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Wissenschaft

Mutiger im Internet

Beim Onlinedating suchen Singles nach attraktiveren Partnern

Optische Reize oder Erfolg im Leben: Bei der Partnerwahl bevorzugen Suchende meist Menschen mit ähnlichen Attributen, heißt es oft. Doch im Internet scheint das nicht zu gelten.

DPA

Partnersuche im Internet

Mittwoch, 08.08.2018   20:01 Uhr

Alle elf Minuten verliebt sich auf einer bekannten Onlinedating-Seite ein Single, das behauptet zumindest die Werbung. Glaubt man einer aktuellen Studie, ist der potenzielle neue Partner dabei oft attraktiver als der Single selbst.

Beim Onlinedating schauen demnach die meisten nach Partnern, die offensichtlich besser aussehen oder gar erfolgreicher oder sportlicher sind als sie, schreiben Forscher im Fachblatt "Science Advances". Das Profil eines Singles, der besonders perfekt erscheint, entmutigt die meisten Menschen also nicht.

Die Bilanz der Untersuchung: Männer und Frauen schreiben bei der Onlinepartnersuche Menschen an, die im Durchschnitt um 25 Prozent attraktiver sind als sie selbst.

Die Soziologin Elizabeth Bruch und der Physiker Mark Newman von der Universität Michigan, hatten für die Studie untersucht, welche Strategien heterosexuelle Menschen beim Onlinedating anwenden. Dafür stuften sie die Attraktivität von Tausenden Nutzern eines Onlinenetzwerks aus New York, Boston, Chicago und Seattle nach einem bestimmten Bewertungsmechanismus ein. Grundlage war die Anzahl von Nachrichten, die ein Mensch auf eine Anzeige erhielt.

Im Ergebnis erhielten die Forscher eine Attraktivitätshierarchie der Nutzer, die überwiegend Anfang 30 waren. "Anstatt uns auf Schätzungen zu verlassen, um herauszufinden, was Menschen anziehend finden, erlaubt uns dieser Ansatz, Attraktivität danach zu messen, wer die meiste Aufmerksamkeit von wem bekommt", erklärt Physiker Newman.

Zurückweisung ist beim Onlinedating weniger kränkend

Diese Vorgehensweise sei die erste ihrer Art, betonen die Autoren - eine Einschätzung, die die Psychologin Christiane Eichenberg von der Sigmund Freud Privatuniversität Wien teilt.

Für Eichenberg hängt die Wahl eines attraktiveren Partners beim Onlinedating mit den Vorteilen des Internets zusammen: "Anscheinend haben die Suchenden weniger Scheu, da die Kränkung einer potenziellen Ablehnung online weniger drastisch ist, als sie es in einer Situation von Angesicht zu Angesicht wäre."

Im schlimmsten Fall bekomme man im Internet einfach keine Antwort. Onlinedating vermittele das Gefühl, ständig neue Kontakte anbahnen zu können, so Eichenberg: "Wieso sollte man es dann nicht mit dem Besten versuchen, gerade wenn die Kosten etwa in Form des Kränkungspotenzials so gering sind?"

Da beziehungswillige Menschen im Netz der Studie zufolge viele und längere Nachrichten an Menschen "außerhalb ihrer Liga" schreiben, bleiben die Nachrichten oft unbeantwortet. Alle Nachrichten zu beantworten, wäre in Extremfällen auch kaum zu leisten gewesen: Der beliebteste Single in der Studie, eine 30 Jahre alte Frau aus New York, bekam pro Monat im Schnitt alle 30 Minuten eine Nachricht.

"Beharrlichkeit zahlt sich also aus"

"Unbeantwortete Nachrichten sind eine häufige Beschwerde der Nutzer von Onlinedating-Seiten", so Soziologin Bruch. "Doch obwohl die Rücklaufquote niedrig ist, zeigt unsere Analyse, dass 21 Prozent der Menschen, die ein derartig ehrgeiziges Verhalten an den Tag legen, eine Antwort von jemandem bekommen, der attraktiver ist. Beharrlichkeit zahlt sich also aus."

