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Wissenschaft

Kleine Räuber

Spinnen vertilgen mehr Insekten als Menschen Fleisch

Die Spinnen der Welt putzen eine unvorstellbare Menge an Insekten weg. Forscher haben die Menge jetzt abgeschätzt - und kommen zu faszinierenden Ergebnissen.

David E. Hill / Peckham Society / dpa
Mittwoch, 15.03.2017   16:35 Uhr

Es gibt mehr als 45.000 Arten von ihnen - und an manchen Orten der Welt kommen bis zu 1000 der Tiere auf einen einzigen Quadratmeter. Spinnen gehören zu den artenreichsten und weitverbreitetsten räuberischen Tierarten. Wissenschaftler aus der Schweiz und aus Schweden haben nun für eine im Fachblatt "Science of Nature" veröffentlichte Studie den Verzehr aller Spinnen auf der Welt hochgerechnet - und kommen auf 400 bis 800 Millionen Tonnen Insekten. Pro Jahr.

Zum Vergleich: Menschen verzehren jährlich weltweit rund 400 Millionen Tonnen Fleisch und Fisch. Wale futtern zusammengenommen schätzungsweise 280 bis 500 Millionen Tonnen Biomasse pro Jahr.

Mit ihrem Appetit spielten Spinnen eine besonders wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Schädlingen und von Krankheitsüberträgern, schreiben die Autoren der Studie. Den Spinnen gebühre dafür Wertschätzung.

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Hunger auf Insekten: Die spinnen, die Spinnen

Fressen und gefressen werden

Spinnen zeichneten sich nicht nur durch ihren eigenen Appetit aus, merkten die Wissenschaftler an - sondern sie stillten auch den Appetit anderer Lebewesen: Rund 8000 Tierarten auf der Welt ernährten sich ausschließlich von Spinnen, schrieben sie. (Interessantes zum Duell zwischen Raubwanzen und Spinnen lesen Sie hier.)

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"Durch unsere Berechnungen lässt sich erstmals global quantifizieren, dass Spinnen wichtige natürliche Feinde von Insekten sind", erklärte Martin Nyffeler von der Universität Basel. Zusammen mit den übrigen Insektenfressern wie etwa Ameisen und Vögel trügen sie dazu bei, die Populationsdichte von Insekten deutlich zu reduzieren. Sie seien damit mitverantwortlich für die Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichts der Natur.

Besonders große Bedeutung haben Spinnen demnach in Wäldern und im Grasland, wo ihnen zahlreiche Forst- und Graslandschädlinge zum Opfer fallen. Im Gegensatz dazu sei die Insektenvertilgungsrate der Spinnen in Wüstengebieten, in der arktischen Tundra und in Kulturfeldern relativ niedrig. Im Falle der Agrarlandschaft lasse sich dies dadurch erklären, dass die intensiv bewirtschafteten Kulturfelder "gestörte Systeme" darstellten, in denen für die Spinnen eher ungünstige Überlebensbedingungen herrschten.

chs/AFP

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