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22.02.2012
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Niedersachsen

Spektakulärer Bronzezeitschatz vorgestellt

DPA

Rund 1,8 Kilogramm schwer, mindestens 3400 Jahre alt - das waren die beeindruckenden Kennziffern eines Goldschatzes, den niedersächsische Archäologen im vergangenen Jahr freilegten. Jetzt sind die 117 Objekte erstmals öffentlich vorgestellt worden.

Hannover - Es war ein Fund, wie er Archäologen nur selten gelingt: Im April 2011 konnten sie bei Bauarbeiten für die Nordeuropäische Erdgas Pipeline (NEL) im Landkreis Diepholz einen etwa 1,8 Kilogramm schweren Schatz bergen. Er umfasst 117 Objekte, von denen die jüngsten Stücke aus dem 14. Jahrhundert vor Christus stammen sollen.

Nun sind die Objekte zum ersten Mal öffentlich gezeigt worden. Niedersachsens Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) bezeichnete den Fund als "Gold des Wissens". Er können neue Erkenntnisse über das Leben unserer Vorfahren liefern. Der Goldfund besteht aus mehreren Spiralen, einem Armband, einem Wendelring sowie einer Gewandspange.

Nach Angaben des Landesdenkmalamts handelt es sich bei der Ausgrabung um einen der größten prähistorischen Goldfunde in Mitteleuropa. Einige Stücke sind nach Angaben der Experten auf eine für die damalige Zeit besonders fortschrittliche Weise gefertigt worden. Die Drähte, aus denen die Goldstücke bestehen, seien gezogen und nicht wie in der Bronzezeit sonst üblich gehämmert worden.

Der komplette Erdklumpen mit dem Gold war im Landesamt für Denkmalpflege mit viel Sorgfalt freigelegt worden. Experten fertigten ein dreidimensionales CT-Bild, das die Lage jedes einzelnen Objektes detailgetreu zeigte. Die Bergung und Dokumentation des Schatzes wurde von den Investoren der Erdgasleitung finanziell unterstützt.

Der Fund werde die Archäologie ein ganz erhebliches Stück weiterbringen, sagte der Präsident des niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, Stefan Winhart. Er erhofft sich von den Ausgrabungen im Zuge des Pipeline-Baus weitere wichtige Funde.

Vermutlich befand sich das Gold in einem Beutel aus Tuch oder Fell. Warum ein so wertvoller Schatz dem Boden anvertraut wurde, sei bisher nicht bekannt. Es könne sich um ein Händlerversteck oder einen Weihefund handeln. Wissenschaftler der Leibniz Universität Hannover versuchen, die Herkunft des Goldes herauszufinden.

Ministerin Wanka kündigte ein Forschungsprojekt zu den frühen Goldfunden in Niedersachsen an. Dabei sollten auch die Beziehungen zu anderen Ländern in jener Zeit untersucht werden. Die Fundstücke sollen spätestens Ende 2013 in Hannover ausgestellt werden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes war das Alter des Schatzes nicht korrekt angegeben. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

chs/dpa/dapd

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insgesamt 2 Beiträge
1. Gold vernebelt die Sinne ...
grübelitis 22.02.2012
... auch der Redakteure, will mir scheinen! Das jünste Objekt soll aus dem 14. Jahrhundert a.Chr.n. stammen, und der Schatz mindestens 1600 Jahre alt sein. Irgendwie sind da irgendwo 1800 Jahre verlorengegangen ...??
... auch der Redakteure, will mir scheinen! Das jünste Objekt soll aus dem 14. Jahrhundert a.Chr.n. stammen, und der Schatz mindestens 1600 Jahre alt sein. Irgendwie sind da irgendwo 1800 Jahre verlorengegangen ...??
2. mindestens 3300 Jahre
algoviano 24.02.2012
Meine letztes Posting ist irgendwie verschwunden, daher nochmal: Da wir uns heute vor 3311 Jahren und 2 Monaten gerade noch im 14. Jahrhundert vor Christus befanden und die Funde laut Artikel aus dem 14. Jahrhundert vor [...]
Zitat von sysopRund 1,8 Kilogramm schwer, mindestens 1600 Jahre alt -
Meine letztes Posting ist irgendwie verschwunden, daher nochmal: Da wir uns heute vor 3311 Jahren und 2 Monaten gerade noch im 14. Jahrhundert vor Christus befanden und die Funde laut Artikel aus dem 14. Jahrhundert vor Christus stammen sollen, halte ich die ursprüngliche Formulierung "mindestens 1600 Jahre" für arg untertrieben und die danach von der Redaktion korrigierte Formulierung "mindestens 3400 Jahre" für falsch, und schlage daher eine weitere Korrektur auf "mindestens 3300 Jahre" vor. Man sollte doch meinen, dass eine wissenschaftliche Redaktion wenigstens rechnen kann.

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