA umgeschrieben, diese codon-optimiert, wie es aussieht. Und dann die plasmide mit der jeweiligen Influenza-DNA mit [...]
Der Artikel ist absolut irrefuehrend. Was passiert ist: das jeweilige Antigen aus dem Influenza-Virus wurde in DNA umgeschrieben, diese codon-optimiert, wie es aussieht. Und dann die plasmide mit der jeweiligen Influenza-DNA mit T7 RNA polymerase in mRNA umgeschrieben (mit Cap und allem). Und das wurde injiziert. Und jetzt kommt der Witz (faellt auf das ich mich ein wenig mit der Materie auskenne?) ... es ist unglaublich teuer, mit T7 RNA polymerase genuegend grosse Mengen an mRNA zu generieren. Da sehe ich auch im industriellen Masstab alleine wegen der Kosten der Synthese, Aufreinigung, Instabilitaet der RNA etc. ueberhaupt keine medizinische Bedeutung.

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Verwandte Themen

Fotostrecke

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter RSS
alles zum Thema Grippe
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten