25.03.2012
Ausgegraben - Neues aus der Archäologie
Erschlagen, stranguliert, geköpft
Von Angelika Franz+++ Angelsächsische Prinzessin im Bett begraben +++
Zwischen 650 und 680 nach Christus starb in der Nähe des heutigen Cambridge eine 16-jährige angelsächsische Prinzessin. Offenbar war ihre Familie gerade zur neuen Religion übergetreten, die in diesen Jahren in England Einzug hielt: dem Christentum. Sie nähten dem Mädchen ein kostbares Kreuz aus Gold und Granatsteinen auf ihr Grabgewand. Doch so ganz hatten sie von den alten heidnischen Riten noch nicht Abschied genommen. Denn sie legten die Prinzessin nicht einfach in ein schlichtes christliches Grab, sondern auf ein hölzernes Bett. So wurden um die Mitte des 7. Jahrhunderts einige Frauen der angelsächsischen Elite beigesetzt, etwa 15 dieser Bestattungen sind aus England bekannt. "Das angelsächsische Wort "leger" kann sowohl Bett als auch Grab meinen", erklärt Altenglisch-Experte Richard Dance von der Cambridge University. "Etymologisch bedeutet es "Ort, an dem man liegt".
Das etwa dreieinhalb Zentimeter große Goldkreuz ist in der gleichen Technik gefertigt wie Schmuck und Waffenverzierungen aus heidnischen Begräbnissen dieser Zeit. Auf der Rückseite befinden sich vier Ösen, mit denen es an der Kleidung befestigt werden konnte. "Diese Ösen glänzen", erklärt Ausgräberin Alison Dickens. "Das bedeutet, dass sie lange gegen Stoff gescheuert haben - das Kreuz wurde also viel getragen." Nicht einmal ein Jahrhundert zuvor, im Jahr 597, hatte der Papst den Benediktinermönch Augustinus nach England geschickt, um die Angelsachsen zum Christentum zu bekehren. Die neue Religion fasste zuerst unter der herrschenden Elite des Landes Fuß - die Bauern hielten noch lange an ihren heidnischen Bräuchen fest. Vielleicht war die junge Frau auf dem Bett tatsächlich eine der ersten Vorkämpferinnen des Christentums auf der Insel.