23.04.2012
Ausgegraben - Neues aus der Archäologie
Priester in Krieg und Endzeit
Von Angelika FranzWer sind die Schleswiger? Um diese Frage zu klären, wollen Forscher in den kommenden drei Jahren rund 1000 Skelette ihrer Vorfahren untersuchen. Das "Bones4Cultures"-Projekt der Christian-Albrechts-Universität Kiel, der Universität von Süddänemark und des Schlosses Gottdorf will aus den mittelalterlichen Knochen mehr über Leben, Gesundheit, Kultur und Herkunft der Schleswiger zwischen den Jahren 1050 und 1536 erfahren.
Das Gebiet war seit dem 6. Jahrhundert ein ständiger Zankapfel zwischen Deutschen und Dänen. Im Jahr 1386 wurde das dänische Fürstentum Schleswig mit der deutschen Grafschaft Holstein zusammengefasst. Doch geklärt war damit noch lange nichts, weiterhin übten sowohl Dänemark als auch Deutschland starken Einfluss auf Schleswig-Holstein aus. Bei einer Volksabstimmung im Jahr 1920 entschied sich schließlich der Norden für eine Zugehörigkeit zu Dänemark, der Süden fühlte sich Deutschland zugehörig.
Erste Untersuchungen haben schon gezeigt, dass jedenfalls Krankheiten keinen Unterschied zwischen Dänen und Deutschen machten: Viele Schleswiger litten im Mittelalter an der Lepra. Weiterhin sind Strontiumisotopenanalysen geplant. Mit ihnen lässt sich herausfinden, wo die Toten ihre Kindheit verbrachten - und ob sie vielleicht aus anderen Regionen eingewandert waren. Professor Claus von Carnap-Bornheim vom Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie fügt hinzu: "Wir wollen auch das Alter, die gängigen Krankheiten und die Ernährungsgewohnheiten der mittelalterlichen Bevölkerung dieser Region bestimmen."