23.04.2012
Ausgegraben - Neues aus der Archäologie
Priester in Krieg und Endzeit
Von Angelika Franz+++ Poseidon war unschuldig +++
Als im Jahr 479 v. Chr. die Perser auf die griechische Stadt Potidaea, dem heutigen Nea Potidaea, zumarschierten, schickte Poseidon eine riesige Flutwell und spülte die persischen Soldaten einfach fort. So zumindest schildert es der Geschichtsschreiber Herodot. Doch nun hat Klaus Reicherter von der Universität Aachen auf dem Jahrestreffen der Seismological Society of America Beweise dafür vorgelegt, dass es nicht der Meeresgott war, sondern ein ganz realer Tsunami.
Zum einen beschreibt Herodot sehr genau typische Anzeichen eines Tsunamis. Er schildert, wie das Meer sich zuerst zurückzog - was die Perser als Einladung zum Angriff interpretierten - und danach mit gewaltiger Wucht über das Land hereinbrach. Bei Bohrungen in der Region fand Reicherter Sedimentschichten, die zum fraglichen Zeitpunkt aus dem Meer weit ins Landesinnere hineingetragen worden waren.
Die Abfolge der Schichten sprach dafür, dass es an diesem Küstenabschnitt äußerst turbulent zuging - alles war durcheinandergewirbelt. Anhand von mitgespülten Muscheln konnte der Forscher die Katastrophe sehr genau datieren: Auf das Jahr 500 v. Chr. plusminus 25 bis 30 Jahre. Die Forschungen von Reicherter zeigten aber auch, dass die Gefahr noch lange nicht vorbei ist. Auch heute noch könnte das Gebiet von Tsunamis heimgesucht werden - dabei ist die Küste dicht besiedelt mit Ferienhäusern.
