19.05.2011
Mexiko
Sieben Stätten enthüllen Frühzeit der Maya-Kultur
Eine der sieben neuen Maya-Stätten: Überraschend frühe Ausbreitung
Mexiko-Stadt - Mexikanische Archäologen haben auf der Halbinsel Yucatán sieben Mayastätten entdeckt. Die Stätten mit den Namen Oxmul, Polok Ceh, Nichak, Cuzam, Chan Much, Tzakan und Chankiuik wurden am östlichen Stadtrand von Mérida, der Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán, freigelegt. Demnach war dessen Norden schon viel früher besiedelt als bisher vermutet, wie das Nationale Institut für Anthropologie und Geschichte (INAH) mitteilt.
Die Fundorte werden der Phase des späten Präklassikums (400 vor bis 200 nach Christus) zugeordnet. Entdeckt wurden neben Resten von Gebäuden auch menschliche Gebeine und reiche Grabbeigaben aus bunter Keramik. Besonders hervorzuheben sei Oxmul, wo allein 75 Skelette gefunden wurden, hieß es. Die sieben Fundorte verteilen sich über ein Areal von zehn Quadratkilometern.
Der Archäologe Luis Raúl Pantoja Díaz sagte, dass der Norden Yucatáns nach den neuesten Funden wohl schon seit der Zeit um 400 vor Christus besiedelt war - und nicht erst seit der klassischen Periode von 200 bis 600 nach Christus, wie man bisher glaubte.
"Sieben Neue Weltwunder"
Auf die Spur der frühen Bewohner kamen die Forscher im Rahmen eines Projektes, mit dem das INAH die präkolumbischen Zeugnisse in der Peripherie der sich rasch ausdehnenden Großstadt Mérida zu retten versucht. "Jetzt wissen wir, dass es im Gebiet des heutigen Mérida eine sehr frühe Architektur gibt", sagte Projektleiter Pantoja Díaz.
Die Maya-Kultur gehört zu den am höchsten entwickelten im vorkolumbischen Amerika. Die archäologischen Funde lassen die Ursprünge auf etwa 1500 vor Christus datieren. Ihre Blütezeit erlebte die Kultur in der sogenannten klassischen Periode zwischen 300 und 900 nach Christus im Gebiet von Guatemala, Honduras und Südmexiko. Dafür stehen noch heute die Ruinen von Tikal, Copán oder Palenque, die Jahr für Jahr tausende Touristen anziehen.
Der Schwerpunkt der Kultur verlagerte sich in den Norden der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Die östlich von Mérida gelegene Tempelanlage Chichén Itzá zählt heute zu den sieben "neuen Weltwundern". In der Landwirtschaft haben die Maya Mais, Bohnen, Chili und Kakao kultiviert.
boj/dpa