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Wissenschaft

Ägypten

Acht Mumien aus Pharaonenzeit entdeckt

Sie stammen aus der Epoche, in der Tutanchamun Pharao war: Forscher haben nahe dem Tal der Könige etwa 3500 Jahre alte Mumien und Sarkophage entdeckt - und Eingänge zu weiteren Gräbern.

AFP
Dienstag, 18.04.2017   17:23 Uhr

In einem gut erhaltenen Grab aus der Zeit der Pharaonen haben Archäologen acht Mumien, farbenprächtige Holzsarkophage sowie rund tausend Tonfigürchen als Grabbeigabe gefunden. Wie das ägyptische Altertümerministerium am Dienstag mitteilte, wurde die Grabkammer in der Nekropole Dra Abu el-Naga in der Nähe des Tals der Könige entdeckt.

Bisher hätten sie acht Mumien und zehn Sarkophage gefunden, sagte Ausgrabungsleiter Mostafa Wasiri der Nachrichtenagentur AFP. Das Grab sei etwa 3500 Jahre alt und befinde sich auf dem westlichen Ufer von Luxor in der Nähe des Tals der Könige. Es stammt also aus jener Epoche, in der Tutanchamun Pharao war, der etwa von 1332 bis 1323 vor Christus regierte.

Das Grab gehörte mutmaßlich einem hochstehenden Beamten aus der 18. Dynastie (1550-1295 vor Christus), der unter anderem das Amt des Stadtrichters innehatte. Jahrhunderte später, während der 21. Dynastie, wurden laut Wasiri weitere Mumien in der Grabkammer bestattet. Vermutlich seien sie damals aus anderen Grabkammern geborgen worden, die Plünderer bereits ausgeraubt hatten.

"Für alle überraschend"

Altertümerminister Chaled al-Anani sprach von einer wichtigen Entdeckung. Es sei für alle eine Überraschung gewesen, wie viele Schätze sich in der Grabkammer verborgen hätten, sagte er vor Journalisten an der Ausgrabungsstätte.

Laut Ministerium entdeckten die Archäologen Eingänge zu zwei weiteren Gräbern, die noch erforscht werden sollen.

Nach mehr als sechs Jahren Pause habe das Team Anfang des Jahres erneut mit Ausgrabungen in dem Gebiet begonnen, die noch fortgesetzt werden.

Die ägyptischen Behörden hatte in den vergangenen Jahren eine Reihe ehrgeiziger archäologischer Projekte angestoßen - in der Hoffnung, neue Entdeckungen könnten mehr Touristen anlocken. Unter anderem suchten sie im Grab von Tutanchamun nach einer geheimen Kammer, in der die Mumie seiner Stiefmutter Nofretete vermutet wurde.

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boj/AFP/dpa

insgesamt 1 Beitrag
Sumerer 19.04.2017
1.
Howard Carter hatte "Recht". Wie er einst beiläufig anmerkte: Schriftstücke würden uns mehr über die Kultur und das Leben der alten Ägypter vermitteln als es sonstige Funde je tun würden. Die Grabbeilagen [...]
Howard Carter hatte "Recht". Wie er einst beiläufig anmerkte: Schriftstücke würden uns mehr über die Kultur und das Leben der alten Ägypter vermitteln als es sonstige Funde je tun würden. Die Grabbeilagen belegen halt die Wichtigkeit des Lebens. Wenn auch nur indirekt für unsere Vorfahren.

Archäologische Methoden der Datierung

Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, erlaubt das Rückschlüsse auf das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag. Allerdings liefert dieses Verfahren keine absolute Altersangabe wie die C14-Methode. Die Archäologen können so nur feststellen, dass ein Artefakt etwa zur gleichen Zeit in die Erde gelangt ist.

Gräber-Quiz

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