24.02.2013
Ausgegraben - Neues aus der Archäologie
Nach dem Fell kamen die Farben
Von Angelika FranzTattookunst so alt wie der Verlust des Fells
Wann begannen die Menschen, ihre Haut zu tätowieren? Dieser Frage ging die Anthropologin Nina Jablonski von der Penn State University auf dem Jahrestreffen der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in Boston nach. Vor 1,5 bis zwei Millionen Jahren verloren unsere Vorfahren ihr Fell. Und nutzen schon bald darauf die frei gewordene Fläche als Leinwand, meint Jablonski. Mit den Körperbemalungen verfolgten sie vornehmlich zwei Ziele: das andere Geschlecht zu beeindrucken oder Gruppenzugehörigkeit zu demonstrieren.
Frauen nutzen die Körperbemalung, um sich attraktiver zu machen, zum Beispiel durch die eine scheinbare Vergrößerung der Augen. "Wir können so visuell beeindrucken und einen gänzlich anderen Eindruck hinterlassen als mit undekorierter Haut", sagte die Anthropologin. Doch während Knochen sich lange Zeit erhalten, vergeht Haut relativ schnell - und damit ist der Nachweis von permanenten Tätowierungen und temporären Bemalungen nur schwer zu erbringen.
Indirekte Anzeichen für Körperbemalung gibt es schon sehr früh. So fanden Archäologen beispielsweise eine 100.000 Jahre alte "Werkstatt" zur Herstellung von Farbe in der südafrikanischen Blombos Höhle. In Muscheln hatten die Menschen dort Ocker als Farbe zubereitet und gelagert. Sie vermischten das Pigment mit Fett, Knochenmehl, Quarz und Holzkohle. Die Wände der Höhle waren jedoch nicht bemalt - daraus könnte man schließen, dass die Farbe zur Bemalung von Haut diente.