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Wissenschaft

Aus der Antike

58 Schiffswracks in der Ägäis entdeckt

Forscher haben in der Ägäis jede Menge alte Schiffe gefunden. Die meisten stammen aus der Antike und waren reich beladen.

Foto: REUTERS
Donnerstag, 11.10.2018   18:12 Uhr

Es könnte sich um die dichteste Ansammlung alter Schiffswracks handeln, die je in der Ägäis oder sogar im gesamten Mittelmeer gefunden wurde, berichten Forscher: Vor der griechischen Inselgruppe Fourni haben Archäologen mindestens 58 Schiffswracks entdeckt.

Die meisten stammen aus der Zeit der antiken Griechen, Römer und aus dem Byzantinischen Reich. Viele der Schiffe sind ungefähr 2000 Jahre alt, einige sogar Hunderte Jahre älter. Die Datierung der restlichen Schiffe reicht bis ins 20. Jahrhundert.

Auch der Zustand der Wracks variiert. Einige sind gut erhalten, andere in viele Teile zerbrochen. "Die meisten der sehr gut erhaltenen Wracks liegen in recht großer Tiefe - zwischen 40 und 60 Metern", sagt Projektleiter George Koutsouflakis. Alle Funde oberhalb von 40 Metern seien entweder in schlechterem Zustand oder in der Vergangenheit geplündert worden.

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Wracks aus der Antike: Schiffsfriedhof in der Ägäis

Das griechische Kulturministerium erkundet seit ein paar Jahren den Meeresboden in der Region. Im Rahmen des Projekts haben die Archäologen allein im Jahr 2015 mehr als 20 Wracks gefunden. Bis heute stieg die Zahl auf 58 und die Wissenschaftler gehen davon aus, dass noch mehr Wracks am Meeresgrund liegen. Fischer und Schwammtaucher gaben den Forschern oft entscheidende Hinweise.

Amphoren aus der Region am Schwarzen Meer

Mehr als 300 Antiquitäten, vor allem Amphoren, haben die Forschungstaucher aus den Wracks geborgen. Amphoren sind Behälter, in denen vor allem Flüssigkeiten transportiert wurden. In der Regel handelte es sich um Wein, Öl, Fischsaucen oder Honig. Die Funde liefern Archäologen entscheidende Hinweise, auf welchen Wegen Güter in der Antike über das Mittelmeer transportiert wurden.

"Ich würde es wohl als eine der wichtigsten archäologischen Entdeckungen dieses Jahrhunderts bezeichnen", sagte Unterwasserarchäologe Peter Campbell von der RPM Nautical Foundation. Die NGO unterstützt die griechischen Behörden bei den Tauchgängen in der Ägäis. Man könne nun eine neue Geschichte über die Handelsrouten erzählen, die die Staaten im antiken Mittelmeerraum verbanden, so Campbell weiter.

Besonders begeistert sind die Archäologen von Amphoren, die aus dem Gebiet des Schwarzen Meeres und aus Nordafrika stammen. Diese entdeckten sie in Schiffen aus der späten Römerzeit. Es sei selten, in der Ägäis solche Ladung intakt in einem Schiffswrack zu finden, so Koutsouflakis.

Heftige Böen, felsige Küste

Die Inselgruppe Fourni diente zahlreichen Schiffen einst als Zwischenstopp. Sie ankerten dort über Nacht, um ihre Fahrt am nächsten Morgen fortzusetzen. Später nutzten Piraten die beliebte Anlaufstelle, um reiche Beute zu machen. Die Forscher gehen aber davon aus, dass Piraterie nur selten die Ursache für das Sinken der nun entdeckten Schiffe war.

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Stattdessen sei schlechtes Wetter die wahrscheinlichste Ursache für die Ansammlung der gut beladenen Wracks, so Koutsouflakis. In dem Gebiet gebe es häufig plötzlich auftretende, heftige Böen und gleichzeitig felsige Küsten. Ein Düseneffekt in den schmalen Passagen zwischen den Inseln und kräftige Fallwinde aus den Bergen könnten den Seefahrern zum Verhängnis geworden sein.

"Es ist kein Zufall, dass in den Durchfahrten so viele Wracks gefunden wurden", sagt der Archäologe. "Wenn sich die Windrichtung plötzlich geändert hat und ein Kapitän die regionalen Besonderheiten nicht kannte, konnte er leicht die Kontrolle über sein Schiff verlieren und einen Felsen rammen."

jme/Reuters

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