Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

Palmyra

Hoffnung für eine zerstörte Stadt

Die Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" wollten das antike Erbe der Stadt ausradieren. Heute stellt sich die Frage, was mit den Ruinen geschehen soll.

AFP

Der zerstörte Baal-Tempel

Mittwoch, 13.09.2017   17:52 Uhr

Palmyra galt in der Antike als eine der schönsten Städte. Schon bevor sie römische Kolonie wurde, hatte sie eindrucksvolle Plätze, Häuser und Tempel in weitem Umkreis. Inzwischen sind viele antike Monumente und Gebäude durch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zerstört worden. Eine ZDF-Doku stellt sich der Frage, was mit den Ruinen geschehen soll.

Die ungewöhnliche Geschichte der antiken Wüstenstadt reicht bis 2000 vor unserer Zeitrechnung zurück. Nomaden gründeten die Siedlung damals. Bald wurde Palmyra zur wichtigen Oase für Handelskarawanen.

Die Bewohner der Stadt galten bereits in vorrömischer Zeit als erfolgreiche Händler mit Kontakten bis nach Italien und Spanien oder sogar nach China. Von dort wurde die begehrte Seide importiert.

Unter den Römern war Palmyra ein Treffpunkt der Kulturen. Der Baal-Tempel, im Jahr 32 unserer Zeitrechnung eingeweiht, war auch architektonisch eine Verbindung von Elementen aus Orient und Okzident.

Fotostrecke

Palmyra: So wüteten die IS-Terroristen in der antiken Oasenstadt

Unter Archäologen gilt die Stadt als Juwel, für Historiker als Schmelztiegel der Kulturen in der syrischen Wüste. Die Unesco erklärte sie 1980 zum Weltkulturerbe.

Doch seit die Terrormiliz IS im Mai 2015 die Stadt eroberte, versuchten ihre Anhänger, Palmyras antikes Erbe auszuradieren. Viele Säulen sind mit Einschusslöchern übersät, etliche Gebäude aus römischer Zeit haben die IS-Kämpfer gesprengt, darunter den berühmten Baal-Tempel.

Inzwischen ist die Stadt wieder unter Kontrolle der syrischen Armee. Sie hatte die Terrormiliz im März vertrieben, nachdem diese die Stadt im Dezember vergangenen Jahres zurückerobert hatte.

Dokumentation und Restauration

Derzeit machen sich Wissenschaftler mit Hilfe moderner Technik ein Bild davon, wie stark die Zerstörungen sind. Dazu gehört unter anderem die satellitengestützte Fernerkundung. Mit solchen Bildern, die mit früheren Ansichten oder Fotos verglichen werden, lässt sich dokumentieren, welche Bauwerke verschwunden sind und was noch steht.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist daran ebenso beteiligt wie das Deutsche Archäologische Institut (DAI), das das Projekt "Stunde Null" zur Rettung Palmyras ins Leben gerufen hat. Eines der Ziele ist es, ein digitales Kartenmodell zu allen Gebäuden, Fundamenten und Grabungsstellen herzustellen.

Einige Wissenschaftler planen sogar, die zerstörten Gebäude zu rekonstruieren. Mit Hilfe eines 3D-Druckers haben Wissenschaftler in London bereits einen antiken Ehrenbogen reproduziert. Aber ob man Palmyra aus dem 3D-Drucker wieder auferstehen lassen soll, ist nicht nur unter Archäologen umstritten.

Friederike Fless, Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts, stellt sich Palmyra in 20 Jahren jedenfalls als riesige Baustelle mit zahlreichen Renovierungs- und Restaurierungsprojekten vor. Palmyra könnte zu einem Symbol des Neuanfangs in Syrien werden - noch aber ist das Schicksal der Stadt offen.

Wie Palmyras Zukunft aussehen könnte, darum geht es einer Dokumentation aus der ZDF-Reihe "Terra X". "Die Rettung Palmyras" ist der Titel der Sendung, die am Sonntag um 19.30 Uhr ausgestrahlt wird.

Andreas Heimann, dpa/brt

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP