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Wissenschaft

Nach Protesten von Tierschützern

Institut in Tübingen hat Affenversuche beendet

Affen mit Implantaten im Gehirn und Erbrochenem im Gesicht: Nach Protesten von Aktivisten hat das Max-Planck-Institut in Tübingen Versuche mit den Tieren endgültig gestoppt.

DPA

Tierschützer 2014 bei Protesten in Tübingen (Baden-Württemberg)

Mittwoch, 19.04.2017   17:06 Uhr

Das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen hat seine Versuche an Affen nach anhaltender Kritik von Tierschützern eingestellt. "Wir bestätigen, dass die Affenversuche endgültig beendet sind und wir keine Affen mehr haben", teilte die Sprecherin des Instituts mit. Zunächst hatte das "Schwäbische Tagblatt" über das Ende der umstrittenen Versuche berichtet.

Der Vorsitzende des Vereins Soko Tierschutz, Friedrich Mülln, sprach von einem historischen Erfolg der Tierschutzbewegung Deutschlands. Ein als Pfleger arbeitender Tierschützer hatte die Affenversuche und die Haltung der Tiere im Herbst 2014 heimlich gefilmt. Die Aufnahmen zeigen Affen mit Gehirnimplantaten, eines der Tiere hat einen blutverschmierten Kopf, einem anderen läuft Spucke oder Erbrochenes aus dem Mund. Tierschützer riefen zu Demonstrationen und Mahnwachen gegen das Institut auf.

Institutsleiter Nikos Logothetis hatte schon zu Beginn des vergangenen Jahres angekündigt, seine Arbeit an Primaten einstellen und künftig lediglich mit Nagern weiterarbeiten zu wollen. "Ich höre nicht wegen der Anfeindungen der Tierschützer auf", betonte Logothetis im April 2016, nachdem er wiederholt bedroht und beschimpft worden war. Vielmehr habe ihm der Rückhalt aus der Wissenschaft gefehlt.

Damals hatte die Max-Planck-Gesellschaft noch mitgeteilt, weiterhin Tierversuche an Affen durchführen zu wollen. Es sei der einzige Weg, um Behandlungsansätze für neurologische Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson und psychiatrische Krankheiten wie Schizophrenie zu entwickeln, hieß es.

Streit um Tierversuche gibt es immer wieder. So hatte die Bremer Gesundheitsbehörde Experimente mit Makaken an der Universität Bremen 2008 nicht mehr genehmigt, wogegen die Wissenschaftler mit Erfolg geklagt hatten. Im Frühjahr 2014 attackierten Tierschützer den verantwortlichen Forscher in einer ganzseitigen Zeitungsanzeige .

joe/dpa

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