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Wissenschaft

Angst vor Mikrowellen

Mammutstudie bringt keine Hinweise auf Krebsgefahr durch Handys

Löst Handystrahlung Hirnkrebs aus? Die weltweit größte Studie sollte endlich Antworten liefern, zehn Jahre lang haben Forscher Hunderttausende Menschen in 13 Ländern untersucht. Klare Anzeichen für ein erhöhtes Tumorrisiko fanden sie nicht. Doch Raum für Spekulationen bleibt.

Pong Research

Handystrahlung (Grafik): Keine eindeutigen Zeichen für erhöhtes Krebsrisiko

Von
Montag, 17.05.2010   15:00 Uhr

Sie ist der Rolls-Royce unter den Untersuchungen zum Thema Handy und Hirnkrebs, und sie sollte die nagenden Zweifel endlich besiegen. Die Interphone-Studie hat Wissenschaftler in 13 Ländern zehn Jahre lang beschäftigt. Hunderttausende Menschen in ganz Europa wurden befragt und untersucht, mehrere Teilstudien wurden seit 2000 in Fachblättern veröffentlicht. Jetzt liegt das mit Spannung erwartete Endergebnis vor.

Es lautet: Rational betrachtet muss sich niemand vor Handys und Mobilfunk-Sendemasten fürchten. Wer aber weiterhin Angst haben möchte, wird nach wie vor seine Gründe finden.

"Ein erhöhtes Risiko von Hirnkrebs ist aus den Interphone-Daten nicht ablesbar", sagte Christopher Wild, Direktor der International Agency for Research on Cancer (IARC), jener Abteilung der Weltgesundheitsorganisation WHO, die für das Mammutprojekt verantwortlich zeichnet.

Die Mainzer Statistikprofessorin Maria Blettner sieht nunmehr den Zeitpunkt für eine weitgehende Entwarnung gekommen: Handys würden mit großer Wahrscheinlichkeit keine Hirntumoren auslösen. "Ich würde momentan kein Geld mehr ausgeben, um dieser Frage weiter nachzugehen", sagte Blettner, Direktorin des Instituts für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik an der Universität Mainz und Mitautorin der Interphone-Studie. "Es gibt wichtigere Probleme."

Zwar sei die Frage nach einer extrem langfristigen Wirkung der Handy-Nutzung noch "ein Stück weit offen". "Aber selbst falls es einen Effekt geben sollte, dürfte er so minimal sein, dass auch weitere Studien vermutlich keine neuen Erkenntnisse bringen würden", sagt Blettner im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Leiser Verdacht, aber keine eindeutigen Hinweise

Die Endfassung der Interphone-Studie, die am Dienstag im "International Journal of Epidemiology" veröffentlicht wird, deckt sich mit den Resultaten der bereits vorliegenden Teilstudien. Insgesamt kamen unter den Hunderttausenden Menschen, deren Daten in das Projekt eingeflossen sind, 2708 sogenannte Gliome und 2409 Meningeome vor. Einen handfesten, statistisch belastbaren Zusammenhang zwischen der Entstehung dieser Hirntumoren und der Handy-Nutzung konnten die Wissenschaftler jedoch nicht entdecken.

Nur ein kleines Teilergebnis erregte leisen Verdacht: Unter den zehn Prozent der Studienteilnehmer mit der intensivsten Handy-Nutzung (mehr als 1640 Stunden bis zum Zeitpunkt der Befragung) stieg die Gefahr von Gliomen um 40 Prozent und die von Meningeomen um 15 Prozent.

Doch die Daten sind so wackelig, dass sie nach Angaben der Forscher nicht genügen, um einen kausalen Zusammenhang zwischen der Handy-Nutzung und der Entstehung der Tumoren zu begründen. Die errechnete Risikosteigerung basiert auf Daten, die der Erinnerung der Befragten entstammen - und die kann trügerisch sein. So wollen sich etwa Tumorpatienten - nachdem sie von ihrer Erkrankung erfahren haben - häufig daran erinnern, ihr Handy hauptsächlich an die vom Tumor befallene Kopfseite gehalten zu haben.

Der deutsche Krebsforscher Joachim Schüz, der ebenfalls an der Interphone-Studie beteiligt war, sieht hier die Gefahr einer Verzerrung der Daten. Zwar mache es "nachdenklich", dass insbesondere die Zahl der Tumoren im Schläfenbereich anscheinend gewachsen sei - so wie man es durch die Handy-Nutzung erwarten würde. Doch es könne sich genauso gut um ein statistisches Artefakt handeln.

