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Wissenschaft

Anonyme Hinweise

Forscherin erhält Leibniz-Preis vorerst nicht

Die Verleihung des renommierten Leibniz-Preises an die Materialwissenschaftlerin Britta Nestler vom Karlsruher Institut für Technologie ist kurzfristig ausgesetzt worden. Grund sind anonyme Hinweise in Zusammenhang mit ihrer Arbeit.

DPA/ DFG/ David Ausserhofer

Materialwissenschaftlerin Britta Nestler

Mittwoch, 15.03.2017   12:18 Uhr

Es ist der Ritterschlag für Forscher. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) verleiht seit 1986 jährlich den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis für herausragende Arbeiten im Bereich der Wissenschaft. Preisträger bekommen jeweils bis zu 2,5 Millionen Euro, die sie bis zu sieben Jahre lang für ihre Arbeiten verwenden können.

Doch unmittelbar vor der diesjährigen Verleihung gibt es möglicherweise ein Problem. Die Materialwissenschaftlerin Britta Nestler vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bekommt ihre Auszeichnung vorerst nicht, die sie eigentlich am Mittwochabend in Berlin gemeinsam mit neun anderen Preisträgern erhalten sollte.

Der DFG lägen anonyme Hinweise im Zusammenhang mit Forschungsarbeiten Nestlers vor, sagte ein Sprecher der Organisation am Mittwoch. Diese müssten zunächst ergebnisoffen geprüft werden. Einzelheiten zu den Vorwürfen gegen die Wissenschaftlerin nannte er nicht. Es gehe um Arbeiten Nestlers im Rahmen mehrerer von der DFG geförderter Projekte. Zuvor hatte der Südwestrundfunk (SWR) über die Angelegenheit berichtet.

Hinweise "auf Umwegen" zur DFG gelangt

Ein erstes Gespräch zwischen Nestler und der DFG-Spitze zu den Vorwürfen habe es am Dienstagnachmittag gegeben, so die Organisation. Die Forscherin sei einverstanden mit der Prüfung. Die Hinweise seien "auf Umwegen" zur DFG gelangt. Das KIT erklärt, Nestler sei "eine unter Fachkolleginnen und -kollegen anerkannte und geschätzte Wissenschaftlerin, die in ihrem Forschungsgebiet führend ist."

Eine Übersicht zu allen Leibniz-Preisträgern des Jahres 2017 finden Sie hier.

"Nestlers Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass sie äußerst flexible und leistungsfähige Simulationsumgebungen zur Mikrostruktursimulation von Materialien und Werkstoffen für den Einsatz auf Höchstleistungsrechnern entwickelt", so beschreibt die DFG die Arbeit der Forscherin auf ihrer Seite. Grundlage dafür seien quantitative Modelle für die Beschreibung von Mehrkomponentensystemen.

Nestler hat Physik und Mathematik in Aachen studiert. Dort promovierte sie auch. Für Forschungsaufenthalte war sie in Southampton und Paris. Im Jahre 2001 trat Nestler eine Professur an der Fakultät für Informatik der Hochschule Karlsruhe an, 2009 übernahm sie ihren jetzigen Lehrstuhl am KIT.

Schon einmal Verleihung kurzfristig abgesagt

Im Jahr 2005 hatte es schon einmal eine kurzfristige Absage einer Leibniz-Preis-Verleihung gegeben. Damals existierten Fälschungsvorwürfe gegen die Frankfurter Medizinprofessorin Stefanie Dimmeler. Diese bezogen sich auf den Umstand, dass die Forscherin ein und dieselbe Abbildung in verschiedenen Fachartikeln verwendet hatte - mit jeweils anderer Bildlegende.

Dimmeler hatte erklärt, dass ein Fehler eines Mitarbeiters zu einer Verwechslung geführt habe. Dadurch werde der Wert ihrer Ergebnisse aber nicht in Frage gestellt. Ein Ausschuss der DFG hatte die Sache anschließend überprüft. "Die in den Arbeiten dargestellten Ergebnisse haben sich allesamt als belast- und reproduzierbar herausgestellt", lautete dabei das Fazit, der Forscherin sei "kein wissenschaftliches Fehlverhalten vorzuwerfen". Dimmeler erhielt ihren Preis.

chs/dpa

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