Offen bleibt allerdings, ob daraus dann tatsächlich Partnerschaften werden. Die Studie der Universität Michigan ergab nur, dass längere Nachrichten - mit Ausnahme von Nutzern in Seattle - nicht häufiger mit einer Antwort belohnt würden. Der weitere Verlauf der Paaranbahnung wurde nicht verfolgt.

Im Video: Wie funktioniert Partnersuche mit Dating-Apps?

Foto: SPIEGEL TV

"Es gibt eine große Heterogenität bei der Frage, wer für wen attraktiv ist", betont Bruch. "Unsere Werte spiegeln allgemeine Attraktivitätsskalen wider auf Grundlage der Vorlieben der Nutzer." Es könne allerdings durchaus Nischen geben, in denen diese Rangfolgen nicht gelten würden und in denen Menschen, die auf einer solchen Skala nicht weit oben stünden, dennoch ein "großartiges und erfülltes Dating-Leben" hätten.

Hinzu kommt: Das in der Studie errechnete Attraktivitätslevel sei nur in der ersten Phase der Partnerwerbung bedeutend, glauben Forscher. Andere Studien hätten gezeigt, dass einzigartige Charakterzüge im weiteren Verlauf immer wichtiger würden.

Beim Onlinedating finde das Kennenlernen von innen nach außen statt - passe das erste Foto, würden Äußerlichkeiten erst mal zurückgestellt und viel kommuniziert, sagt Psychologin Eichenberg: "Doch spätestens beim ersten Treffen fallen diese Äußerlichkeiten wieder ins Gewicht und dann ist die Frage, ob die online aufgebaute Beziehung bis dahin schon so eine Intensität hat, dass die optische Attraktivität nicht mehr so wichtig ist."

Zudem seien die Vorstellungen von Partnerschaften stark kulturabhängig. So müsste etwa überprüft werden, ob die Ergebnisse von Bruch und Newman beispielsweise auf Deutschland übertragbar wären, oder auf Menschen, die auf dem Land lebten, und ob diese unter Umständen in verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich ausfielen.

