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18.01.2013
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Räumungsklage wegen Mietstreitigkeiten

Umstrittene Elisées-Klinik ist geschlossen

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Lippen aufspritzen, Fett absaugen, Falten korrigieren - das ist das normale Tagesgeschäft. Daneben sollen die Betreiber einer Bonner Privatklinik kranken Menschen aber auch umstrittene Stammzellbehandlungen anbieten. Den Firmensitz mussten sie nun räumen, die dubiose Praxis ist damit nicht beendet.

Hamburg - Schön sieht sie aus, die Klinik, deren Therapiespektrum genau das verspricht: Straffe Körper, pralle Brüste, Jugendlichkeit. Im feinen Villenviertel Bonn-Bad Godesberg liegt das Therapiezentrum der umstrittenen Elisées-Klinik, die wegen des Angebots wissenschaftlich wenig erprobter Therapien bekannt wurde. Die Fassade des Hauses leuchtet in dezentem Weiß, grüne Zierbögen flankieren Fenster und den repräsentativen Eingang. Jetzt ist die umstrittene Klinik geschlossen. Nicht aus Gründen des Patientenschutzes, Grund sind ganz banale Mietstreitigkeiten.

Die Fenster waren undicht, es tropfte aus Dach- und Regenrinnen, so dass immer wieder Wasser in die Behandlungsräume und Operationssäle der Klinik drang. Deshalb kürzten die Betreiber die Miete, erst um 70 Prozent (seit September 2010), im Juli 2010 und seit Juli 2012 direkt um 100 Prozent. Der Fall landete vor dem Landgericht Bonn. Ein Gutachter stellte fest, dass es Schäden an dem Gebäude gab, das Gericht hielt allerdings eine Mietminderungung in geringerer Höhe (30 Prozent) für gerechtfertigt. Das machte die fristlose Kündigung rechtens.

Letztlich belief sich der Mietrückstand auf 160.000 Euro, bestätigt der Sprecher des Landgerichts Bonn SPIEGEL ONLINE. Das war der Vermieterin, einer Wohnungsgesellschaft, dann doch zu viel. Nach fünf fristlosen Kündigungen folgte die Räumungsklage. Bedeutet dies nun das Ende der Elisées? Auf mehrfache Anfrage reagierte die Geschäftsleitung der Klinik bisher nicht.

Das Geschäft mit der Hoffnung

Es ist nicht das erste Mal, dass die Elisées in Schwierigkeiten ist: Den Behörden bekannt wurde sie, weil man sich in der Klinik nicht nur verschönern lassen konnte. Kranken Menschen wurde auch eine rettende Therapie mit ihren eigenen Stammzellen offeriert. Das Verfahren ist umstritten, erst in wenigen Fällen hat eine solche Behandlung eine Heilkraft gezeigt, etwa bei Menschen mit Leukämie. Erfolge zeigten sich auch in der Behandlung nach einem Herzinfarkt.

Das Paul-Ehrlich-Institut, die zuständige Bundesbehörde für biomedizinische Arzneimittel, spricht von einem experimentellen Behandlungskonzept, "das lediglich in einzelnen Indikationen das Stadium der Grundlagenforschung verlassen hat". Die Behörden wurden aktiv.

Die Bezirksregierung Köln untersagte der Klinik per Unterlassungsverfügung im Dezember 2011 die Herstellung von Stammzellzubereitungen aus dem patienteneigenen Knochenmark in den meisten Indikationen. Am 12. Juni 2012 folgte eine Untersagung durch die untere Gesundheitsbehörde Bonn.

Stammzellen gelten als zelluläre Alleskönner: Nicht nur Embryonen enthalten die Zellen, aus denen sich verschiedene Arten menschlichen Gewebes entwickeln können. In etwa 20 Organen des Menschen inklusive der Muskeln finden sich adulte Stammzellen.

Behandlung wissenschaftlich nicht erprobt

Die Idee hinter der Therapie ist, einem kranken Menschen diese Zellen zu entnehmen und an die erkrankte Stelle zu injizieren - auf dass sie dort zur Reparatur führen. Allerdings: Werden Patienten mit ihren eigenen Stammzellen behandelt, können diese, wenn eine genetische Krankheit vorliegt, nicht gesund sein, denn sie enthalten ebenfalls den Defekt. In diesem Fall kann das Prinzip nicht funktionieren. In anderen Fällen mögen Stammzellen eines Tages hilfreich sein.

Wenn aber Menschen schwer erkrankt sind, spielen derartige wissenschaftliche Überlegungen keine Rolle mehr. Die Verheißung auf Heilung erweckt Hoffnungen - und öffnet die Portemonnaies der Betroffenen. Und leider finden sich immer wieder unseriöse Anbieter, die die Not der Verzweifelten ausnutzen.

