25.05.2012
Schiffsunglück
"Rena"-Offiziere müssen sieben Monate ins Gefängnis
Havarist "Rena" (im Oktober 2011): Zeitdruck und fatale Fahrfehler
Wellington - Es war ein Öko-Desaster, wie es Neuseeland noch nicht gesehen hatte: Am 5. Oktober 2011 krachte der 245 Meter lange Containerfrachter "Rena" bei fast voller Fahrt auf ein Riff vor Neuseeland. Nun ist das leitende Personal des Schiffs wegen der Katastrophe verurteilt worden. Die Strafe: sieben Monate Haft für Kapitän und Navigationsoffizier.
Der 44-jährige Kapitän des Containerschiffs "Rena" sei unter Zeitdruck von der geplanten Route abgewichen und habe fatale Fahrfehler gemacht, befand der Richter nach Medienberichten aus dem Gerichtssaal. Zu allem Übel habe er das Logbuch gefälscht, um seine schweren Fehler zu vertuschen.
Der Crash hatte sich nur 22 Kilometer vor der Küste der Nordinsel Neuseelands ereignet. Bei dem Unglück liefen 350 bis 400 Tonnen Öl aus und verschmutzten die Strände der Bay of Plenty. Mehr als 2400 Vögel verenden im Öl-Schlick. Von den 1368 Containern an Bord fielen Hunderte ins Wasser. Inzwischen ist das Schiff zerbrochen und teilweise gesunken.
Die beiden zuständigen Seeleute waren wegen fahrlässiger Fahrweise, Umweltverschmutzung und Justizbehinderung angeklagt. Vor allem der letzte Punkt veranlasste den Richter Robert Wolff zu der Gefängnisstrafe, wie er ausführte. "Ich finde, es muss eine klare Botschaft geben, dass im Fall einer Katastrophe wie dieser alle Beteiligten ehrlich sein müssen, damit so schnell wie möglich eine vernünftige Lösung für das Problem gefunden werden kann", sagte er nach Angaben von Radio Neuseeland.
Richter Wolff zeigte andererseits Milde, weil die beiden Angeklagten sich schuldig bekannt hatten. Ihnen hatten bis zu sieben Jahren Haft gedroht. Die Staatsanwälte sprachen von grundlegender Inkompetenz der Schiffslenker. Der Anwalt des Kapitäns führte die Reue seines Mandaten an.
Bis heute sind Fachleute im Einsatz, um Container zu bergen. Viele Küstenbewohner haben den beiden Seeleuten von den Philippinen inzwischen aber vergeben. "Sie sind nur ein Rädchen in einer großen Maschine, die das Desaster verursacht hat", sagte Colin Reeder, ein Sprecher der Maori-Ureinwohner, die dort leben. "Wir richten unseren Zorn lieber gegen das System, das dieses Desaster zugelassen hat." Damit meinte er unter anderem den Zeitdruck, unter dem Kapitäne zunehmend stehen.
chs/dpa