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21.12.2012
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Intelligenz

Zweites Lebensjahr ist wichtig fürs Hirn

DPA

Kleinkind: Die ersten zwei Lebensjahre sind wichtig für die Gehirnentwicklung

Die Eindrücke aus der frühen Kindheit prägen das Gehirn - das ist lange bekannt. Jetzt aber haben Forscher die Denkorgane von jungen Menschen, Schimpansen und Rhesusaffen über längere Zeit beobachtet. Das Ergebnis: Beim Homo sapiens ist das zweite Lebensjahr entscheidend.

Hamburg - Für die Hirnentwicklung beim Menschen ist besonders das zweite Lebensjahr wichtig. Das schließen Wissenschaftler um Tomoko Sakai von der Universität Kyoto in Japan aus Untersuchungen von Menschen, Schimpansen und Rhesusaffen. Vor allem in der zweiten Hälfte der frühen Kindheit steigt die Zahl der Nervenverbindungen beim Menschen deutlich stärker als bei den Menschenaffen, schreiben die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B".

Das Gehirn des Menschen unterscheidet sich stark vom Gehirn anderer Primaten: Es ist überproportional groß, aber auch anders aufgebaut und strukturiert. Unklar ist jedoch, warum das Denkorgan gerade beim Homo sapiens so ausgeprägt ist und wie diese Entwicklung verläuft. Manche Forscher sehen den Grund darin, dass das menschliche Gehirn nach der Geburt über einen besonders langen Zeitraum heranreift. Andere Studien deuten darauf hin, dass es in der frühen Kindheit einen Entwicklungsschub erlebt.

Um dies zu prüfen, analysierten Sakai und seine Kollegen die Hirnentwicklung von heranwachsenden Menschen, Schimpansen und Rhesusaffen per Magnetresonanztomografie (MRT). Dabei verglichen sie die Aufnahmen in drei Entwicklungsstadien - frühe Kindheit, späte Kindheit und Jugend. Die Wissenschaftler ließen die drei Phasen mit dem Auftauchen des ersten Milchzahns, dem Durchbruch des ersten echten Zahns und - je nach Geschlecht - der ersten Regelblutung oder der ersten Ejakulation enden. Der gesamte Zeitraum dauert demnach für Rhesusaffen, Schimpansen und Menschen etwa drei, acht und zwölf Jahre.

Große Unterschiede im Hirnvolumen

Das Gehirn von Rhesusaffen erreicht demnach schon in der frühen Kindheit nahezu seine vollständige Größe. Bei Schimpansen und bei Menschen reift es dagegen verzögert heran - dann aber umso stärker. Über den gesamten Zeitraum legten die Gehirne von Mensch und Schimpanse im Vergleich zu den Rhesusaffen fast drei Mal stärker zu. Aber auch hier fanden die Forscher deutliche Unterschiede: Von der Mitte bis zum Ende der frühen Kindheit stieg das Hirnvolumen bei Menschen fast doppelt so schnell an wie bei Schimpansen - um gut 16 Prozent im Vergleich zu acht Prozent. Bei Rhesusaffen waren es nur 1,6 Prozent.

Diese Phase entspricht beim Menschen dem Alter von 12 bis 24 Monaten. Besonders deutlich wuchs in dieser Periode die weiße Substanz. Menschen legten hier fast 43 Prozent zu, Schimpansen lediglich 17 Prozent. Die weiße Substanz umfasst die Nervenfasern - also die länglichen Fortsätze der Nervenzellen, die für die Vernetzung verschiedener Areale des Gehirns wichtig sind. Aufgrund ihrer fetthaltigen Hülle erscheinen die Nervenfasern im Schnittbild weiß, daher auch der Name. Im Gehirn liegt die weiße Substanz innen.

Aus ihren Beobachtungen zum Hirnwachstum und insbesondere zur weißen Substanz folgern die Forscher, dass die Grundlagen für die hohe Effizienz des menschlichen Gehirns in den ersten beiden Lebensjahren entstehen, weniger während der langen Reifung.

Auch für den Stammbaum des Menschen leiten die Wissenschaftler Folgerungen ab: Die verzögerte Hirnreifung nach der Geburt lag demnach schon bei dem gemeinsamen Ahnen von Mensch und Schimpanse vor. Aber erst nach der Aufspaltung beider Linien habe sich bei den Ahnen des Menschen die Vernetzung des Gehirns stärker ausgeprägt.

nik/dpa

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