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21.12.2012
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Blutdruck-Senker

Forscher entdecken bisher unbekannte Hirnzellen

Corbis

Nervenzellen (Animation): "Neuer Ansatz zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen"

Wissenschaftler haben im Gehirn eine bisher unbekannte Gruppe von Nervenzellen lokalisiert. Die Neuronen regulieren den Herzrhythmus und den Blutdruck, und könnten möglicherweise bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen helfen. Zunächst könnten schwangere Frauen profitieren.

Hamburg/Stockholm - Das Gehirn des Menschen gilt als bestens erforscht. Wissenschaftler haben es gewogen, zerteilt, gescannt, vermessen. Und doch hütet das Denkorgan des Menschen immer noch viele Geheimnisse. Ein europäisches Forscherteam hat nun eine bisher unbekannte Gruppe von Nervenzellen im Gehirn entdeckt. Sie seien für die Regulierung des Herzrhythmus und des Blutdrucks zuständig, berichten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Journal of Clinical Investigation".

Die Forschergruppe unter Leitung des in Stockholm arbeitenden deutschen Molekularbiologen Jens Mittag konnte in Zusammenarbeit mit weiteren Wissenschaftlern aus Deutschland und Neurologen aus den Niederlanden die Neuronen im Gehirn von Mäusen identifizieren. Diese Zellen integrieren verschiedene Informationen aus dem Gehirn und passen beispielsweise den Blutdruck und den Herzrhythmus entsprechend an.

Neuer Therapieansatz bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Möglicherweise könne die Entdeckung langfristig bei der Behandlung von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems helfen, teilte das Stockholmer Karolinska Institut mit, das alljährlich die Nobelpreisträger kürt.

Forschungsleiter Jens Mittag meinte am Donnerstag zu den Konsequenzen: "Wenn wir Wissenschaftler noch genauer lernen, diese Neuronen zu kontrollieren, haben wir vielleicht einen neuen Ansatz zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen." Allerdings lägen derartige Therapie-Optionen noch "in weiter Ferne". Allerdings könne es schon bald möglich sein, schwangere Frauen mit Schilddrüsen-Fehlfunktion zu identifizieren und zu behandeln. Denn die Unterfunktion könne die Entwicklung dieser Neuronen im Fötus beeinträchtigen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beim Nachwuchs erhöhen.

nik/dpa

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