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06.02.2013
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Verfallende Ruinen

EU-Millionen sollen Pompeji retten

dpa

Eingestürztes Gladiatorenhaus in Pompeji (November 2010): Das Kulturerbe verfällt

Pompeji gehört zu den faszinierendsten Relikten aus alter Zeit, Millionen Touristen besuchen jedes Jahr die antike Stadt - die dennoch rapide verfällt. Jetzt soll ein hoher Millionenbetrag in die Rettung der Ruinen fließen. Doch der Einfluss der Mafia erschwert die Arbeit.

Rom/Neapel - Überschattet von angeblichen Mafia-Verstrickungen hat in Italien die Rettung der historischen Ausgrabungsstätte Pompeji begonnen. Mit insgesamt 105 Millionen Euro soll die kulturell bedeutsame Stätte bei Neapel restauriert werden. Die EU steuert davon knapp 42 Millionen Euro bei. EU-Regionalkommissar Johannes Hahn begleitete am Mittwoch gemeinsam mit drei italienischen Ministern den Beginn der Arbeiten. Zuvor war jahrelang nur wenig in den Erhalt der antiken Stadt investiert worden. Zuletzt waren immer wieder Teile der Ausgrabungsstätte abgebrochen oder Gebäude eingestürzt.

Jahr für Jahr besuchen Millionen von Touristen das 66 Hektar große Gelände, das zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Die Stadt war bei einem Ausbruch des Vulkans Vesuv im Jahr 79 verschüttet worden. Tausende Menschen wurden getötet, der Ort unter einer meterhohen Ascheschicht begraben und so für Jahrhunderte konserviert. Erst im Jahr 1748 wurde das antike Pompeji wiederentdeckt.

In der ersten Bauphase sollen zunächst fünf Gebäude restauriert werden. Die schwer beschädigten Ruinen werden mit Hilfe von moderner Technologie behutsam restauriert. "Pompeji hat große kulturelle Bedeutung für Europa, den Rest der Welt und Italien", sagte Hahn. Die EU hatte im März 2012 beschlossen, die Restaurierung der größten Ausgrabungsstätte Europas finanziell zu unterstützen.

Die fehlenden finanziellen Mittel sind aber nicht der einzige Grund für den schlechten Zustand Pompejis. Verstrickungen beteiligter Firmen mit der Mafia verzögerten die Restaurierung. Am Dienstag war bekanntgeworden, dass erneut ein Unternehmen unter dem Verdacht steht, Kontakte zur Camorra zu haben. Deshalb starteten am Mittwoch zunächst nur zwei der geplanten drei Projekte zur Restaurierung. Die EU hat Maßnahmen eingeleitet, um den Einfluss der Mafia in Pompeji zu unterbinden.

Zudem sind die Betrugsskandale der Vergangenheit noch immer nicht aufgearbeitet. Gegen den früheren Manager Marcello Fiori wurden am Dienstag offiziell Ermittlungen eingeleitet, weil er eine Firma angeheuert haben soll, die Theateraufführungen organisierte, anstatt sich um die Restaurierung zu kümmern. Die Geschäftsführerin der Firma, Annamaria Cavaccio, wurde unter Hausarrest gestellt. Ihr werden Betrug und Korruption vorgeworfen.

mbe/dpa

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insgesamt 44 Beiträge
1. optional
querulant1892 06.02.2013
Das ist halt der Nachteil des Ganzen: Ausgrabungen bringen Erkenntnis und gleichzeitig das Risiko der Zerstörung.
Das ist halt der Nachteil des Ganzen: Ausgrabungen bringen Erkenntnis und gleichzeitig das Risiko der Zerstörung.
2. Echt unglaublich ...
katzekaterkarlo 06.02.2013
... wohin Berlus(t)coni sein Volk mit seinem Vorbild hin gebracht hat.
... wohin Berlus(t)coni sein Volk mit seinem Vorbild hin gebracht hat.
3.
gog-magog 06.02.2013
Pompeji muss nicht gerettet werden, denn Pompeji ist im Jahre 79 untergegangen und es wird beim nächsten größeren Vesuv-Ausbruch unweigerlich wieder untergehen. Europäische Steuergelder sollten also dort nicht [...]
Zitat von sysopdpaPompeji gehört zu den faszinierendsten Relikten aus alter Zeit, Millionen Touristen besuchen jedes Jahr die antike Stadt - die dennoch rapide verfällt. Jetzt steckt die EU mehr als 100 Millionen Euro in die Rettung der Ruinen. Doch der Einfluss der Mafia erschwert die Arbeit. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/eu-investiert-105-millionen-euro-in-restaurierung-von-pompeji-a-881892.html
Pompeji muss nicht gerettet werden, denn Pompeji ist im Jahre 79 untergegangen und es wird beim nächsten größeren Vesuv-Ausbruch unweigerlich wieder untergehen. Europäische Steuergelder sollten also dort nicht verschwendet werden, das macht keinerlei Sinn.
4. ein Italien ohne Mafia?
zugroaster_minga 06.02.2013
das wäre ja fast zu schön, um wahr zu sein. Aber die Mafia iSSt Italien. war schon (fast) immer so. deshalb ist die Pizza ja auch "nur" ein Resteessen ;)
das wäre ja fast zu schön, um wahr zu sein. Aber die Mafia iSSt Italien. war schon (fast) immer so. deshalb ist die Pizza ja auch "nur" ein Resteessen ;)
5. Das zeigt nur Berlusconis Ehrlosigkeit
spiege1g1att 06.02.2013
In seinen Regierungsjahren ist Pompeji endgültig verkommen, während er sein Regierungsamt nutzte, um sein Vermögen zu mehren. Und den wollen die Italiener jetzt wiederwählen? Ja ist denn Ehrlosigkeit eine italienische Tugend?
In seinen Regierungsjahren ist Pompeji endgültig verkommen, während er sein Regierungsamt nutzte, um sein Vermögen zu mehren. Und den wollen die Italiener jetzt wiederwählen? Ja ist denn Ehrlosigkeit eine italienische Tugend?

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