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18.01.2013
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Geografische Herkunft

Forscher findet Ursprung europäischer Juden

REUTERS

Rabbi am Kaspischen Meer: Vorfahren im Reich der Chasaren?

In Europa versammeln sich viele Völker, die Mehrheit ist eingewandert. Nun meint ein Forscher, die Herkunft der meisten Juden geklärt zu haben: Ihre Vorfahren lebten im Mittelalter im Reich der Chasaren - die Rheinland-Theorie scheint widerlegt.

London/Hamburg - Der geografische Ursprung der meisten europäischen Juden liegt vermutlich im äußersten Südosteuropa zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer. Eine Erbgutstudie stützt die Vermutung, dass die Vorfahren vieler mittel- und osteuropäischer Juden vor rund tausend Jahren im Reich der Chasaren lebten, berichtet Eran Elhaik von der Johns Hopkins University in Baltimore im Fachblatt "Genome Biology and Evolution".

Zur ungeklärten geografischen Herkunft der europäischen Juden gibt es dem Forscher zufolge zwei große Theorien. Die eine - von Elhaik als Rheinland-Hypothese bezeichnet - geht davon aus, dass der Ursprung in der Region Palästina liegt. Demnach verließen viele Juden ihre Heimat nach der islamischen Eroberung im siebten Jahrhundert. Etwa 50.000 Nachfahren dieser Flüchtlinge seien Anfang des 15. Jahrhunderts von Deutschland aus nach Osten gezogen. Da diese Gruppe recht isoliert lebte, müssten ihre Nachkommen allerdings eine starke genetische Ähnlichkeit miteinander aufweisen.

Die zweite Theorie geht davon aus, dass der Ursprung der meisten europäischen Juden im Reich der Chasaren liegt. Dieses erstreckte sich im Mittelalter etwa zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer und umfasste Teile des heutigen Südrusslands, der östlichen Ukraine, Kasachstans und des Kaukasus. Dort wurde das Judentum etwa im achten Jahrhundert zur Hauptreligion. Nach dem Zusammenbruch des Reiches im späten Mittelalter flohen demnach viele Juden nach Ost- und Mitteleuropa.

Um beide Theorien zu prüfen, verglich Elhaik das Erbgut von 1287 nicht miteinander verwandten Menschen aus jüdischen und nichtjüdischen Populationen. Die Resultate zeigten eine deutliche Ähnlichkeit zwischen dem Erbgut der meisten europäischen Juden und den Bevölkerungen aus verschiedenen Teilen des Kaukasus, schreibt der Forscher. Bei anderen europäischen Gruppen gebe es diese Parallele nicht.

Dies widerspreche der Rheinland-Hypothese, betont Elhaik. Zwar fand der Forscher bei seiner Erbgutanalyse auch Ähnlichkeiten zu Populationen aus dem Nahen Osten, Mesopotamien und Südeuropa. Dies führt er jedoch vor allem darauf zurück, dass sich im Lauf der Jahrhunderte viele Bevölkerungsgruppen aus diesen Gebieten im Reich der Chasaren ansiedelten. Allerdings räumt der Forscher ein, dass seine Folgerung nur auf kleinen Stichproben verschiedener Populationen basiert. Für eine detaillierteres Bild seien größere Studien erforderlich.

boj/dpa

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