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03.05.2012
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Bonn

Archäologen finden antiken Tempel bei Lehrgrabung

Bonn: Römischer Tempel entdeckt
Fotos
Uni Bonn/ Ulrich Mania

Überraschende Entdeckung in Bonn: Archäologen sind bei einer Lehrgrabung auf die Reste eines fast 2000 Jahre alten römischen Tempels gestoßen. Die Art des Baus ist nach Meinung der Forscher eine regionale Rarität.

Der Zufall spielt Archäologen oft in die Hände, und diesmal hat er in Bonn zugeschlagen: Bei einer Lehrgrabung haben Forscher die Überbleibsel eines römischen Tempels aus der Zeit um 100 nach Christus entdeckt. "Der charakteristische Grundriss der angeordneten Steine gab uns den Hinweis darauf, dass es sich dabei um das Fundament eines sogenannten gallo-römischen Umgangstempels handelt", sagt Grabungsleiter Frank Rumscheid, Professor für Klassische Archäologie der Universität Bonn.

Ein solcher Tempel besteht meist aus einem Raum mit einem umlaufenden offenen Säulengang. Dieser Tempeltyp sei in den gallischen, germanischen und britischen Provinzen des Römischen Reichs weit verbreitet gewesen. Bei dem Fund handele es sich aber um eine regionale Rarität. Denn aus dem Gebiet um Bonn-Poppelsdorf seien zuvor keine solchen römischen Aktivitäten bekannt gewesen.

Bekannt war hingegen, dass die Römer weiter nördlich ein Legionslager errichtet hatten. Dieses findet noch heute im Stadtteilnamen Bonn-Castell seinen Niederschlag. "Auffällig ist, dass der nun auf dem Campus Poppelsdorf gefundene Tempel verglichen mit dem Militärlager und der römischen Siedlung ein ganzes Stück weiter entfernt vom Rheinufer lag", erklärt Rumscheid. Der Tempel könnte deshalb entweder zu einem etwas außerhalb gelegenen Landgut oder zu einem Heiligtum mit möglicherweise weiteren Bauten gehört haben. Welcher Gottheit der Tempel geweiht war, lasse sich nicht erkennen.

Entdeckt wurde der Tempel von einem Team aus Studierenden und Wissenschaftlern der Universität Bonn. Sie hatten von einer vorhergehenden Grabung durch eine Auftragsfirma den Hinweis, dass dort irgendein Fundament im Untergrund vorhanden ist. Erst die Lehrgrabung durch die Uni-Archäologen brachte dann Klarheit. "Wir haben selbst erst nach etwa zwei Wochen erkannt, dass es sich um einen gallo-römischen Umgangstempel handelt", sagt Rumscheid.

Wände aus Holz oder Lehm

Die Forscher stießen im ockerbraunen Lehm auf zwei nahezu quadratische Fundamente aus losen, weißen und grauen Steinen. Die Relikte zeigen, dass der Tempel etwa 6,75 Meter breit und rund 7,5 Meter lang war. "Da außer dem Fundament aus kleineren, in den Lehm gesteckten Steinen bei der Grabung kein weiteres Material der Wände gefunden wurde, war der Tempel wahrscheinlich aus vergänglichen Baustoffen wie zum Beispiel Holz und Lehm errichtet", sagt Ulrich Mania, ebenfalls Archäologe der Universität Bonn.

Wie die Forscher berichten, trug das innere Fundament des Tempels einst einen Raum mit einer Tür. Drumherum befand sich vermutlich ein niedrigerer, überdachter, mit Dachziegeln gepflasterter Umgang, dessen Stützen auf dem äußeren rechteckigen Fundament ruhten. Neben dem Fundamentsteinen stießen die Archäologen auf weitere Funde aus der Römerzeit, darunter Dachziegel, Eisennägel und vor allem Tonscherben. Auch einige Keramikscherben aus vorrömischer Zeit seien darunter gewesen, berichten die Forscher. Die ältesten stammen spätestens aus dem achten Jahrhundert vor Christus.

Nach der Sicherstellung und Dokumentation der Baureste und Funde wurde die Grabungsfläche wieder zugeschüttet. "Für einen wissenschaftlich fundierten Nachbau des Tempels reichten die erhaltenen Reste nicht aus", meint Rumscheid. Außerdem musste man vorsorgen, dass niemand in die Grabungsfläche stürzen und sich verletzen kann. Die Forscher wollen aber auf dem Gelände weitere wissenschaftliche Projekte in Angriff nehmen und damit vor allem die römische Vergangenheit Bonns weiter rekonstruieren. "Unser Bild ist immer noch lückenhaft", sagt der Archäologe.

