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20.12.2012
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Leipzig

Archäologen entdecken 7000 Jahre alte Brunnen

DPA/ Sächsisches Landesamt für Archäologie Dresden

Eichenholzbrunnen bei Leipzig: Mit 7000 Jahren der bislang älteste Brunnen Europas

Archäologen haben in der Nähe von Leipzig vier 7000 Jahre alte Brunnen gefunden - die ältesten in Europa. Die Holzbauwerke wurden mit aufwendiger Technik errichtet. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass sie die Menschen dieser Epoche bisher unterschätzt haben.

Hamburg - Archäologen haben in der Nähe von Leipzig die ältesten Brunnen in Europa freigelegt. Bauern haben sie vor mehr als 7000 Jahren aus Eichenholz gebaut, um sich mit Wasser zu versorgen. Der Fund zeigt, dass Menschen schon lange vor der Erfindung der ersten Metallwerkzeuge aufwendige Holzbauwerke errichten konnten. Das lässt nach Angaben der Archäologen vermuten, dass der Lebensstandard damals insgesamt höher war als bislang gedacht.

Die ersten Bauern seien wohl zugleich auch die ersten Zimmerleute in Europa gewesen, schreibt das Team um den Freiburger Archäologen Willy Tegel im Fachjournal "Plos One". Nach Angaben der Forscher gehören die Brunnen zu den ältesten erhaltenen hölzernen Bauwerken weltweit.

Bis zu sieben Meter tief hatten die Menschen in der frühen Jungsteinzeit den Schacht mit Holz ausgekleidet, wie Tegel berichtete. Sie spalteten die Stämme und fügten die Bretter dann mit komplexen Eckverbindungen zu kastenförmigen Schächten zusammen. "Diese ausgefeilte Technik war eine große Überraschung."

Die vier Brunnen stammen aus der Zeit der Neolithischen Revolution, die laut den Experten zwischen 6000 und 4000 vor Christus eine grundlegende Wende in der Menschheitsgeschichte markierte. Damals begannen Menschen ihren Lebensstil als Jäger und Sammler aufzugeben, allmählich sesshaft zu werden und Ackerbau zu betreiben. Die dauerhaften Siedlungen sowie die Landwirtschaft erforderten fundamentale technische Neuerungen, schreiben die Autoren.

Bretter überstanden Jahrtausende

Doch von den Holzhäusern jener Zeit ist fast nichts erhalten geblieben. Deshalb konnten Experten bislang nur mutmaßen, wie das Leben dieser frühen Landwirte ausgesehen haben könnte. Umso wichtiger sei der Fund der vier Holzbrunnen, betonte Tegel.

Weil die Holzbretter dort unterhalb des Grundwasserspiegels und abgeschlossen vom Sauerstoff lagen, haben sie die Jahrtausende überstanden. Anhand der Jahresringe im Holz konnten die Wissenschaftler nun auf das Jahr genau bestimmen, wann die Bäume gefällt wurden: zwischen 5206 und 5098 v. Chr.

Letztlich müsse das Bild, das die Wissenschaft von unseren Vorfahren zu jener Zeit hatte, überdacht werden, sagte Tegel. "In sämtlichen Rekonstruktionen wurden Gebäuden aus dieser Zeit und die Infrastruktur wahrscheinlich unterschätzt. Wenn die Menschen in der Lage waren, solche komplexen Holztechniken anzuwenden, muss man frühere Rekonstruktionen von Gebäuden überdenken", so der Archäologe

twn/wbr/dpa

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Archäologische Methoden der Datierung

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Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
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Stratigraphie
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