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31.08.2011
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Neues Rauschgift

Schnelltests sollen "Badesalz"-Drogen nachweisen

AP

Potentes Rauschmittel: "Badesalz"-Wirkung schockiert Ärzte

Hochpotente Rauschmittel, die als "Badesalz" verkauft werden, breiten sich rapide aus - ihre Wirkung erschüttert selbst erfahrene Ärzte. Bisher waren die Drogen nicht nachweisbar. Nun berichten Forscher bei der Suche nach einem Schnelltest von einem Durchbruch.

Denver - Im Kampf gegen die rasante Ausbreitung neuer Drogen in Europa und den USA haben britische Chemiker einen wichtigen Fortschritt erzielt: Sie entwickelten neue Tests und Nachweismethoden für die sogenannten "Badesalz"-Drogen. Diese meist über das Internet verkauften Rauschmittel lösen Euphorie aus, können aber auch schwere Wahnvorstellungen, Panikattacken, Kreislaufstörungen und Vergiftungen verursachen.

Mit gängigen Drogentests, beispielsweise über eine Blut- oder Urinprobe, seien "Badesalz"-Drogen bisher nicht nachweisbar gewesen, berichten Wissenschaftler beim Jahrestreffen der American Chemical Society in Denver, Colorado. Auch Schnelltests, um die Zusammensetzung der in Tütchen verkauften Pulver zu bestimmen, fehlten. Das sei vor allem für Notaufnahmen von Krankenhäusern, für die Polizei und andere Einsatzkräfte ein großes Problem. Gleichzeitig seien zusätzliche, genauere Analysemethoden eine wichtige Voraussetzung, um solche Substanzen gezielt verbieten zu können.

Geschluckt, geraucht oder sogar gespritzt wirken die Substanzen oft potenter als Ecstasy oder herkömmliche Aufputschmittel. Die "Badesalz"-Drogen bestehen meist aus einer Mischung des Amphetamins Mephedron mit Methylendioxypyrovaleron (MDPV). Dieses beeinflusst Botenstoffe im Gehirn und wirkt ebenfalls anregend und aufputschend. In Deutschland ist Mephedron laut Betäubungsmittelgesetz verboten.

Da die "Badesalz"-Drogen ständig in neuen Varianten und unter neuen Namen auf den Markt kommen, sei es schwer für Drogenfahnder, mit Analysen und Verboten hinterherzukommen, berichten die Forscher auf der Chemiker-Tagung. Viele nicht explizit verbotene Drogenmischungen ließen sich von den "Badesalz"-Pulvern nicht leicht unterschieden. Hier könne der Schnelltest helfen.

Sogar die Herkunft lässt sich ermitteln

Das Team um Oliver Sutcliffe von der University of Strathclyde in Glasgow hat jetzt einen neuartigen Test für Mephedron entwickelt, den in den meisten "Badesalz"-Drogen enthaltenen Wirkstoff. Wie die Forscher berichten, könne dieser leicht in einem normalen Polizeilabor durchgeführt werden. Ein einfacher Mephedron-Farbtest für den Einsatz auf der Straße sei ebenfalls in Arbeit. "Er könnte Ende dieses Jahres verfügbar sein", sagt Sutcliffe. Mit dieser Methode könnten dann beispielsweise Polizisten bei einer Razzia schnell kontrollieren, ob beschlagnahmte Drogen die verbotene Substanz enthalten.

Die Forscher um Sutcliffe haben zudem eine weiteres Verfahren entwickelt, mit dem sich zukünftig die Herkunft von "Badesalz"-Drogen ermitteln lässt. "Mit der neuen Methode können wir die Drogen zu den Ausgangssubstanzen zurückverfolgen", sagt Sutcliffe. Die sogenannte Isotopen-Raten-Massenspektrometrie (IRMS) ermittelt, in welcher Isotopenverteilung die Atome bestimmter Elemente in den Drogenmischungen auftreten. Wie eine Art chemischer Fingerabdruck ändere sich dieses Verteilungsmuster nicht durch nachträgliche Verarbeitungsschritte, sagen die Forscher. Das könne bei der Fahndung nach Drogenproduzenten helfen, denn damit sei es möglich, den Hersteller der Rohmaterialien zu ermitteln - und so möglicherweise auch die Bezieher dieser Substanzen.

