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Wissenschaft

Schierlings-Wasserfenchel

Dieses Kraut könnte die Elbvertiefung stoppen

Derzeit wird vor Gericht um die Elbvertiefung gestritten - dabei geht es auch um den Schierlings-Wasserfenchel. Die seltene Pflanze würde durch die Ausbaggerung des Flusses ganz verschwinden, fürchten Umweltschützer.

DPA

Umweltschützerin mit seltenem Schierlings-Wasserfenchel

Montag, 19.12.2016   17:14 Uhr

Es geht um mehr Platz für die dicken Pötte auf dem Weg zum Hamburger Hafen, um die Sicherheit von besorgten Elbanwohnern, um das Gießwasser von Obstbauern, um Elbfischer und ihre Fische. Und um vieles mehr.

Doch am Ende könnte es vor Gericht zwischen den Befürwortern der Elbvertiefung auf der einen Seite und Umweltverbänden auf der anderen vor allem um eine Sache gehen: den Schierlings-Wasserfenchel.

Wenn am Mittwoch der letzte Prozesstag vor dem 7. Senat des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig zu Ende geht, werden sich die Juristen bei der anschließenden Urteilsfindung auch mit der seltenen Pflanze befassen müssen. Doch was macht das Kraut mit den weißen, winzigen Blüten so speziell?

Der Schierlings-Wasserfenchel (Oenanthe conioides) ist endemisch. Das bedeutet, er wächst nur in einem bestimmten, räumlich begrenzten Gebiet. In diesem Fall kommt die Wasser- und Sumpfpflanze nur im Uferbereich der Elbe vor. Zwar wurde sie auch noch südlich des Hamburger Hafens entdeckt. Doch das Hauptverbreitungsgebiet liegt nordwestlich der Stadt an den von Ebbe und Flut beeinflussten Elbmarschen auf dem Weg Richtung Nordsee, der Unterelbe.

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Prozess um Elbvertiefung: Im Rausch der Tiefe

Wenn die seltene Pflanze im Ufergebiet auf den offenen Schlickböden optimale Wachstumsbedingungen erreicht, wird sie bis zu zwei Meter hoch. Die mehrjährige Pflanze, die zwischen Juni und August zahlreiche kleine weiße Blüten hervorbringt, ist vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands.

Umweltschützer vermuten deshalb, dass der Wasserfenchel die mit einer Ausbaggerung der Elbe verbundenen Veränderungen nicht überstehen würde. Denn durch die Vertiefung der Fahrrinne könnte sich die Fließgeschwindigkeit erhöhen. Und das könnte auch den Lebensraum der Pflanze im ufernahen, seichten Wasser negativ beeinflussen. Zudem befürchten Verbände wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), WWF oder Nabu Deutschland eine Erhöhung des Salzgehalts und eine Veränderung der Hochwasserstände.

Urteil für Januar erwartet

Giftig ist der Schierlings-Wasserfenchel laut dem BUND nicht, obwohl das der Name nahe legt. Man sollte ihn aber nicht mit dem ähnlich aussehenden Wasserschierling verwechseln, dessen Gift Atemlähmungen auslösen kann.

Mit seinem Status als bedrohte Art steht der Schierlings-Wasserfenchel nicht alleine da. Laut einer Studie von britischen Forschern ist ein Fünftel aller Pflanzenarten weltweit vom Aussterben bedroht. Die größte Bedrohung für die Vielfalt von Pflanzen gehe von der Landwirtschaft, der Holzgewinnung und der Ausdehnung menschlicher Siedlungen aus. Weitere Gründe für den Artenschwund seien Krankheiten und invasive Spezies, die sich in fremder Umgebung ausbreiten und einheimische Pflanzen verdrängen können. Dazu zählen die Forscher rund 5000 Pflanzenarten.

Ob die Pflanze einen Einfluss auf die Entscheidung zur Elbvertiefung haben wird, ist noch völlig unklar. Das erfahren die Beteiligten spätestens mit dem Urteil: Derzeit wird damit gerechnet, dass die Juristen am Ende der mündlichen Verhandlung am Mittwoch einen Verkündungstermin im Januar bestimmen werden.

joe

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