Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

Dutzende Särge und eine Goldmaske

Antike Totenstadt in Ägypten entdeckt

Mehrere Grabkammern von Priestern und edle Schmuckstücke - in Ägypten haben Forscher eine antike Totenstadt entdeckt. Die Aufarbeitung der Funde dürfte noch Jahre dauern.

REUTERS
Montag, 26.02.2018   17:49 Uhr

Ägyptische Archäologen haben am Nil eine antike Totenstadt mit Dutzenden Sarkophagen und Kunstschätzen entdeckt. Die in der Stadt Minja in Ägypten gefundene, mehr als 2500 Jahre alte Nekropole enthalte 40 Steinsärge, etwa 1000 Statuen und eine Goldmaske, sagte Antikenminister Chaled al-Enani. Zudem seien Keramik, Schmuck und andere antike Gegenstände gefunden worden.

Die Ausgrabungen begannen laut dem Ministerium im vergangenen Jahr und wurden von Forscherteams aus München und Hildesheim unterstützt. "Das ist erst der Anfang einer neuen Entdeckung und ich glaube, wir brauchen mindestens fünf Jahre, um die Arbeit an der Nekropole zu beenden", erklärte Al-Enani. Die Funde würden wichtige Einblicke in das Leben der Alten Ägypter geben.

In den vergangenen Monaten hatte das Antikenministerium in Ägypten eine Reihe von Entdeckungen aus der Hochkultur der Alten Ägypter präsentiert. Das Land will damit Touristen anlocken, die es wegen der gegenwärtigen Wirtschaftskrise dringend als Einnahmequelle braucht. Ägypten hat mit der Pharaonenstadt Luxor, den Pyramiden in Gizeh bei Kairo und weiteren Orten entlang des Nils zahlreiche wertvolle Kulturstätten zu bieten. In Kairo entsteht derzeit das größte archäologische Museum der Welt.

Fotostrecke

Fund in Ägypten: Keramik, Schmuck und Totenschädel

Mumie des Hohepriester Hersa-Essei entdeckt

Bei den Ausgrabungen nahe Minja seien in den vergangenen Monaten mehrere Grabkammern von Priestern entdeckt worden, die dem ägyptischen Gott Thot dienten, sagte der Chef des Archäologenteams, Mostafa Wasiri vom Obersten Antikenrat in Ägypten, der staatlichen Zeitung "Al-Ahram". In der ägyptischen Mythologie ist Thot der vogelköpfige Gott des Mondes sowie des Lernens und der Schrift.

Eines der Gräber gehörte demnach einem Hohepriester mit dem Namen Hersa-Essei, dessen Mumie gefunden wurde. Seine sterblichen Überreste seien mit Bronze verziert, in die die Göttin Nut eingraviert sei, die den Verstorbenen schützen soll.

MEHR ZUM THEMA

In Ägypten finden zahlreiche Expeditionen auf der Suche nach antiken Schätzen statt. Ein italienisches Forscherteam hatte Ende Januar mit Messungen in der Grabkammer des Pharaos Tutanchamun im Tal der Könige in Luxor begonnen. Die Radarmessungen in der 1922 entdeckten Grabkammer des Kindkönigs, der um 1330 vor Christus lebte, sollen Klarheit darüber bringen, ob sich - wie von einem Wissenschaftler vermutet - hinter der Nordwand ein weiterer, bislang unentdeckter Raum befindet.

Erst Anfang des Monats hatten Wissenschaftler in der Nähe der Pyramiden ein mehr als 4000 Jahre altes Grab gefunden. Die Kammer soll zu einer Priesterin mit dem Namen Hat Bet gehören.

jme/dpa

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Archäologische Methoden der Datierung

Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, erlaubt das Rückschlüsse auf das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag. Allerdings liefert dieses Verfahren keine absolute Altersangabe wie die C14-Methode. Die Archäologen können so nur feststellen, dass ein Artefakt etwa zur gleichen Zeit in die Erde gelangt ist.

Gräber-Quiz

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP