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Ausgegraben
13.01.2013
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Ausgegraben - Neues aus der Archäologie

Frisur-Rätsel der vestalischen Jungfrauen gelöst

Von Angelika Franz

Sex war ihnen verboten - dafür aber gehörten die Vestalinnen zu den mächtigsten Frauen im alten Rom. Jetzt ist das Rätsel ihrer komplizierten Frisuren gelöst. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: Der älteste Eisenbahntunnel der Welt und Carin Görings Knochen.

Wer auf der nächsten Party für Gesprächsstoff sorgen will, sollte sich vorher einen Friseurtermin bei Janet Stephens besorgen. Die Friseurin und Amateurarchäologin aus Baltimore hat die Geheimnisse der Hochsteckfrisur der römischen Vestalinnen ergründet. Auf dem Jahrestreffen des Archaeological Institute of America in Seattle stellte sie nun die Ergebnisse ihrer Forschungen vor.

REUTERS

Haus der Vestalinnen in Rom: Zopf-Geheimnis ist entschlüsselt

Die vestalischen Jungfrauen genossen im alten Rom einen besonderen Status. Zu ihren Aufgaben gehörte es unter anderem, das heilige Herdfeuer im Tempel der Vesta zu hüten und Wasser aus der Quelle der Nymphe Egeria zu holen, mit dem der Tempel der Göttin geputzt wurde.

Eine Vestalin wurde im Alter zwischen sechs und zehn Jahren für diesen Dienst ausgewählt und durfte ihr Leben lang ihre Jungfräulichkeit nicht verlieren. Kam sie doch abhanden, war Rom in Gefahr - und die Sünderin wurde lebendig begraben.

Dafür aber gehörten die Vestalinnen zu den mächtigsten Frauen in Rom. Ihre Haare trugen sie in komplizierten Verflechtungen. Stephens hatte die Frisur auf dem Kopf einer Porträtbüste im Walters Art Museum in Baltimore gesehen und versucht, sie zu rekonstruieren. Doch es dauerte sieben Jahre, bis sie den Trick herausgefunden hatte. Das Problem war unter anderem, dass die Frisur auf den meisten Darstellungen teilweise unter einer Kopfbedeckung versteckt ist.

Schließlich aber gelang es ihr, sieben verschiedene Zöpfe in unterschiedlichen Flechttechniken ausfindig zu machen, die dann noch untereinander verdreht und verschränkt werden. Eine Person mit geübten Händen braucht 35 bis 40 Minuten, um alle Haare entsprechend einzuflechten. Die Vestalinnen hatten dafür allerdings mehrere Sklaven, so dass es vermutlich wesentlich schneller ging. Wer allerdings keine vollen Haare bis mindestens zur Taille hat, kann sich den Besuch bei Janet Stephens gleich sparen.

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insgesamt 10 Beiträge
1. Gut, das mit dem Tunnel!
kahabe 13.01.2013
Geht in Deutschland nicht mehr, da der hiesiege Tunnel nicht mehr existiert. Bei Oberau auf der Eisenbahnlinie Dresden - Leipzig. Immerhin erklärt der Artikel, warum Nürnberg - Fürth nich die erste deutsche Eisenbahnlinie [...]
Geht in Deutschland nicht mehr, da der hiesiege Tunnel nicht mehr existiert. Bei Oberau auf der Eisenbahnlinie Dresden - Leipzig. Immerhin erklärt der Artikel, warum Nürnberg - Fürth nich die erste deutsche Eisenbahnlinie war. Es gab 1835 sogar schon längere, im heutigen Ruhrgebiet.
2. Wieso findet man hier kein Bild
ReneMeinhardt 13.01.2013
dieser Hochsteckfrisur?
dieser Hochsteckfrisur?
3. foto?
MoorGraf 13.01.2013
und wie sieht die Frisur nun aus???
und wie sieht die Frisur nun aus???
4. Vestalinnen...
trafozsatsfm 13.01.2013
Das stimmt nicht ganz. Die "Dienstzeit" einer Vestalin betrug mindestens 30 Jahre. Danach durften die ehemaligen Vestalinnen durchaus auch heiraten.
Zitat von sysopREUTERSSex war ihnen verboten - dafür aber gehörten die Vestalinnen zu den mächtigsten Frauen im Alten Rom. Jetzt ist das Rätsel ihrer komplizierten Frisuren gelöst. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: Der älteste Eisenbahntunnel der Welt und Carin Görings Knochen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/neues-aus-der-archaeologie-der-aelteste-eisenbahntunnel-der-welt-a-876818.html
Das stimmt nicht ganz. Die "Dienstzeit" einer Vestalin betrug mindestens 30 Jahre. Danach durften die ehemaligen Vestalinnen durchaus auch heiraten.
5. Weil
kahabe 13.01.2013
es keins gibt. Wegen der den Körper vollständig bedeckenden Kleidung. Ist wie bei den Nonne heute oder anderen "religiösen" Bekleidungsvorschriften. Die Öffentlichkeit weiß nicht, wie es darunter tatsächlich [...]
Zitat von ReneMeinhardtdieser Hochsteckfrisur?
es keins gibt. Wegen der den Körper vollständig bedeckenden Kleidung. Ist wie bei den Nonne heute oder anderen "religiösen" Bekleidungsvorschriften. Die Öffentlichkeit weiß nicht, wie es darunter tatsächlich aussieht. Kann sich also auch kein Bild machen.

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Zur Autorin

  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
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Homininen und Hominiden

Affen- und Menschenartige
Ein Hominid oder Menschenaffe ist ein Mitglied der taxonomischen Familie, zu der Menschen, Schimpansen, Gorillas und all deren ausgestorbene gemeinsame Vorfahren gehören. Der Begriff Hominine umfasst dagegen alle Mitglieder der Gattung Homo und deren ausgestorbene Verwandten, die dem Menschen näher stehen als den Schimpansen. Dazu zählen also nicht Schimpansen und Gorillas sowie deren Vorfahren.
Sahelanthropus tchadensis (7 bis 8 Millionen Jahre)
Dieses bisher älteste bekannte Mitglied der Menschenfamilie entdeckte ein Forscherteam aus Frankreich und dem Tschad im Juli 2001 in der Sahel-Zone in Zentralafrika. Der Fund namens Toumaï könnte aus der Zeit der Trennung der Affen- und Menschenartigen stammen.
Orrorin tugenensis (6 Millionen Jahre)
Französische und kenianische Wissenschaftler fanden im Oktober 2000 in der Boringo-Region (Kenia) die Reste des "Millennium-Menschen". Er zeigt deutliche Hinweise auf den aufrechten Gang. In der Fachwelt ist jedoch umstritten, ob er ein direkter Vorfahr des Menschen war.
Ardipithecus ramidus (4,4 Millionen Jahre)
"Ardi" revolutionierte das Bild unserer Urahnen: Der Fund aus Äthiopien zählt zu den Menschenartigen (Homininen) und ist weit mehr von den Affen entfernt als bisher vermutet, wie im Oktober 2009 ein Forscherteam im Fachjournal "Science" berichtete.
Australopithecus afarensis (3,2 - 3,6 Millionen Jahre)
Am 30. November 1974 wird in Äthiopien "Lucy" ausgegraben, ein Teilskelett, das als letzter gemeinsamer Vorfahr mehrerer Abstammungslinien von Homininen gilt. Für Furore sorgte auch der Fund eines Kindes im Jahr 2006, das als "Lucys Baby" bekannt wurde.
Homo rudolfensis (2,5 - 2,3 Millionen Jahre)
Dieser Mensch hat ein größeres Gehirn als die Australopithecinen und nutzte auch schon Werkzeuge. Er gilt als die älteste bisher entdeckte Art der Gattung Homo. Doch wie bei Australopithecus sediba streiten sich Forscher noch um die Zuordnung zu einer Spezies. Manche Wissenschaftler zählen ihn zur Art Homo habilis, andere widerum erkennen in ihm gar einen Australopithecinen oder einen Kenyanothropus.
Australopithecus sediba (2 - 1,8 Millionen Jahre)
Am 15. August 2008 entdecken Paläoanthropologen in der Nähe von Johannesburg die knapp zwei Millionen alten Überreste eines Jungen und einer Frau. Sie könnten ein lange gesuchtes Bindeglied zwischen den noch affenartigen Vormenschen und den frühen Menschen darstellen, berichtet ein Forscherteam im Fachjournal "Science" im April 2010.
Homo erectus (1,8 Millionen - 300.000 Jahre)
Mit dem Homo erectus begann eine Wanderbewegung aus Afrika nach Europa und Asien. 1891 entdeckt der Holländer Eugène Dubois einen Javamenschen, der vor 500.000 Jahren gelebt hat. In Georgien finden Forscher seit 1999 mehrere 1,75 Millionen Jahre alte menschliche Überreste, die dem Homo erectus zugerechnet werden.
Homo heidelbergensis (780.000/500.000 Jahre)
Im Oktober 1907 wird im Dorf Mauer bei Heidelberg ein rund 500.000 Jahre alter Unterkiefer dieses Menschen ausgegraben. 1995 werden in Gran Dolina (Spanien) 780.000 Jahre alte Überreste von vier Menschen dieser Art und Werkzeuge gefunden. Sie zählen zu den frühesten Menschen Europas, starben wahrscheinlich aber aus.
Homo sapiens (160.000 Jahre bis heute)
Die bisher ältesten Überreste des modernen Menschen findet ein internationales Forscherteam 1997 in Äthiopien. Die 2003 analysierten Schädelknochen erhärten nach Ansicht der Forscher die Vermutung, dass die modernen Menschen in Afrika entstanden sind und sich von dort in die ganze Welt ausgebreitet haben.
Homo floresiensis (120.000 - 10.000 Jahre)
Der als "Hobbit" bekanntgewordene, nur ein Meter große indonesische Urmensch war im Jahr 2004 auf der Insel Flores gefunden worden. Seit Jahren streiten Wissenschaftler, ob es sich um eine eigene Menschenart oder nur einen kranken Homo sapiens handelte.
Homo neanderthalensis (130.000 - 30.000 Jahre)
Morphologische Eigenschaften, die für Neandertaler typisch sind, fand man bereits in etwa 400.000 Jahre alten Fossilien aus Europa. Doch man geht davon aus, dass die ersten Neandertaler vor etwa 130.000 Jahren entstanden sind. Heute gilt der Neandertaler als ausgestorbene Seitenlinie des Menschen. Er verschwand vor etwa 30.000 Jahren von der Bildfläche - warum, ist noch nicht vollständig geklärt.

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