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Wissenschaft

Treibhausgas

Methanausstoß gefährdet Klimaziele

In den vergangenen zehn Jahren ist überraschend viel Methan in die Atmosphäre gelangt. Der Ursprung stellt Forscher vor Rätsel.

DPA

Im Kuhmagen entsteht ebenfalls Methan

Montag, 12.12.2016   17:28 Uhr

Rekordemissionen des Treibhausgases Methan gefährden nach Einschätzung von Forschern den Kampf gegen den Klimawandel. Laut einer Studie, die in der Fachzeitschrift "Environmental Research Letters" veröffentlicht wurde, erhöhten sich die Methanemissionen in den vergangenen zehn Jahren völlig unerwartet zehnmal schneller als von 2000 bis 2006. In den Jahren 2014 und 2015 war der Anstieg demnach besonders stark.

Dem Pariser Klimaschutzabkommen zufolge soll die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad, mindestens aber auf weniger als zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden. Das sei bereits "ein anspruchsvolles Ziel", erklärten die 81 Forscher. Wenn sich die Weltgemeinschaft aber nicht mit den Methanemissionen befasse, werde es "zunehmend schwieriger", das Ziel zu erreichen.

Die Wissenschaftler fordern daher dringend zusätzliche Maßnahmen, um den Ausstoß von Methan zu messen und einzudämmen, der zu etwa 60 Prozent durch den Menschen verursacht werde. Methanemissionen entstehen in der Landwirtschaft, vor allem beim Reisanbau und in der Viehzucht, sowie beim Verbrennen fossiler Brennstoffe.

Die Lebensdauer der CH4-Moleküle in der Atmosphäre ist zwar deutlich kürzer als beim ebenfalls klimaschädlichen Kohlendioxid. Methan bindet aber 28 Mal mehr Hitze aus der Sonnenstrahlung und heizt die Atmosphäre daher stärker auf.

USA und China im Verdacht

Die Gründe für die stark steigenden Methanemissionen sind nach Angaben der Forscher trotz Buchführung der Länder über ihren Methan-Ausstoß noch weitgehend unklar. Als mögliche Quellen gelten der steigende Kohleverbrauch in China und Lecks bei der Gasförderung durch Fracking-Unternehmen in den USA. Beide Regionen spielten bei dem plötzlichen Anstieg wahrscheinlich "eine Rolle", sagte Marielle Saunois von der Universität Versailles in Frankreich, eine der Hauptautorinnen des Berichts.

Die Freisetzung von Methangas beim Abschmelzen des ewigen Eises in der Arktis stellt nach Einschätzung der Forscher noch keine größere Gefahr dar.

Die Befunde zum Anstieg der Methanemissionen müssten dennoch "sehr ernst genommen werden", sagte Stefan Schwietzke von der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA, deren eigene Schätzungen sogar noch über die Zahlen in der nun vorgelegten Untersuchung hinausgehen. "Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir auch unbedingt die CO2-Emissionen reduzieren müssen."

Methanrätsel 1999 bis 2006

Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die Methanmenge in der Atmosphäre etwa verdoppelt. Allerdings stagnierte die Zunahme zwischenzeitlich deutlich - ohne erkennbaren Grund.

2011 vermuteten Forscher, der Energiesektor könne für die Stagnation verantwortlich sein. Firmen hätten sich verstärkt um das Abdichten von Pipeline-Lecks gekümmert. Oder bei der Produktion von Steinkohle anfallendes Grubengas aufgefangen - und gewinnbringend verkauft. Andere glaubten, dass die Reisbauern in Asien der Schlüssel zur Lösung seien. Diese hätten ihre Anbauverfahren verändert - und so quasi nebenbei für geringere Emissionen gesorgt.

Seit 2007 steigt der Methanausstoß allerdings wieder deutlich. 2014 spekulierten Forscher, dass der Temperaturanstieg am Nordpol dabei eine wichtige Rolle spielen könnte. Demnach entstehen zunehmend Seen, wo früher Dauerfrostböden waren. In den Gewässern bauten Mikroben organisches Material ab, sodass Methan frei werde, so die Argumentation.

Gleichzeitig habe es in den Jahren 2007 und 2008 in den Tropen viel geregnet, berichtete die NOAA vor zwei Jahren. In den so entstandenen Sümpfen sei zusätzlich Methan entstanden.

jme/AFP

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