Die synthetischen "Badesalz"-Drogenmischungen kursieren unter Bezeichnungen wie "Ivory Wave" oder "Lava Red" seit einigen Jahren unter Jugendlichen und in der Drogenszene. Der Name "Badesalz"-Drogen leitet sich davon ab, dass die Tütchen mit diesen Substanzen oft irreführend den Aufdruck "Kräutermischung", "Duftpulver" oder "Badezusatz" tragen. Explizit als "nicht zum Verzehr geeignet" deklariert, schlüpfen sie dadurch in vielen Ländern durch die Maschen der Drogengesetze.

Das Thema ist inzwischen weit oben auf der politischen Agenda in den USA. Allein in dieser Woche haben mit Louisiana, Missouri und New York gleich drei Bundesstaaten die "Badesalze" für illegal erklärt, Florida ist diesen Schritt bereits vor einem halben Jahr gegangen.

Doch der juristische Feldzug gestaltet sich schwierig - in den USA ebenso wie in Europa, wo zuletzt ebenfalls ein starker Anstieg in der Verbreitung bisher unbekannter Drogen festgestellt wurde. Da die vermeintlichen Badesalze als "nicht für den menschlichen Verzehr" deklariert sind, fallen sie nicht unter den Analog Act - ein Gesetz, das jede Substanz, die einer verbotenen Droge "substantiell ähnlich" ist, verbietet. Experten befürchten deshalb, dass die Verbote in den einzelnen US-Staaten umgangen werden können: Ändern Chemiker nur eine Verbindung in den illegalen Salzen, seien sie wieder legal.

