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29.12.2012
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Geheime Pillentests in der DDR

CDU-Politiker fordert Aufklärung

dapd

Christoph Bergner (CDU): Ostbeauftragter hält Entschädigungszahlungen für möglich

Jahrelang sollen westliche Pharmafirmen Medikamente an ahnungslosen DDR-Bürgern ausprobiert haben. Jetzt fordern Politiker eine gründliche Aufklärung des Skandals und plädieren für Konsequenzen: Möglicherweise müssen die beteiligten Unternehmen den Betroffenen Entschädigungen zahlen.

Berlin - Es waren schmutzige Geschäfte, die der DDR Millionen brachten: In den achtziger Jahren führten westdeutsche Pharmaunternehmen Medikamententests durch. Die Versuchsteilnehmer waren meist ahnungslose DDR-Patienten, die von den Experimenten nichts wussten. Für jeden vermittelten Probanden kassierte die DDR Geld von den Firmen. Recherchen von ARD-Fernsehjournalisten hatten aufgedeckt, wie die Machenschaften zwischen Ost und West funktionierten.

Am Freitag hatte der Berliner "Tagesspiegel" berichtet, dass auch Patienten in DDR-Krankenhäusern als Studienteilnehmer für die Medikamententests herangezogen worden seien - ebenfalls ohne ihr Wissen.

Jetzt reagieren Politiker auf die Medienberichte. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner (CDU), forderte Konsequenzen, falls westdeutsche Pharmafirmen tatsächlich Arzneimittel an ahnungslosen DDR-Patienten ausprobiert haben sollten.

Bergner sagte der "Mitteldeutschen Zeitung" aus Halle: "Das kann auch heute noch Konsequenzen haben - im Sinne von Entschädigung, möglicherweise sogar von strafrechtlicher Verfolgung." Experimente ohne Einwilligung der Betroffenen seien ein Skandal. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Fälle, die jetzt Aufregung verursachen, im Einklang mit dem westdeutschen Recht gewesen sind", sagte er. "Experimente ohne Einwilligung der Betroffenen halte ich für skandalös."

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Geheime Medikamentenstudien: Test und Tote im Pharmaland DDR

Gleichwohl plädierte Bergner für eine differenzierte Aufarbeitung: Viele Ärzte in der DDR seien froh gewesen, wenn sie überhaupt Medikamente bekommen hätten. Zudem könne man die westdeutsche Pharmaindustrie nicht über einen Kamm scheren.

"Erinnerungen an dunkelste Zeit der deutschen Geschichte"

Thüringens FDP-Generalsekretär Patrick Kurth sagte, die Meldungen zeigten, dass die Machenschaften des SED-Regimes nicht nur Ostdeutschland beträfen. Kurth forderte einen schärferen Blick auf die Rolle der alten Bundesrepublik in dem Skandal. "Der Vorwurf geht ins Mark unseres gesellschaftlichen Gewissens und weckt beschämende Erinnerungen an die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte im Nationalsozialismus", sagte der Sprecher für Aufbau Ost der FDP-Bundestagsfraktion. Sollten die Vorwürfe zutreffen, dürfe es nicht bei einer gewichtigen Würdigung der Opfer bleiben. Daher wolle er sich für eine parlamentarische Behandlung der Vorfälle einsetzen.

Der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft, Rainer Wagner, sagte der "Mitteldeutschen Zeitung": "Hier kommt westliche Profitgier zusammen mit kommunistischer Skrupellosigkeit. Die Vorgänge müssen lückenlos aufgeklärt und die Opfer entschädigt werden." Eine Entschuldigung sei das Mindeste.

Sowohl die ARD-Dokumentation als auch der "Tagesspiegel" berufen sich auf einen Fernsehbericht im MDR sowie auf Unterlagen aus dem einstigen DDR-Gesundheitsministerium. In der Liste seien mehr als 50 Firmen aufgeführt, die bei dem Ministerium von 1983 bis zum Mauerfall 165 Medikamentenstudien in Auftrag gegeben hätten, hieß es. Bis zu 860.000 D-Mark sollen für einzelne Studien an die DDR gezahlt worden seien. In mindestens sieben Fällen erfuhren die Patienten angeblich nichts.

cib/dapd/dpa

Forum

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insgesamt 43 Beiträge
1. Entschädigung?
poetnix 29.12.2012
Natürlich Entschädigung! Aber Verurteilung der Pharmaindustrie wegen schwerer kriminellen Handlungen einer giergesteuerten Industrie!
Natürlich Entschädigung! Aber Verurteilung der Pharmaindustrie wegen schwerer kriminellen Handlungen einer giergesteuerten Industrie!
2. Was ist mit den DDR Verantwortlichen ?
wunni2010 29.12.2012
Wann werden die ex DDR Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen ?
Wann werden die ex DDR Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen ?
3.
Klapperschlange 29.12.2012
Wagenknecht und Gysi, klären sie auf. Wer in der SED, ihrer Mutterpartei, war hier verantwortlich?
Zitat von sysopJahrelang sollen westliche Pharmafirmen Medikamente an ahnungslosen DDR-Bürgern ausprobiert haben. Jetzt fordern Politiker eine gründliche Aufklärung des Skandals und plädieren für Konsequenzen: Möglicherweise müssen die beteiligten Unternehmen den Betroffenen Entschädigungen zahlen. Geheime Medikamententests in der DDR: Politiker fordern Aufklärung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/geheime-medikamententests-in-der-ddr-politiker-fordern-aufklaerung-a-875120.html)
Wagenknecht und Gysi, klären sie auf. Wer in der SED, ihrer Mutterpartei, war hier verantwortlich?
4. Teste der Pharmaindustrie im Osten
spon-facebook-10000085205 29.12.2012
da betraf nicht nur die DDR - und Süßmuth wußte natürlich wie bei HIV von nichts - wohl wieder falsche Berater? Wer waren denn die Eissenschaftler aus der DDR, die regelmäßig zu Kongressen für den Westen frei bekamen? und FDP wer [...]
da betraf nicht nur die DDR - und Süßmuth wußte natürlich wie bei HIV von nichts - wohl wieder falsche Berater? Wer waren denn die Eissenschaftler aus der DDR, die regelmäßig zu Kongressen für den Westen frei bekamen? und FDP wer war den später für diese Partei Abgeordneter als Chefarzt von Dessau der auch zu DDR-Zeiten mit seiner Familie in Spanien Urlaub machen konnte?Später stellte sich heraus, dass in seiner Pathologie ohne Wissen der Angehörigen Hirndrüsen für eine skandinavische Firma entnommen wurden? Er war auch immer mit den SEDBonzen auf der Tribüne - und nach der Wende FDP
5.
cassandra106 29.12.2012
Woher soll Wagenknecht das wissen? Die war in der DDR fast schon Dissidentin, vom Alter ganz zu schweigen. Fragen Sie doch Gauck, seine Stasi Behörde müsste das ja alles wissen, sofern das den Mann überhaupt je interessiert hat. [...]
Zitat von KlapperschlangeWagenknecht und Gysi, klären sie auf. Wer in der SED, ihrer Mutterpartei, war hier verantwortlich?
Woher soll Wagenknecht das wissen? Die war in der DDR fast schon Dissidentin, vom Alter ganz zu schweigen. Fragen Sie doch Gauck, seine Stasi Behörde müsste das ja alles wissen, sofern das den Mann überhaupt je interessiert hat. Und Gysi hatte ja keine hohe Position bis zur Wende. Warum eigentlich nicht die Frage an unsere Parteien? Schließlich waren es westdeutsche Firmen.

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