Uno-Prognose
Bald leben zehn Milliarden Menschen auf der Erde
Berlin - Afrika steht in den kommenden 90 Jahren ein dramatischer Bevölkerungszuwachs bevor, die Zahl der in Europa lebenden Menschen schrumpft dagegen immer weiter. Das geht aus einer neuen Projektion der Vereinten Nationen hervor, die die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) am Dienstag in Berlin präsentiert. Die Weltbevölkerung von knapp sieben Milliarden Menschen werde demnach bis 2100 auf 10,1 Milliarden steigen. Zuvor war die Uno von rund 200 Millionen Menschen weniger ausgegangen Als Folge des dramatischen Bevölkerungswachstums werden steigende Armut und höhere Nahrungsmittelsmittelpreise befürchtet.
Das Bevölkerungswachstum findet fast ausschließlich in den Entwicklungsländern statt, wie es hieß. Allein in Afrika werde sich die Bevölkerung von heute 1,02 Milliarden auf voraussichtlich knapp 3,6 Milliarden Menschen im Jahr 2100 mehr als verdreifachen. In Europa hingegen wird die Bevölkerung abnehmen: Leben hier heute noch 738 Millionen Menschen, werden es in 90 Jahren voraussichtlich nur noch 674 Millionen Menschen sein, wie aus der Prognose hervorgeht.
Deutschland werde 2100 bei gleich bleibenden Geburtenzahlen trotz moderater Zuwanderung 38 Millionen Menschen weniger zählen - die Bevölkerung halbiert sich also fast. China werde 2100 sogar eine halbe Milliarde weniger Einwohner haben als heute, sagte der stellvertretende Direktor der UN-Bevölkerungsabteilung, Thomas Büttner. Indien werde China voraussichtlich bereits im Jahr 2021 als bevölkerungsreichstes Land der Erde überholen.
Bis zum Jahr 2050 wächst die Weltbevölkerung der DSW-Prognose zufolge noch rasanter als bisher angenommen. Leben derzeit knapp sieben Milliarden Menschen auf der Erde, so werden es demnach 2050 bereits 9,3 Milliarden sein.
Die Prognose der Uno gibt sogar ein konkretes Datum an: Am 31. Oktober 2011 soll den Berechnungen zufolge die Sieben-Milliarden-Marke erstmals geknackt werden, wie der stellvertretende Direktor der Uno-Bevölkerungsabteilung, Thomas Büttner, sagte. Allerdings räumte Büttner ein, das Datum sei als Symbol zu verstehen, um auf das stetige weltweite Bevölkerungswachstum hinzuweisen. Es sei eine statistische Hochrechnung, exakt könne der Tag nicht bestimmt werden.
Während es 13 Jahre gedauert habe, bis die Weltbevölkerung von fünf auf sechs Milliarden gestiegen sei, habe es jetzt nur zehn Jahre gedauert, bis sie erneut um eine Milliarde gewachsen sei, sagte Büttner. 1962 noch seien drei Milliarden Menschen gezählt worden.
Weniger Menschen in Deutschland und China
"Die Bevölkerung wächst in den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt am schnellsten, etwa in Liberia, Niger und Uganda", sagte Büttner. Die Uno-Projektionen basieren auf der Annahme einer abnehmenden Fertilitätsrate. Das bedeutet, dass die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau in den Entwicklungsländern bis 2100 von heute 2,7 auf 2,0 sinken wird - in den am wenigsten entwickelten Ländern von 4,4 Kindern auf 2,1 Kinder pro Frau.
Trotz dieses Trends geht die Uno davon aus, dass in den 20 gegenwärtig am schnellsten wachsenden Ländern bis zum Jahr 2100 etwa fünfmal mehr Menschen leben werden als heute. "Der Kampf gegen die Armut wird dadurch erheblich erschwert", sagte Büttner.
Der Rückgang der Kinderzahl sei aber keineswegs garantiert, erklärte DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr. "Tatsache ist, dass Familienplanung in Entwicklungsländern Mangelware ist, und dass international weniger Geld dafür bereitgestellt wird." Alleine in Entwicklungsländern würden 215 Millionen Frauen gern verhüten, hätten aber keine Möglichkeit dazu.
Das rasante Weltbevölkerungswachstum verschärfe nicht nur die Armut, sondern sei zudem ein wichtiger Grund für die weltweiten Umweltprobleme, sagte Bähr. Auch steigende Weltmarktpreise für Nahrungsmittel seien unter anderem auf die zunehmende Weltbevölkerung zurückzuführen.
Hinweis der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes hieß es, dass in 90 Jahren in Nigeria 2,5 Milliarden Menschen mehr leben würden als heute. Diese Zahl ist falsch. Wir bitten, den Irrtum zu verzeihen.
cib/boj/dapd/dpa

