27.09.2002
Ecstasy-Folgen
Party-Droge schädigt das Gehirn
Hinweis: Die in diesem Text beschriebene Ecstasy-Studie wurde im Jahr 2003 widerrufen - mehr Informationen dazu finden Sie hier.
Schon eine einzige unter starkem Ecstasy-Einfluss durchtanzte Nacht kann offenbar dauerhaft das Gehirn der Konsumenten schädigen. Wie US-amerikanische Mediziner im Wissenschaftsmagazin "Science" berichten, kann die Partydroge das Risiko, in späteren Jahren an schweren neurologischen Störungen zu erkranken, deutlich steigern. Darauf deuteten Versuche an Totenkopfäffchen und Pavianen hin.
Seit langem vermuten Wissenschaftler, dass der regelmäßige Konsum der Droge über einen längeren Zeitraum bestimmte Zellen im Gehirn abtötet und somit den Kreislauf des Hormons Serotonin stört. Dieser Botenstoff ist für die Überwachung des menschlichen Gemütszustandes, des Sexualtriebs und den Schlafrhythmus zuständig.
Doch ein Team um George Ricaurte von der Johns Hopkins University in Baltimore ist jetzt auf einen weiteren Prozess gestoßen, der weitaus schlimmere Auswirkungen auf die Nervenzellen von Drogen-Konsumenten haben könnte. Um die Wirkung einer Ecstasy-Nacht zu simulieren, verabreichten die Forschern den Affen drei typische Dosen im Abstand von jeweils drei Stunden.
Als sie anschließend die Gehirnaktivitäten der Versuchstiere untersuchten, erlebten die Mediziner nach eigenem Bekunden eine Überraschung: Die Droge hatte nicht nur die Serotonin-Neuronen in Mitleidenschaft gezogen, auch andere Nervenzellen wurden beschädigt. So setzte das Ecstasy die für den Botenstoff Dopamin verantwortlichen Neuronen außer Gefecht, die für die Bewegungskontrolle, für emotionale Reaktionen und das Glücksgefühl verantwortlich sind.
Wie die Forscher in "Science" schreiben, setzte die Droge in einer bestimmten Gehirnregion bis zu 80 Prozent aller Dopamin-Neuronen außer Gefecht. Der Effekt sei dabei noch deutlich schlimmer gewesen als die altbekannten Auswirkungen auf das Serotonin, schreibt Ricaurte.
"Am meisten beunruhigt uns dabei, dass die Dopamin-Störungen im Alter zu Symptomen führen können, die an die Parkinson-Krankheit erinnern", so der Mediziner. Ist der Dopamin-Gehalt im Gehirn erst einmal um 90 Prozent gesunken, können Koordinationsprobleme auftreten - darunter Zittern, Steifheit und schwere Haltungsschäden.
Zwar zeigten die heutigen Ecstasy-Konsumenten noch keine bleibenden Koordinationsschwierigkeiten, das könnte sich im Alter allerdings ändern. Nach Erkenntnissen von Medizinern nimmt der Dopamin-Gehalt im Gehirn unweigerlich mit dem Alter ab. Die Anhänger der Partydroge setzten sich daher einem, so Ricaurte, unkalkulierbaren Risiko aus - und das bereits nach einer durchfeierten Nacht.