Wie unsicher die Daten sein können, beweist ein weiteres Ergebnis der Interphone-Studie: Bei jenen 90 Prozent der Handynutzer, die nicht zur Gruppe der Vieltelefonierer gehörten, sank das Krebsrisiko. Bei der Betrachtung der Gesamtzahl der Anrufe - also unabhängig von der Zahl der Stunden - fanden die Forscher den bizarren Effekt sogar bei allen Nutzergruppen: Sie hatten ein geringeres Tumorrisiko als jene Menschen, die nie ein Handy benutzt hatten.

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insgesamt 103 Beiträge
chocochip 17.05.2010
1. Nachweis?
Die Unbedenklichkeit wird man nie nachweisen können, das geht schon wissenschaftstheoretisch nicht. Das heißt: Es werden immer Zweifel bleiben, solange man die Bedenklichkeit nicht nachweist. So wie es auch nie [...]
Zitat von sysopLöst Handystrahlung Hirnkrebs aus? Die weltweit größte Studie sollte endlich Antworten liefern, zehn Jahre lang haben Forscher Hunderttausende Menschen in 13 Ländern untersucht. Klare Anzeichen für ein erhöhtes Tumorrisiko fanden sie nicht. Doch Raum für Spekulationen bleibt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,695099,00.html
Die Unbedenklichkeit wird man nie nachweisen können, das geht schon wissenschaftstheoretisch nicht. Das heißt: Es werden immer Zweifel bleiben, solange man die Bedenklichkeit nicht nachweist. So wie es auch nie nachgewiesen wurde, dass das Fahren mit Geschwindigkeiten größer als 20km/h unbedenklich ist. Man hat nur keinerlei HInweis darauf erhalten, dass es dies ist, nachdem Milliarden Menschen regelmäßig mit Geschwindigkeiten größer 20km/h durch die Gegend fahren.
pulegon 17.05.2010
2. As usual
Amen
Zitat von sysopLöst Handystrahlung Hirnkrebs aus? Die weltweit größte Studie sollte endlich Antworten liefern, zehn Jahre lang haben Forscher Hunderttausende Menschen in 13 Ländern untersucht. Klare Anzeichen für ein erhöhtes Tumorrisiko fanden sie nicht. Doch Raum für Spekulationen bleibt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,695099,00.html
Amen
rkinfo 17.05.2010
3. Prepaid schützt vor Krebs ?
Es scheint zumindest so dass der Mäßigtelefonierer = mit Prepaid-Karte ?! so einen leichten Vorteil hat. Bleibt nur noch die Frage welcher Provider den geringsten 'Krebs-Effekt' vollbringt ? Physikalisch betrachtet liegt die [...]
Es scheint zumindest so dass der Mäßigtelefonierer = mit Prepaid-Karte ?! so einen leichten Vorteil hat. Bleibt nur noch die Frage welcher Provider den geringsten 'Krebs-Effekt' vollbringt ? Physikalisch betrachtet liegt die Grenzlinie 'unschädlich' zu schädlich etwa bei 'bis UV-A' und 'ab UB-B'. Jeder Sommertag ist da gefährlicher als die viel energieärmeren Handystrahlung. Wobei jene sogar abgedeckt mit Albert Einstein legendärer Arbeit von 1905 zum Photoeffekt. Albert würde über solche Studien nur lächelnd die Zunge raus strecken. Trotzdem, einfach weiter forschen. 'Handystrahlung' ist Lebenauafgabe und bringt den Instituten Beschäftigung und den Mitarbeiten solide Anstellungen incl. Chance zur Familienbildung ein. Und die Kleinen bekommen dann ihre Handys ... für den Selbstversuch.
petmert 17.05.2010
4. ich glaube... also rege ich mich auf
so wie ich das ganze als nicht-wissenschaftler verstehe, ist das ganze nur noch eine reine glaubensfrage: - "Ein Mobiltelefon erzeugt Mikrowellen und kann menschliches Gewebe erwärmen. Aber das Feld gilt als zu schwach, um [...]
so wie ich das ganze als nicht-wissenschaftler verstehe, ist das ganze nur noch eine reine glaubensfrage: - "Ein Mobiltelefon erzeugt Mikrowellen und kann menschliches Gewebe erwärmen. Aber das Feld gilt als zu schwach, um Veränderungen in Zellen oder im Erbgut zu verursachen - und es nimmt an Stärke ab, je tiefer es ins Gewebe eindringt" also wissenschaftlich gibt es erst mal keinen anhaltspunkt um anzunehmen, handys schaden dem hirn. aber - um sicher zu gehen machen mir auch mal noch eine riesen-feldstudie, die auch keine effektiven probleme zeigt. also sowohl systematisch als auch empirisch gibt es keinerlei anhaltspunkte. da die studie aber nur für die letzten 10 jahre gilt, könnte man immer noch annehmen, im 11. könnte ja was passieren? da muss man aber schon sehr fest glauben können.
Holgilein 17.05.2010
5. Hust!
...und beim Schnurtelefon besteht die erhebliche Gefahr, sich mit der Schnur beim Telefonieren zu erdrosseln. SHOCKING!
Zitat von sysopLöst Handystrahlung Hirnkrebs aus? Die weltweit größte Studie sollte endlich Antworten liefern, zehn Jahre lang haben Forscher Hunderttausende Menschen in 13 Ländern untersucht. Klare Anzeichen für ein erhöhtes Tumorrisiko fanden sie nicht. Doch Raum für Spekulationen bleibt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,695099,00.html
...und beim Schnurtelefon besteht die erhebliche Gefahr, sich mit der Schnur beim Telefonieren zu erdrosseln. SHOCKING!
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Mobilfunk: Frequenzen, Strahlung und Wärme