boj/dapd

Forum

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insgesamt 33 Beiträge
1. Das verstehe ich nicht...
sappelkopp 31.08.2011
...wieso haben diese Personengruppen damit ein Problem? Das Problem hat in erster Linie derjenige, der meint, sich mit diesen Stoffen das Hirn rausblasen zu müssen. Und wenn er es so will, so what! Soll er doch Alkohol nehmen, [...]
Zitat von sysopDas sei vor allem für Notaufnahmen von Krankenhäusern, für die Polizei und andere Einsatzkräfte ein großes Problem. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,783440,00.html
...wieso haben diese Personengruppen damit ein Problem? Das Problem hat in erster Linie derjenige, der meint, sich mit diesen Stoffen das Hirn rausblasen zu müssen. Und wenn er es so will, so what! Soll er doch Alkohol nehmen, damit kann jede Notaufnahme fertig werden! Im Übrigen kann es ja wohl nicht sein, dass es reicht, diese Stoffe mit dem Vermerk "Nicht für den menschlichen Verzehr geeignet" zu kennzeichnen, damit sie nicht unter die Drogengesetze feiern. Was für eine schwachsinnige Welt!
2. Rätsel
Gegengleich 31.08.2011
Mir ehrlich gesagt ein Rätsel, warum durch den Aufdruck "Badesalz" o.ä. die Gesetze angeblich umgangen werden können. Wäre das so einfach mit der Deklaration, dann könnte ich doch auch Coca-Blätter als natürliche [...]
Mir ehrlich gesagt ein Rätsel, warum durch den Aufdruck "Badesalz" o.ä. die Gesetze angeblich umgangen werden können. Wäre das so einfach mit der Deklaration, dann könnte ich doch auch Coca-Blätter als natürliche Badezutat importieren. Was natürlich nicht geht. Wieso soll also die Deklaration der Drogen das Verbot des Stoffes aushebeln!?
3. ...
taggert 31.08.2011
Nunja ich denke mal: Die Notaufnahme, weil sie sinnlos Ressourcen, Zeit und Medikamente verknallt, ohne wirklich was bewirken zu können. Das steigert zusätzlich die kosten fürs Gesundheitswesen... Ebenfalls steigt wohl [...]
Zitat von Gegengleich...wieso haben diese Personengruppen damit ein Problem? Das Problem hat in erster Linie derjenige, der meint, sich mit diesen Stoffen das Hirn rausblasen zu müssen. Und wenn er es so will, so what! Soll er doch Alkohol nehmen, damit kann jede Notaufnahme fertig werden!
Nunja ich denke mal: Die Notaufnahme, weil sie sinnlos Ressourcen, Zeit und Medikamente verknallt, ohne wirklich was bewirken zu können. Das steigert zusätzlich die kosten fürs Gesundheitswesen... Ebenfalls steigt wohl auch die Statistik für Fehldiagnosen, wenn man die Drogen nicht unmittelbar nachweisen kann... und am ende heißt es wieder "Deutschland, deine schlechten Ärzte!" Also ich kann das durchaus nachvollziehen! Die Polizei: Weil die Suchtis zu einem Problem für die Allgemeinheit werden... Ohne Nachweis keine Straftat... und ich möchte mich nur äußerst ungern von einem zugeballerten Junkie überfahren lassen, dem man dann nichts nachweisen kann... wenn sie darauf Lust haben - bitte. Das kann ich allerdings ebenfalls nicht nachvollziehen. Unter diesem Vorwand könnte man dann asbolut jede Droge Straffrei importieren. "Was macht das Kilo Kokain auf ihrem Rücksitz!?" - "können Sie nicht lesen? Das ist Badesalz!" ... So ein Schwachsinn.
4. Wie wärs mal...
smilingrasta 31.08.2011
...mit der Legalisierung der weichen Drogen, neben den bereits legalen Drogen Alkohol und Nikotin? Dann gäbe es für so einen Mist, neben dem zunehmendst mit gesundheitsgefährdenden Stoffen (Plastik, Blei,...) gestreckten Gras, [...]
...mit der Legalisierung der weichen Drogen, neben den bereits legalen Drogen Alkohol und Nikotin? Dann gäbe es für so einen Mist, neben dem zunehmendst mit gesundheitsgefährdenden Stoffen (Plastik, Blei,...) gestreckten Gras, keinen Markt mehr. Konsumiert wird sowieso, ob legal oder illegal.
5. Erklärung
Arbeiterkind 31.08.2011
Die enthaltenen Stoffe sind in Deutschland verkehrsfähig, also nicht durch das BTMG verboten. Es gibt eine regelrechte Industrie, die berauschende Wirkstoffe herstellt, welche unter keine Verbotsregelung fallen. Werden die [...]
Zitat von GegengleichMir ehrlich gesagt ein Rätsel, warum durch den Aufdruck "Badesalz" o.ä. die Gesetze angeblich umgangen werden können. Wäre das so einfach mit der Deklaration, dann könnte ich doch auch Coca-Blätter als natürliche Badezutat importieren. Was natürlich nicht geht. Wieso soll also die Deklaration der Drogen das Verbot des Stoffes aushebeln!?
Die enthaltenen Stoffe sind in Deutschland verkehrsfähig, also nicht durch das BTMG verboten. Es gibt eine regelrechte Industrie, die berauschende Wirkstoffe herstellt, welche unter keine Verbotsregelung fallen. Werden die neuen Stoffe dann doch verboten, werden einfach neue erforscht und produziert. Ein bekanntes Beispiel ist "Spice". Diese Modedroge wurde von Konsumenten dazu genutzt, einen Hanf-ähnlichen Rausch zu erzeugen. Ihre Cannabinoid-Bestandteile sind daraufhin verboten worden. Als Folge darauf wurden neue künstliche Cannabinoide entwichelt, die sich in neuen Mischungen wie "Sweed" finden lassen. Das selbe gilt für solche Badesalze. Die darin erhältlichen Substanzen werden solange konsumiert bis sie illegalisiert werden, danach wirft der Markt neue Substanzen ab. Diese Substanzen sind noch legal, zudem wird auf den Verpackungen mitgeteilt, dass sie: 1. Nicht zum menschlichen Verzehr freigegeben sind und 2. Einem bestimmten Zweck zu dienen - als Räuchermischung (Spice, Sweed), Badesalz o.ä. - eben nicht als Rauschmittel. Würden sie damit werben, wäre ihr Vertrieb durchaus verboten. Mit Coca wäre das alles nicht möglich, da der Inhaltsstoff unter das deutsche BTMG fällt (illegal ist). Letztendlich ist das Ausweichen auf legale Rauschmittel nur Symptom des Mangels nach Alternativen. Wer zum Beispiel wie in den Niederlanden ohne Probleme an sauberes Gras/Hanf/Marihuana/Cannabis/Hasch rankommt, macht sich in der Regel nicht die Mühe ein Ersatzprodukt zu besorgen, dass die ähnliche Wirkung zu einem teilweise höheren Preis (die Ersatzdrogen usw. sind relativ teuer) und unbekannte chemische Inhaltsstoffe und Wirkungen hat.

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