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05.02.2013
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Fund in England

Forscher rekonstruieren Gesicht von Richard III.

Getty Images

Er sieht fast aus wie Prinz Charming - dabei gilt Richard III. als brutaler Tyrann. Nachdem klar ist, dass die unter einem Parkplatz gefundenen Knochen zu dem Monarchen gehören, haben Wissenschaftler ihm nun ein Gesicht gegeben.

Hamburg/Leicester - Das royale Rätsel ist gelöst: Archäologen hatten am Dienstag bestätigt, dass unter einem Parkplatz in der englischen Stadt Leicester gefundene Knochen zu Richard III. gehören. Einen Tag später hat die The Richard III. Society dem Monarchen nun ein Gesicht gegeben. Die Büste soll öffentlich ausgestellt werden.

Schon bevor klar war, ob die Knochen tatsächlich zu Richard III. gehören, konstruierten Wissenschaftler basierend auf Aufnahmen eines Kernspintomografen zunächst ein digitales Bild des Gesichts des Mannes; auch Muskeln und Haut wurden per Computer hinzugefügt.

Anhand der entstandenen dreidimensionalen Büste wurde das Gesicht dann aus Plastik nachgebildet. Die Haut- und Augenfarbe entnahmen die Künstler und Wissenschaftler Porträts des Monarchen. Auch seine Kleidung empfanden sie den Bildern nach.

Von Richard III. existieren nach derzeitigem Kenntnisstand allerdings keine Porträts mehr, die zu seinen Lebzeiten angefertigt wurden. Künstler und Wissenschaftler mussten sich also auf spätere Werke verlassen, die vermutlich anhand der nicht mehr vorhandenen Porträts angefertigt wurden.

Die Nase von Richard III. ist in der Nachbildung leicht gewölbt, sein Kinn markant. Die Gesichtszüge erscheinen freundlich und sanft. Ganz im Gegensatz zu seinem Ruf: Shakespeare zeichnete ihn als brutalen Herrscher, der mehrere Mitglieder anderer Dynastien und Mitbewerber um den Thron gewaltvoll aus dem Weg geräumt hatte.

Tatsächlich war Richard III. zu Lebzeiten in manchen Kreisen verhasst: Nach seinem Tod wurde seine Leiche nackt in einem Wirtshaus ausgestellt. Dann verschwand sie. Der Knochenfund vom Parkplatz weist darauf hin, dass seine Rivalen aus der Tudor-Dynastie den Herrscher offenbar unauffällig in einer Franziskanerkirche in Leicester hatten verscharren lassen - ohne Königsehren. Am ehemaligen Standort der Kirche befindet sich heute der Parkplatz, unter dem die Knochen gefunden wurden.

Historiker zeichnen ein gemäßigteres Bild des Monarchen: So soll Richard III. sich unter anderem für ein besseres Rechtssystem eingesetzt haben. Eine friedliche Gesellschaft soll sein oberstes Ziel gewesen sein, schreibt The Richard III Society. Ob der Monarch seine Rivalen umbringen ließ, ist bis heute nicht abschließend geklärt.

Richard III. hat England nur zwei Jahre ab 1483 regiert, bis er 1485 in der Schlacht von Bosworth fiel. Seine sterblichen Überreste zeigen zahlreiche schwere Verwundungen. Gefunden wurden sie bereits vergangenen September unter einem Parkplatz in Leicester. Am Dienstag hatten Forscher der Universität Leicester nach DNA-Analysen bestätigt, dass die Knochen zu dem Monarchen gehören.

jme

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Archäologische Methoden der Datierung

Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.

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