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Ausgegraben
06.01.2013
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Ausgegraben - Neues aus der Archäologie

Blut des geköpften Königs Ludwig entdeckt

Von Angelika Franz

König Ludwig XVI. endete in der Französischen Revolution unter der Guillotine - jetzt fanden Forscher seine Blutspuren. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: die Munition einer historischen Familienfehde, dekadente Mönche und Opfergaben im Vulkanschlund.

Am 21. Januar 1793 tauchte Maximilien Bourdaloue sein Taschentuch in eine Blutlache. Es war das Blut, das aus dem kopflosen Hals des französischen Königs Louis XVI. tropfte. Dann steckte Bourdaloue das Tuch in einen ausgetrockneten Kürbis, der mit den Köpfen der Revolutionshelden verziert war. So unglaublich die Geschichte klingt - sie ist wahr. Das konnte jetzt der Pathologe Philippe Charlier nachweisen.

Corbis

Frankreichs König Ludwig XVI. (1754-1793): Tuch im Kürbis

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Forensic Science International" veröffentlichte er die Ergebnisse seiner Untersuchungen des Kürbisinneren. Tatsächlich fand er in der DNA aus den Blutspuren eine seltene genetische Signatur. Dieselbe trug sein Vorfahr Henri IV.

Henri IV. und Louis XVI. liegen sieben Generationen auseinander, doch die auffällige Gensignatur gab der Herrscher über seine männlichen Nachkommen weiter: "Sie haben über die Väter eine direkte Verbindung", schreibt Charlier. In den Wirren, die Louis XVI. und seine Königin Marie-Antoinette das Leben kosteten, wurde auch das Grab seines Vorfahren geschändet.

Die Knochen Henri IV. begruben die Revolutionäre in einem Massengrab. Nur den Kopf schnappte sich jemand als Souvenir. Erst im Jahr 2010 konnte er tatsächlich anhand von typischen Gesichtsmerkmalen als der Kopf Henris IV. identifiziert werden. Sein letzter Besitzer, ein französischer Finanzbeamter, gab ihn daraufhin zur Wiederbestattung in Saint-Denis frei.