Auch fast 2000 Jahre nach dem Abzug der Römer gelingen noch immer spektakuläre Funde. So haben Forscher im Oktober 2011 im Münsterland ein rund 2000 Jahre altes römisches Militärlager entdeckt. Kurz zuvor waren in Österreich die Überreste einer Gladiatorenschule gefunden worden.

mbe/dapd

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insgesamt 16 Beiträge
1.
wosenjohn 03.05.2012
Was ich mich bei solchen Funden immer wieder frage, da wurde ein Fundament gefunden, wie schließen die daraus jetzt die Funktion des Gebäudes als Tempel? Wie im Artikel steht war dieser Gebäudetyp weit verbreitet. Wieso [...]
Zitat von sysopÜberraschende Entdeckung in Bonn: Archäologen sind bei einer Lehrgrabung auf die Reste eines fast 2000 Jahre alten römischen Tempels gestoßen. Die Art des Baus ist nach Meinung der Forscher eine regionale Rarität. Römischer Tempel in Bonn gefunden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,831171,00.html)
Was ich mich bei solchen Funden immer wieder frage, da wurde ein Fundament gefunden, wie schließen die daraus jetzt die Funktion des Gebäudes als Tempel? Wie im Artikel steht war dieser Gebäudetyp weit verbreitet. Wieso sollte sowas nicht zum beispiel eine öffentliche Toilette gewesen sein. Tongefäße dienten als Auffangbehälter (es wurden ja Scherben gefunden) die einmal täglich entleer wurden. (In Rom gab es nachweislich öffentliche Toiletten die an die cloaca maxima angeschlossen waren. Da nicht jede Provinz Siedlung über sowas verfügte schließe ich solche Einrichtungen mit Auffangbehältern nicht aus) Das mit der Toilette war jetzt nur ein beispiel, ich hab keinerlei Anhaltspunkte um das zu belegen. Jedoch wäre es wünschenswert wenn in dem Artikel aufgeführt wäre woraus die Archäologen schließen daß es ein Tempel ist. (Ich will jetzt nicht die Arbeit der Archäologen schlecht reden, es geht mir dabei eher um die Berichterstattung)
2. -
mangeder 03.05.2012
Das Problem liegt wohl beim Leser und nicht am Artikel: Da steht, dass der TEMPELTYP weit verbreitet war und nicht, dass der Gebäudetyp weit verbreitet war. Und zu welchem Zweck sollte wohl jemand ein einfaches Bauernhaus mit [...]
Das Problem liegt wohl beim Leser und nicht am Artikel: Da steht, dass der TEMPELTYP weit verbreitet war und nicht, dass der Gebäudetyp weit verbreitet war. Und zu welchem Zweck sollte wohl jemand ein einfaches Bauernhaus mit umlaufenden offenen Säulengang ausstatten? Und die Kritik geht auch ins Leere, da der Artikel lediglich über die Entdeckung berichtet und nicht dazu da ist, einen Grundkurs Archäologie zu ersetzen.
3.
eumel 03.05.2012
Von stratigraphischer Grabungstechnik hat mann oder frau in Bonn noch nichts gehört? Wie zeitgemäß ist den die Grabunsmethodik die da gelehrt wird?
Von stratigraphischer Grabungstechnik hat mann oder frau in Bonn noch nichts gehört? Wie zeitgemäß ist den die Grabunsmethodik die da gelehrt wird?
4.
wosenjohn 03.05.2012
Ich weiß dass da Tempeltyp steht, und das ist ja genau die Frage, woher die gewissheit dass es sich um einen Tempel handelt. ich schließe das ja nicht aus, mich würde nur interessieren wie man zu dem schluss gelangte. [...]
Zitat von mangederDas Problem liegt wohl beim Leser und nicht am Artikel: Da steht, dass der TEMPELTYP weit verbreitet war und nicht, dass der Gebäudetyp weit verbreitet war. Und zu welchem Zweck sollte wohl jemand ein einfaches Bauernhaus mit umlaufenden offenen Säulengang ausstatten? Und die Kritik geht auch ins Leere, da der Artikel lediglich über die Entdeckung berichtet und nicht dazu da ist, einen Grundkurs Archäologie zu ersetzen.
Ich weiß dass da Tempeltyp steht, und das ist ja genau die Frage, woher die gewissheit dass es sich um einen Tempel handelt. ich schließe das ja nicht aus, mich würde nur interessieren wie man zu dem schluss gelangte. Gräbt man in ein paar tausend jahren unsere städte und dörfer aus wird sich in fast jeder größeren ansiedlung ein gebäude finden das den selben Grundriss hat. weil man in allen das symbol der "Goldenen Welle" bzw. des "Goldenen Dreizack" (je nach dem was man als oben/unten betrachtet) findet schließt man daraus dass es die tempel eines weit verbreiteten poseidon kultes sind. aus heutiger sicht hat aber McDonalds recht wenig mit poseidon am hut.
5. Die wollen nur spielen
leser008 03.05.2012
Es handelt sich um eine Schulgrabung, damit die Studenten üben können. Wichtig wohl auch, dass sie dafür nicht teuer irgendwohin gefahren werden müssen, z.B. nach Euskirchen o.ä.. Das Grabungsareal ist ja auch sehr klein [...]
Zitat von eumelVon stratigraphischer Grabungstechnik hat mann oder frau in Bonn noch nichts gehört? Wie zeitgemäß ist den die Grabunsmethodik die da gelehrt wird?
Es handelt sich um eine Schulgrabung, damit die Studenten üben können. Wichtig wohl auch, dass sie dafür nicht teuer irgendwohin gefahren werden müssen, z.B. nach Euskirchen o.ä.. Das Grabungsareal ist ja auch sehr klein gehalten, obwohl das Gebiet in Poppelsdof grossteils frei ist und im Besitz der Uni steht. Soweit ich weiss, soll dort von der Uni umfangreich gebaut werden, dann sind die Bodenfunde eh vernichtet. Man sollte das ganze also nicht so ernst nehmen.

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