Diese daran zu hindern, sich an der Verzweiflung anderer zu bereichern, ist derzeit äußert schwierig. Ärzte können sich oft darauf berufen, einen "individuellen Heilversuch" durchführen zu wollen. Diese Regelung erlaubt es in besonderen Fällen, nicht zugelassene Medikamente anzuwenden, etwa wenn herkömmliche Therapien nicht mehr helfen. Eine behördliche Genehmigung ist nicht erforderlich, der Patient muss über den experimentellen Charakter und die Risiken der Behandlung aufgeklärt werden.

In der Elisées-Klinik dürfen nach den Untersagungen der Behörden Ende 2011 zwar keine adulten Stammzellzubereitungen mehr hergestellt werden, allerdings werden Stammzelltherapien über eine nur von außerhalb Deutschlands abrufbare Website weiterhin offeriert. "Elisées Stemcell" heißt die Vermarktungsplattform, betrieben wird sie durch "Elisées International". In englischer Sprache werden verschiedenste Behandlungen angeboten. In Deutschland gebe es nur die Stammzellentnahme und Aufbereitung, in Österreich und Indonesien auch die Stammzelltherapie.

Im vergangenen August wurde bekannt, dass sich eine arabische Familie nach einem generellen Gesundheitscheck nach Bonn begeben wollte, um die kranken Kinder dort behandeln zu lassen. Zeitgleich korrespondierte die Klinik über ihre internationalen Patientenberater mit einer weiteren arabischen Familie - ob diese tatsächlich behandelt wurde, ist nicht bekannt.

Ein Sprecher der Elisées Kliniken bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass es einen Mailverkehr gegeben hat. Behandelt würden die Patienten - wenn es denn dazu komme - aber nicht in Deutschland. "Elisées International arbeitet derzeit in Asien, Arabien, Russland und in einigen europäischen Ländern." Was kümmert die Betreiber da eine läppische Räumungsklage in Bonn? Gegen den jüngsten Kündigungsentscheid haben die Betreiber der Klinik umgehend Berufung eingelegt.

Am Tor des Bonner Standorts der Elisées-Klinik informiert derzeit ein einfaches Zettelchen über die Schließung, allerdings nur bis Ende Januar. "Wegen Renovierungsarbeiten."

Forum

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insgesamt 4 Beiträge
1.
7eggert 18.01.2013
Oh je, da ist eine Therapie nicht zwanzig Jahre von der Wissenschaft ignoriert worden oder endlich von den mächtigen Pharmakonzernen auf einem patentierten Arbeitsprozeß beruhend zugelassen worden, und es werden damit [...]
Zitat von sysopDaneben sollen die Betreiber einer Bonner Privatklinik kranken Menschen aber auch umstrittene Stammzell-Behandlungen anbieten. Stammzelltherapie: Elisées-Klinik fürs erste geschlossen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/stammzelltherapie-elisees-klinik-fuers-erste-geschlossen-a-878333.html)
Oh je, da ist eine Therapie nicht zwanzig Jahre von der Wissenschaft ignoriert worden oder endlich von den mächtigen Pharmakonzernen auf einem patentierten Arbeitsprozeß beruhend zugelassen worden, und es werden damit Menschen behandelt! Kein Wort davon, ob es hilft oder nicht, es wird verboten! Wahrscheinlich ist es auch verboten, für so eine Behandlung ein Erfolgshonorar zu vereinbaren ... Versteht mich nicht falsch. Wenn es gute Argumente gibt, daß die Behandlung nicht hilft oder schulmedizinische Alternativen üblicherweise deutlich bessere Heilung versprechen, dann ist ein Verbot natürlich gerechtfertigt, bis die schulmedizinische Behandlung bei den Patienten versucht wurde. Aber kranke Menschen leiden zu lassen, um der Bürokratie zu huldigen, ist nicht OK.
2. Stammzellen wild isn Gewebe zu injizieren
mhwse 19.01.2013
ist ungefähr so, als wenn der Auomechaniker mit dem Vorschlaghammer wild auf das Fahrzeug eindrischt, in der Hoffnung schon die defekte Stell zu treffen und ggf. sogar noch durch den Schlag zu reparieren. Dass im menschlichen [...]
ist ungefähr so, als wenn der Auomechaniker mit dem Vorschlaghammer wild auf das Fahrzeug eindrischt, in der Hoffnung schon die defekte Stell zu treffen und ggf. sogar noch durch den Schlag zu reparieren. Dass im menschlichen Körpr der entstandene Schaden (auch durch genehmigte Medikamente) gering / unsichtbar bleibt, ist nur den ausgezeichneten Selbstreperatur Mechanismen zu verdanken. Für einee erfolgreiche Stammezelln Therapie wären zwei Bedingungen zu erfüllen. Das genaue Treffen der defekten Stellen - nur möglich mit ultra mikro Chirurgie (im Gehirn z.B. gegen Parkinson ..) Und - und das schein mir noch wichtiger - der/den Stammzellen den richtigen Startcode zu schicken. Nicht dass da im Gehirn plötzlich ein Stück Herzgewebe gebildet wird. Das ganze ist ein Informatorischer Prozess, in dem zum richtigen Zeitpunkt der richtige bzw. die richtigen Schlüssel in Form von Genstücken - bzw. Hormonen, die genau eine Gen Abschnitt aktivieren können am richtigen Ort sein müssen. Die Ausbildung zum Menschen Mechaniker muss da erst noch verfeinert werden ..
3. Habe mir gerade die Website ...
gerd33 19.01.2013
http://www.elisees-stemcell.com/ über einen proxy-Server angeschaut. (geht auch von D aus). Tolle Therapien werden beworben -und auch die Krankheitsbilder sind vielfältig. Wer's glaubt ..... Hier die Indikationen: [...]
http://www.elisees-stemcell.com/ über einen proxy-Server angeschaut. (geht auch von D aus). Tolle Therapien werden beworben -und auch die Krankheitsbilder sind vielfältig. Wer's glaubt ..... Hier die Indikationen: Alzheimer Amyotrophic Lateral Sclerosis (ALS) Autism Cardiovascular Diseases Cerebral Palsy Critical Ischemia Diabetes Type 1 and 2 Erectile Dysfunction Liver disease Macular Degeneration Multiple sclerosis / CCSVI Osteoarthritis Parkinson Spinal Cord Injury Spina Bifida Stroke Others Da scheint ein Team von angehenden Nobelpreisträgern zu arbeiten!
4.
kumi-ori 19.01.2013
Man müsste eben jetz drei Dinge wissen: erstens, welche Krankheiten sollten hier mit Stamzellen behandelt werden, und wie ist die Prognose, wenn sie nicht oder nur mit den vorhandenen Therapien behandelt werden. zweitens, [...]
Man müsste eben jetz drei Dinge wissen: erstens, welche Krankheiten sollten hier mit Stamzellen behandelt werden, und wie ist die Prognose, wenn sie nicht oder nur mit den vorhandenen Therapien behandelt werden. zweitens, wie hoch ist das Risiko, wenn eine Stammzellbehandlung durchgeführt wird? Wie soll das überhaupt technisch stattfinden? Aus welchen geweben werden die SC gewonnen und wo werden sie implantiert? drittens, wie ist die Datenlage speziell zu den geplanten Heilversuchen. Wurde das je schon mal versucht? Wurde Vergleichbares schon mal versucht? Dann kann man sich ein ungefähres Bild davon machen, wie schwerwiegend die Fehler der Elysee-Klinik sind.