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insgesamt 8 Beiträge
1. also..
Mimimat 06.01.2013
Also, wenn die Munition abgeschossen wurde, dann wird es aber schwer, sie noch zu finden. Dann besteht sie nämlich aus drei Teilen: Der Hülse, dem Geschoß und einem kleinen Rauchwölkchen, welches vorher mal das Pulver [...]
Zitat von sysopCorbisKönig Ludwig XVI. endete in der Französischen Revolution unter der Guillotine - jetzt fanden Forscher seine Blutspuren. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: die Munition einer historischen Familienfehde, dekadente Mönche und Opfergaben im Vulkanschlund. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/neues-aus-der-archaeologie-blutige-familienfehde-batavia-massaker-a-875663.html
Also, wenn die Munition abgeschossen wurde, dann wird es aber schwer, sie noch zu finden. Dann besteht sie nämlich aus drei Teilen: Der Hülse, dem Geschoß und einem kleinen Rauchwölkchen, welches vorher mal das Pulver war. Ich vermute stark, dass nur die Hülsen gefunden wurden. Ich meine, wer ein Lenkrad findet, sagt ja auch nicht "Da liegt ein Auto!" ;-)
2. Typisch...
dimado 06.01.2013
Dass sich der Kopf eines französischen Königs im Besitz eines FINANZBEAMTEN befand ist signifikant für unsere Zeit, findet ihr nicht?
Dass sich der Kopf eines französischen Königs im Besitz eines FINANZBEAMTEN befand ist signifikant für unsere Zeit, findet ihr nicht?
3. @dimado
42er 06.01.2013
Einjeder Mensch hat doch Idole. Wieso sollte man, wenn man kann, nicht gleich deren Kopf im Regal stehen haben? ;)
Einjeder Mensch hat doch Idole. Wieso sollte man, wenn man kann, nicht gleich deren Kopf im Regal stehen haben? ;)
4. Henri IV.
Layer_8 06.01.2013
Also, das mit dem Kopf war wohl OK. Das mit dem Zurückgeben, dieser König war ja wohl nicht ganz so schlecht. Aber der Kürbis mit dem Ludwig XVI. drin, der wäre doch gut für Halloween? Passend für diesen König? Obwohl, [...]
Zitat von sysopCorbisKönig Ludwig XVI. endete in der Französischen Revolution unter der Guillotine - jetzt fanden Forscher seine Blutspuren. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: die Munition einer historischen Familienfehde, dekadente Mönche und Opfergaben im Vulkanschlund. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/neues-aus-der-archaeologie-blutige-familienfehde-batavia-massaker-a-875663.html
Also, das mit dem Kopf war wohl OK. Das mit dem Zurückgeben, dieser König war ja wohl nicht ganz so schlecht. Aber der Kürbis mit dem Ludwig XVI. drin, der wäre doch gut für Halloween? Passend für diesen König? Obwohl, es war ja sein Vorgänger, der Frankreich pleite machte...
5.
dhbvfg 06.01.2013
Ironie Henry IV hatte unteranderen den spitznamen der gute König und wurde trotzdem geschändet. Ludwig der XVI ist irgendwie eine der traurigsten Gestalten die es gibt er führte den Rat wieder ein wollte brot billiger und [...]
Ironie Henry IV hatte unteranderen den spitznamen der gute König und wurde trotzdem geschändet. Ludwig der XVI ist irgendwie eine der traurigsten Gestalten die es gibt er führte den Rat wieder ein wollte brot billiger und hat gern geschmiedet Guilletinen aufstellen bringt nichts, laut Grundgesetz dürften wir uns gegen Gesetze wehren die uns in unseren Rechten einschränken und es ändert nichts und es passiert nichts.

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Homininen und Hominiden

Affen- und Menschenartige
Ein Hominid oder Menschenaffe ist ein Mitglied der taxonomischen Familie, zu der Menschen, Schimpansen, Gorillas und all deren ausgestorbene gemeinsame Vorfahren gehören. Der Begriff Hominine umfasst dagegen alle Mitglieder der Gattung Homo und deren ausgestorbene Verwandten, die dem Menschen näher stehen als den Schimpansen. Dazu zählen also nicht Schimpansen und Gorillas sowie deren Vorfahren.
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Orrorin tugenensis (6 Millionen Jahre)
Französische und kenianische Wissenschaftler fanden im Oktober 2000 in der Boringo-Region (Kenia) die Reste des "Millennium-Menschen". Er zeigt deutliche Hinweise auf den aufrechten Gang. In der Fachwelt ist jedoch umstritten, ob er ein direkter Vorfahr des Menschen war.
Ardipithecus ramidus (4,4 Millionen Jahre)
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Australopithecus afarensis (3,2 - 3,6 Millionen Jahre)
Am 30. November 1974 wird in Äthiopien "Lucy" ausgegraben, ein Teilskelett, das als letzter gemeinsamer Vorfahr mehrerer Abstammungslinien von Homininen gilt. Für Furore sorgte auch der Fund eines Kindes im Jahr 2006, das als "Lucys Baby" bekannt wurde.
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Homo neanderthalensis (130.000 - 30.000 Jahre)
Morphologische Eigenschaften, die für Neandertaler typisch sind, fand man bereits in etwa 400.000 Jahre alten Fossilien aus Europa. Doch man geht davon aus, dass die ersten Neandertaler vor etwa 130.000 Jahren entstanden sind. Heute gilt der Neandertaler als ausgestorbene Seitenlinie des Menschen. Er verschwand vor etwa 30.000 Jahren von der Bildfläche - warum, ist noch nicht vollständig geklärt.

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