Lade Daten...
Ausgegraben
17.11.2012
Schrift:
-
+

Ausgegraben - Neues aus der Archäologie

Kinderknochen erzählen von Maya-Tragödie

Von Angelika Franz

In Mexiko sind Archäologen auf die Spuren eines Dramas gestoßen: 47 Skelette aus der Maya-Zeit, die meisten stammen von stark unterernährten Kindern. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: Uralte Kulturen um Zweistromland und die Ruinen eines verrufenen britischen Klosters.

Fotostrecke

Kulturgeschichte: Maya ließen sich vom Regen einlullen
In der Yok-Balum-Höhle in Belize hinterließ das Klima ein Archiv der besonders langfristigen Art: einen Stalagmiten. Der mächtige Zapfen wuchs von 40 v. Chr. bis zum Jahr 2006 und archivierte so das Klima der Region. Der Sauerstoffgehalt in den Schichten des Stalagmiten gibt Auskunft über die Niederschlagsmenge jedes einzelnen Jahres seiner Wachstumszeit. So konnten die Anthropologen um Douglas Kennett von der Penn State University ablesen, wie das Klima die Maya beeinflusste.

Offenbar begann die Kultur in einer regenreichen Periode von 440 bis 660 zu blühen. Als es nach 660 trockener wurde, fanden zunehmend Kriege statt. Während der Dürreperiode zwischen 1020 und 1100 verließen schließlich die letzten Maya die Region des heutigen Belize. "Es sieht so aus, als ob die Maya sich von der einzigartigen Regenperiode in der frühklassischen Zeit in dem Glauben einlullen ließen, dass es ewig genug Wasser geben würde", schreibt Kennett im Fachblatt "Science".

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
1. Maya Tragödie
joachimmilz 17.11.2012
Das mag zwar richtig sein ist aber zu oberflächlich. Im Zuge ihrer Entwicklung haben die Mayas für landwirtschaftliche Kulturflächen die Wälder massiv gerodet gehabt. Abnehmende Bodenfruchtbarkeit, Kahlschlag und dann dadurch [...]
Das mag zwar richtig sein ist aber zu oberflächlich. Im Zuge ihrer Entwicklung haben die Mayas für landwirtschaftliche Kulturflächen die Wälder massiv gerodet gehabt. Abnehmende Bodenfruchtbarkeit, Kahlschlag und dann dadurch verursachte Trockenheit haben letztendlich die Krise ausgelöst. Montgomery hat dies im übrigen durch Pollenanalysen nachgewiesen (Dirt-The Erosion of Civilazation). J.Milz-Bolivien
2. Versagen europäischer Kulturwerte
kalumeth 18.11.2012
Ja müssten wir. Immerhin finden die restlichen Überlebenden der nordamerikanischen Ureinohner heute wieder etwas mehr zu ihrem Selbstbewusstsein zurück und setzen ihre Rechte mehr und mehr durch. Jedenfalls sehe ich in der [...]
Zitat von sysopWürden wir hier in Deutschland solch eine Sichtweise auf Engländer und Amerikaner übertragen und gerecht sein, müssten wir jeden Tag über die Verbrechen an schwarzen Sklaven und an Massenmorden an Indianern in Nordamerika berichten. .
Ja müssten wir. Immerhin finden die restlichen Überlebenden der nordamerikanischen Ureinohner heute wieder etwas mehr zu ihrem Selbstbewusstsein zurück und setzen ihre Rechte mehr und mehr durch. Jedenfalls sehe ich in der gewaltsamen Eroberung Amerikas ein Versagen europäischer (Religions)Kultur in der frühen Neuzeit. Ähnlich wie bei der Hexenverfolgung wurden nichtmonotheistische Kulturwerte brutal zerstört.
3.
kartoschka 19.11.2012
Wo werden denn die Spanier als die Bösen dargestellt? Die Kultur der Maya war bei Ankunft der Spanier bereits im Untergang (wegen Dürren, Übernutzung der Böden,...). Aber natürlich hatten die Spanier auch ihren Anteil daran, [...]
Zitat von sysopEs ist doch immer das Gleiche. Kaum wird über die Maya oder die Inka berichtet werden die Spanier als die Bösen dargestellt. Unglaublich! Denen wird ja wirklich alles in die Schuhe geschoben. Würden wir hier in Deutschland solch eine Sichtweise auf Engländer und Amerikaner übertragen und gerecht sein, müssten wir jeden Tag über die Verbrechen an schwarzen Sklaven und an Massenmorden an Indianern in Nordamerika berichten. Wer sich wirklich mit Geschichte beschäftigt sollte auch das Edikt Philip des Zweiten von Spanien kennen, das den Indianern schon damals ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Identiät zusicherte und garantierte. Aber Geschichte schreiben die Sieger und nicht die Vernunft.
Wo werden denn die Spanier als die Bösen dargestellt? Die Kultur der Maya war bei Ankunft der Spanier bereits im Untergang (wegen Dürren, Übernutzung der Böden,...). Aber natürlich hatten die Spanier auch ihren Anteil daran, nicht zuletzt wegen der Krankheiten, die sie mitbrachten, welche etwa 90% der indianischen Bevölkerung Amerikas auslöschte (s. Jared Diamond: Arm und Reich)
4. Koloniales Desaster
spon-facebook-10000363349 21.11.2012
Natürlich haben die Spanier mit ihrem religiösen Messianismus, ihrem kolonialen Latifundiensystem sowie ihrer Ausbeutung der autochthonen Bevölkerung die indianischen Kulturen nachhaltig zerstört. Da helfen auch die wenigen [...]
Natürlich haben die Spanier mit ihrem religiösen Messianismus, ihrem kolonialen Latifundiensystem sowie ihrer Ausbeutung der autochthonen Bevölkerung die indianischen Kulturen nachhaltig zerstört. Da helfen auch die wenigen europäischen Dekrete nicht, die vom König und einzelnen Kirchenhierarchen erlassen wurden, aber sich in der neuen Welt gar nicht auswirkten. Hier zählten letztlich nur die Gewinne, die man aus den Ressourcen herausholen konnte und die Indigenen waren nur als billige Arbeitskräfte gefragt. Was aus den Kolonien herausgepresst wurde, floss nach Spanien und ermöglichte es den Königen, ihre Religionskriege gegen ihre Nachbarn für die katholische Kirche zu führen. Wenn schon Geschichte, dann auch bitte im richtigen Zusammenhang darstellen!

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Verwandte Themen

Archäologische Methoden der Datierung

Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter RSS
alles zum Thema Ausgegraben
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten