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Wissenschaft

Nach Protest von Druiden

Tunnel bei Stonehenge soll verlängert werden

Der Autoverkehr soll künftig unterirdisch an Stonehenge vorbeigeführt werden. Doch Druiden und Archäologen kritisieren das Tunnelprojekt. Nun hat die Regierung die Pläne angepasst.

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Autos auf der Straße A303 bei Stonehenge

Dienstag, 12.09.2017   12:17 Uhr

Die A303 ist eine wichtige Hauptstraße in Südengland. Sie verbindet die Städte Basingstoke und Honiton. Wer von London Richtung Cornwall reist, für den ist die A303 eine interessante Route, denn sie führt direkt vorbei an den berühmten Steinkreisen von Stonehenge.

Doch das ist auch ein Problem. Denn Besucher der Unesco-Weltkulturerbestätte stören sich an der Straße mit ihren vielen Autos. Die zuständige Behörde Highways England möchte die Hauptstraße deshalb auf fast drei Kilometern Länge unter die Erde verlegen.

Doch nach der Vorstellung des Projekts gab es Protest von Archäologen, der Stonehenge Alliance und Druiden, welche die Stätte für religiöse Zwecke nutzen.

Als besonders problematisch gilt die geplante Lage eines Tunnelausgangs. "Wir wollen nicht, dass der Tunnel genau auf der Linie herauskommt, wo die Sonne zur Wintersonnenwende untergeht", sagte Erzdruide Rollo Maugfling im März. Bedenken gab es auch, weil der Ausgang sehr nah an alten Grabhügeln liegt.

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Stonehenge: Archäologen entdecken riesiges Vorläufer-Monument

Nun hat die Straßenbehörde reagiert und angekündigt, den Tunnel um 50 Meter zu verlängern. Der Ausgang würde dann den Blick vom Monument Richtung Sonnenuntergang weniger stören. Der Bau des Tunnels könnte im Jahr 2021 beginnen und soll fünf Jahre dauern, berichtet der "Guardian".

Nach dem Tunnelbau wäre auch ein alter Weg vom nahegelegenen Fluss Avon zu den Steinkreisen wieder begehbar, ohne dass die vielbefahrene A303 überquert werden muss. Dieser Zugang aus östlicher Richtung soll einst bei religiösen Zeremonien genutzt worden sein.

Ursprünglich aus Wales

Das Rätsel von Stonehenge beschäftigt Archäologen seit Generationen. Vermutlich war es bereits in der Jungsteinzeit eine wichtige religiöse Stätte, die wohl über lange Zeit genutzt worden ist. Wissenschaftler glauben, dass die Steine eine Art Kalender gewesen sein könnten, durch den die Sommer- und die Wintersonnenwende vorausgesagt wurde. Es gibt aber auch verschiedene andere Theorien.

Die bis zu 25 Tonnen schweren Steinkolosse sollen aus einem mehr als 380 Kilometer entfernten Steinbruch in Pembrokeshire (Wales) stammen - sie zu transportieren und aufzustellen, muss eine Herkulesaufgabe gewesen sein. Das Monument könnte sogar ursprünglich in Wales gestanden haben.

2008 hatten Archäologen berichtet, Stonehenge sei schon vor 5000 Jahren eine Begräbnisstätte gewesen - und zwar für mindestens 500 bis 600 Jahre. Im Jahr 2015 entdeckten Wissenschaftler einen Vorläufer von Stonehenge. Bis zu 200 Steine standen demnach im Rund. Die Anlage war zudem einst umgeben von Hunderten Gräbern und Tempeln.

hda

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Archäologische Methoden der Datierung

Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, erlaubt das Rückschlüsse auf das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag. Allerdings liefert dieses Verfahren keine absolute Altersangabe wie die C14-Methode. Die Archäologen können so nur feststellen, dass ein Artefakt etwa zur gleichen Zeit in die Erde gelangt ist.

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