joe/dpa

insgesamt 42 Beiträge
Atheist_Crusader 08.08.2018
1.
So etwas wie eine Liga existiert nicht beim Dating. Aussehen ist zwar nicht unwichtig, aber nur ein Teil des Ganzen. Letzten Endes kommt es drauf an was man als Person zu bieten hat. Jemand der nicht konventionell attraktiv ist [...]
So etwas wie eine Liga existiert nicht beim Dating. Aussehen ist zwar nicht unwichtig, aber nur ein Teil des Ganzen. Letzten Endes kommt es drauf an was man als Person zu bieten hat. Jemand der nicht konventionell attraktiv ist aber nett ist, zuhört, interessante Dinge erzählen kann,witzig ist, sich für Dinge begeistert und dazu auch noch kochen kann, wird langfristig mehr Erfolg haben als ein geistloser Egozentriker der aber aussieht wie ein Unterwäschemodel. Oder eher anderen Erfolg: der letztgenannte wird wahrscheinlich einige Frauen mehr abschleppen können, weil es etwas dauern kann bis seine persönlichen Defizite durchscheinen. Der erstere hat dafür dann tendenziell längere und bessere Beziehungen. Ergo: Den Gedanken an eine Liga kann man getrost in die Tonne treten. Viel besser ist sich ehrlich die Frage zu stellen, was man mit an den Verhandlungstisch bringt (und wer diese Dinge zu schätzen weiß). Wenn man sich verbessern will, sollte man da beginnen.
it-star 08.08.2018
2. Ich hatte Erfolg bei der Online-Partnersuche
Mittlerweile ist es knapp fünf Jahre her, als ich meine aktuelle Partnerin damals mit einem einfachen "Hi" anschrieb. Wir schrieben gut zwei Wochen über den Badoo-chat, bevor es ans telen ging. Dann trafen wir uns und [...]
Mittlerweile ist es knapp fünf Jahre her, als ich meine aktuelle Partnerin damals mit einem einfachen "Hi" anschrieb. Wir schrieben gut zwei Wochen über den Badoo-chat, bevor es ans telen ging. Dann trafen wir uns und es funkte. Aus zwei wurden derweil drei. Unsere wundervolle Tochter gäbe es heute nicht wenn es damals nicht geklappt hätte. Hatte damals auch ungefähr 100 potentielle Frauen angeschrieben und je mehr ich anschrieb, desto kürzer wurden die Texte/Sätze, bis es letztendlich nur noch ein einfaches "Hi" war um ins Gespräch zu kommen. Den Artikel kann ich daher zu Großen Teilen bestätigen. Auch ich bekam meist keine Antworten. Um diesen Kommentar zu schreiben, hab ich mich extra hier angemeldet. Denn ich finde durchaus, dass es schon außergewöhnlich ist und möchte meine Erfahrung mit Singlebörsen hier gerne teilen. Denn es verhält sich m.E. Nach schon so, wie im Artikel beschrieben. Zum Glück bestätigen Ausnahmen wie unsere, dass es nicht zwingend so sein muss. In dem Sinne, viel Erfolg noch an alle Singles.
casbavaria 08.08.2018
3. Leider wahr - gerade bei Männern ü60
..das kann ich nur bestätigen. Mich schrieben als sportliche Mittfünfzigerin überwiegend ü65-er an, zumeist übergewichtig, Rentner, eher bescheidenes Einkommen. Der Älteste war ein "jugendlicher" 76-jähriger, der [...]
..das kann ich nur bestätigen. Mich schrieben als sportliche Mittfünfzigerin überwiegend ü65-er an, zumeist übergewichtig, Rentner, eher bescheidenes Einkommen. Der Älteste war ein "jugendlicher" 76-jähriger, der sich eine gemeinsame Zukunft (??) mit mir vorstellen konnte. Da fragt sich frau, die noch 10 Jahre arbeiten soll, was sie mit einem 20 Jahre älteren Mann soll .... Merke: 20 Jahre jüngere Frau findet sich nur bei entsprechend Geld - das klappt bei einem Sky Dumont, beim mittellosen Frührentner eher nicht.
Lovely Cherry 08.08.2018
4. Trifft nur zum Teil zu...
Ohne eine dieser höherpreisigen Onlineplattformen wäre ich heute wahrscheinlich nicht Mutter eines bezaubernden kleinen Babys. Mein Mann und ich, wir fanden uns beide sehr attraktiv, aber vor allem war dieses besondere Etwas, [...]
Ohne eine dieser höherpreisigen Onlineplattformen wäre ich heute wahrscheinlich nicht Mutter eines bezaubernden kleinen Babys. Mein Mann und ich, wir fanden uns beide sehr attraktiv, aber vor allem war dieses besondere Etwas, dieses unbeschreibliche zwischen uns vorhanden. Wir sind heute noch fasziniert davon wie sehr uns diese Algorithmen gematcht haben. Und denen ging es garantiert nicht um Attraktivität. Klar, dass man sich optisch irgendwie ansprechend finden muss. Ich glaube nicht, dass einer von uns besser aussehend und attraktiver ist als der Andere. Ich habe vor allem charakterlich meinen Traummann gefunden, dass er sehr gut aussieht, eine wunderbare Ausstrahlung hat, machte vielleicht den ersten Schritt einfacher.
spjon 08.08.2018
5.
Die Studie beweist wieder mal:Die Optik ist die „Eintrittskarte“,der Charakter das „Programm“!
Die Studie beweist wieder mal:Die Optik ist die „Eintrittskarte“,der Charakter das „Programm“!

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