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Wissenschaft

Proben aus Grab in Schweden

Forscher finden neuen Pesterreger

Sie starb vor gut 5000 Jahren - vermutlich an der Pest. In einem Grab in Schweden haben Forscher Überreste einer Frau mit einer unbekannten Variante des Erregers der Seuche gefunden. Es wäre der älteste bekannte Pestfall.

DPA/ Robert-Koch-Institut

Pestbakterium Yersinia pestis unter dem Mikroskop

Freitag, 07.12.2018   17:09 Uhr

Etwa 20 Jahre alt war die Frau, die zusammen mit Dutzenden Verwandten in einem der Ganggräber nahe des westschwedischen Ortes Gökhem bestattet wurde. Eine Bäuerin war sie, in der Blüte ihres Lebens stehend. Und wie Forscher jetzt glauben belegen zu können, war sie ein frühes Opfer des Pestbakteriums Yersinia pestis. Im Fachblatt "Cell" beschreibt ein Forscherteam aus Schweden, Dänemark und Frankreich, wie ihnen die Entdeckung dabei geholfen hat, den genetischen Stammbaum des Erregers neu nachzuzeichnen.

In den Überresten der Frau haben die Forscher einen bisher unbekannten Stamm des Bakteriums nachweisen können: Er ist gleichzeitig Beleg für die früheste bisher bekannte Pestinfektion überhaupt. Bisher waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass der Erreger mit dem Nomaden der sogenannten Jamnaja-Kultur vor etwa 4800 Jahren nach Europa gekommen war. Doch als die Frau aus dem Grab bei Gökhem starb, waren diese Einwanderer noch gar nicht in der Region. Außerdem weist das Bakterium genetische Unterschiede zu dem Stamm auf, der von ihnen nach Europa gebracht wurde.

Erste Pandemie der Weltgeschichte?

Nun spekulieren die Forscher darüber, ob der neu entdeckte Erreger ein Hinweis auf die erste Pandemie der Weltgeschichte sein könnte - in deren Folge ein massiver Einbruch in der Bevölkerungszahl steinzeitlicher Megasiedlungen in Moldau, Rumänien und der Ukraine zu verzeichnen war. Gesichert ist das jedoch nicht.

Verheerende Pestausbrüche auf dem Kontinent hatte es dann später im 6. Jahrhundert gegeben. Die sogenannte Justinianische Pest hatte vor allem im Mittelmeerraum gewütet. Im Oströmischen Reich starben nach Schätzungen mancher Historiker bis zur Hälfte aller Bewohner. Massiv wiederaufgeflammt war die Seuche wieder im Mittelalter. Damals war vom Schwarzen Tod die Rede. Schätzungen gehen von mindestens 25 Millionen Opfern in Europa aus, einem Drittel der damaligen Bevölkerung Europas - wahrscheinlich sogar deutlich mehr.

Die Pest ist bis heute nicht besiegt und tritt aktuell etwa auf Madagaskar auf. Mediziner unterscheiden Lungen- und Beulenpest. Übertragen wird die Krankheit durch infizierte Flöhe, die von Nagetieren wie etwa Ratten auf Haustiere und Menschen übergehen können. Manche Forscher halten sogar eine neue Pest-Pandemie für möglich.

chs

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