"Handy-Strahlung"
Das Wort sorgt zuweilen für Beunruhigung, vor allem unter Physik-Unkundigen. Mobiltelefone (und die zugehörigen Sendemasten) bauen hochfrequente gepulste elektromagnetische Felder auf. In Deutschland werden in GSM-Handynetzen Frequenzen um 900 und 1800 Megahertz verwendet. Mobiltelefonie ist nicht die einzige Technologie, die solche Felder erzeugt. Auch schnurlose (DECT-)Telefone tun das.

Über mögliche gesundheitliche Folgen der Mobilfunktechnik wird unter Laien viel gestritten. Tausende wissenschaftliche Studien beschäftigen sich damit - bislang ohne einen Beleg für eine Schadwirkung liefern zu können. Hinlänglich bekannt ist jedoch, dass Handys für eine leichte Erwärmung von wenigen Grad Celsius am Kopf sorgen können. Unter Insidern ist dies auch als "Wollmützeneffekt" bekannt.
SAR-Wert
Der Messwert SAR beschreibt, wieviel Energie in einem elektromagnetischen Feld übertragen wird. Die Abkürzung steht für "spezifische Absorptionsrate". Anhand dieser Einheit kann man leicht nachvollziehen, welche Messwerte hier miteinander verbunden werden: W/kg steht für Watt pro Kilogramm. Die Energie (in Watt) wird im Körpergewebe (in Kilogramm) vor allem in Wärme umgewandelt.

Die spezifische Absorptionsrate wird bestimmt, indem man sechs Minuten lang die Erwärmung des Körpergewebes misst und einen Mittelwert bildet. Man geht davon aus, dass nach längerer Zeit ein Gleichgewicht zwischen Wärmezufuhr und -abgabe entsteht.

Die Hersteller von Mobiltelefonen geben als SAR-Wert für die jeweiligen Modelle die Maximalwerte an. In den vergangenen Jahren ist der SAR-Wert von Handys kontinuierlich gesunken.
Strahlungsarme Geräte
Entsprechend einer Empfehlung der Strahlenschutzkommission liegt in Deutschland der Grenzwert für die SAR eines Handys bei 2 W/kg. Das basiert auf einer Leitlinie der Internationalen Kommission zum Schutz vor Nichtionisierender Strahlung (ICNIRP).

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) aus Salzgitter listet auf seiner Website mehr als tausend Mobiltelefone auf. Alle liegen unter dem gesetzlichen SAR-Wert von 2 W/kg. Bei den 243 aktuell produzierten Handys (Stand Juli 2009) liegen die SAR-Werte laut BfS zwischen 0,1 W/kg und 1,57 W/kg am Kopf bzw. 0,003 W/kg und 1,87 W/kg am Körper. Mehr als ein Drittel der aktuellen Modelle liegen unter 0,6 W/kg und erfüllen demnach das Kriterium für das Umweltzeichen "Blauer Engel".

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