29.04.2012
Ausgegraben - Neues aus der Archäologie
Tsunami entlastet Poseidon
Von Angelika Franz+++ Poseidon war unschuldig +++
Als im Jahr 479 vor Christus die Perser auf die griechische Stadt Potidaea, das heutige Nea Potidaea zumarschierten, schickte Poseidon eine riesige Flutwelle. Sie spülte die persischen Soldaten einfach fort. So zumindest schildert es der Geschichtsschreiber Herodot. Doch nun hat Klaus Reicherter von der Universität Aachen auf dem Jahrestreffen der Seismological Society of America Hinweise dafür vorgelegt, dass es nicht der Meeresgott war, sondern ein ganz realer Tsunami.
Zum einen beschreibt Herodot sehr genau typische Anzeichen eines Tsunamis. Er schildert, wie das Meer sich zuerst zurückzog - was die Perser als Einladung zum Angriff interpretierten - und danach mit gewaltiger Wucht über das Land hereinbrach. Bei Bohrungen in der Region fand Reicherter Sedimentschichten, die zum fraglichen Zeitpunkt aus dem Meer weit ins Landesinnere hineingetragen worden waren.
Die Abfolge der Schichten sprach dafür, dass es an diesem Küstenabschnitt äußerst turbulent zuging - alles war durcheinandergewirbelt. Anhand von mitgespülten Muscheln konnte der Forscher die Katastrophe auf das Jahr 500 vor Christus datieren, die Fehlermarge liege bei lediglich 25 bis 30 Jahren. Die Arbeit von Reicherter zeigt aber auch, dass die Gefahr noch lange nicht vorbei ist. Auch heute noch könnte das Gebiet von Tsunamis heimgesucht werden.