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Stammzellen - die Multitalente

Embryonale Stammzellen (ES)
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Sie gelten als die zellulären Alleskönner: Reift eine befruchtete Eizelle zu einer Blastozyste, einem kleinen Zellklumpen, heran, entsteht in deren Inneren eine Masse aus embryonalen Stammzellen. Die noch nicht differenzierten Stammzellen können sich zu jeder Zellart des menschlichen Körpers entwickeln. Voraussetzung ist, dass sie mit den richtigen Wachstumsfaktoren behandelt werden.
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Keimbahn-Stammzellen können normalerweise nur Spermien erzeugen. Aber man kann sie auch in pluripotente Stammzellen verwandeln. Diese "germline derived pluripotent stem cells" (gPS) bieten ein großes Potential, denn ihr Erbgut ist noch relativ unbeschädigt. Forschern gelang die Verwandlung an Hodenzellen von Mäusen - nur durch ganz bestimmte Zuchtbedingungen.
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Nicht nur Embryonen sind eine Quelle der Zellen, aus denen sich verschiedene Arten menschlichen Gewebes entwickeln können. In etwa 20 Organen inklusive der Muskeln, der Knochen, der Haut, der Plazenta und des Nervensystems haben Forscher adulte Stammzellen aufgespürt. Sie besitzen zwar nicht die volle Wandlungsfähigkeit der embryonalen Stammzellen, bereiten aber auch keine ethischen Probleme: Einem Erwachsenen werden die adulten Stammzellen einfach entnommen und in Zellkulturen durch Zugabe entsprechender Wachstumsfaktoren so umprogrammiert, dass sie zu den gewünschten Gewebearten heranreifen.
Ethik und Recht
Die Stammzellforschung birgt ethische Konflikte. Embryonale Stammzellen werden aus Embryonen gewonnen, die entweder eigens hergestellt werden oder bei künstlichen Befruchtungen übriggeblieben sind. Dabei wird der Embryo zerstört. Die Argumentation der Befürworter: Die Embryonen würden ohnehin vernichtet. Kritiker sprechen dagegen von der Tötung ungeborenen Lebens. In Deutschland ist das Herstellen menschlicher Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen verboten. In Ausnahmefällen erlaubt das Gesetz aber den Import von Stammzellen, die vor dem 1. Mai 2007 hergestellt wurden. In Großbritannien und Südkorea ist das therapeutische Klonen ausdrücklich erlaubt, ebenso in den USA.

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