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Wissenschaft

Unesco-Weltdokumentenerbe

Uni Gießen zeigt 1800 Jahre alten Papyrus

Im Jahr 212 nach Christus verlieh Kaiser Caracalla allen freien Bewohnern des Römischen Reichs das Bürgerrecht. Das entscheidende Schriftstück ist bis heute erhalten und wurde nun der Öffentlichkeit gezeigt.

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Papyrus einer Verordnung des Römischen Kaisers Caracalla aus dem Jahr 215 nach Christus

Mittwoch, 06.12.2017   17:08 Uhr

Die Bibliothek der Universität Gießen hat am Mittwoch einen ihrer bedeutendsten Schätze vorgestellt: ein rund 1800 Jahre altes Papyrusdokument eines römischen Kaisers. Weil das Schriftstück so zerbrechlich sei, werde es nur selten öffentlich gezeigt, sagte Bibliotheksdirektor Peter Reuter.

Das Schriftstück mit dem Namen "Constitutio Antoniniana" entstand im Jahr 215 nach Christus. Enthalten ist eine Verordnung des Kaisers Marcus Aurelius Severus Antoninus, der auch unter dem Namen Caracalla bekannt ist. Er verlieh damit 212/213 allen freien Bewohnern des Römischen Reichs das Bürgerrecht.

Das Schriftstück gilt deshalb als eines der bedeutendsten noch erhaltenen seiner Zeit. Es wurde Ende Oktober in das Unesco-Weltdokumentenerbe aufgenommen. Experten hatten es 2009 restauriert.

Wie der Erlass zur Römerzeit konkret umgesetzt wurde, ist bis heute strittig. Fachleute sehen ihn dennoch als Teil einer Reihe zentraler Dokumente, die die Entwicklung von Bürger- und Menschenrechten nachzeichnen. Dazu gehören auch die Magna Charta aus dem Jahr 1215, die Goldene Bulle von Kaiser Karl IV. von 1356 oder die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte durch die Französische Nationalversammlung 1789.

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Terrorherrschaft

Insgesamt wird die Herrschaft von Kaiser Caracalla von Geschichtsschreibern allerdings negativ bewertet. Nachdem er 211 gemeinsam mit seinem Bruder die Herrschaft übernommen hatte, ließ er diesen und viele seiner Anhänger zehn Monate später ermorden. Caracalla wurde zum Alleinherrscher und unterdrückte Oppositionelle gewaltvoll.

Thematisch hatte das Militär für ihn hohe Priorität. Er kümmerte sich intensiv um die Belange der Soldaten, erhöhte ihren Sold und zahlte hohe Prämien. So wollte er auch sicherstellen, dass ihn das Heer vor seinen vielen Widersachern schützen würde.

Heute ist Caracalla neben dem "Constitutio Antoniniana" vor allem für die Caracalla-Thermen in Rom bekannt. Die antiken Thermen gehören mit einer Größe von etwa 335 mal 330 Metern zu den größten der Stadt.

jme/dpa

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