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Wissenschaft

Clevere Jagdtechnik

Wie Plattbauchspinnen ihre Gegner platt machen

Plattbauchspinnen haben eine ungewöhnliche Jagdmethode entwickelt, mit der sie sogar größere Gegner besiegen. Dabei hilft ihnen eine Art Super-Seide - auf Netze können sie dagegen verzichten.

Foto: Jonas Wolff / Journal of Experimental Biology
Montag, 19.06.2017   16:32 Uhr

Oft ist es in der Natur ja so: Wer am größten ist, ist auch am stärksten. Und das qualifiziert dann zum Chefsein oder zum erfolgreichen Nahrungsmittelranschaffer. Doch es gibt auch Ausnahmen. Dabei nutzt der Kleinere entweder Gift oder er wendet List und Tücke an - und schlägt so den Größeren.

Ein solches Beispiel haben nun Spinnenforscher nach Videoanalysen beschrieben (Video siehe oben). Biologen der Universität Kiel schauten sich das Jagdverhalten der Plattbauchspinnen (Gnaphosidae) an und entdeckten: Mit speziellen Fäden und einer ausgeklügelten Technik jagen einige Vertreter dieser Gattung deutlich größere Spinnen. Dabei benötigen die auch Glattbauchspinnen genannten Tiere nicht einmal Netze, schreiben die Wissenschaftler im "Journal of Experimental Biology".

In älter Fachliteratur gebe es bereits Hinweise auf die spezielle Technik der Plattbauchspinnen, sagte Studienautor Jonas Wolff. "Darin wurde geschildert, dass diese Spinnen andere Spinnen angreifen und mit Bändern aus klebriger Seide überziehen. Was genau hier vor sich geht, konnten die früheren Autoren allerdings nicht klären, da die Attacken sehr schnell sein können."

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Für die neue Studie sammelten die Forscher verschiedene Arten von Plattbauchspinnen, darunter Scotophaeus scutulatus und Drassodex heeri, an verschiedenen Orten in Europa, indem sie Steine umdrehten oder auch Rinde von Bäumen schälten. Anschließend nahmen sie die achtbeinigen Tiere genauer unter die Lupe, indem sie sie mit potenziellen Beutetieren wie etwa anderen Spinnen oder Grillen kämpfen ließen und dabei filmten.

So fing Wolff bespielsweise bei einer Exkursion in den Südalpen einige Exemplare von Drassodex heeri. Die Art kommt in einigen Teilen Europas vor und hat eine Körperlänge von etwa 10 bis 16 Millimetern (Scotophaeus scutulatus: 7 - 16 Millimeter).

Im Labor studierte Wolff das Jagdverhalten von D. heeri in der Video-Zeitlupe. "Und zum Glück zeigten die Tiere das Beutefang-Verhalten im Labor auch unter der starken Beleuchtung des Video-Setups, wenn man ihnen andere Spinnen vorsetzte."

Flucht nach vorne

Statt wie andere Spinnen bei großer und wehrhafter Beute die Flucht zu ergreifen, gehen die Plattbauchspinnen zum Angriff über, schreiben die Wissenschaftler. Die Spinnen heften Klebfäden an den Boden und laufen dann um die Beute herum. Dabei werden die Fäden aus den Spinnwarzen gezogen und bleiben an Boden und Körperteilen der Beute kleben.

Zum Teil wenden die Plattbauchspinnen der Beute auch ihr Hinterteil zu und versuchen, die abgegebenen Fäden um Beine und Mundwerkzeuge des Opfers zu wickeln. "Der Klebstoff härtet innerhalb von weniger als einer Sekunde aus, bleibt aber im Gegensatz zu einem Sekundenkleber sehr dehnbar und ist damit äußerst zäh und schwer zu lösen", erklärt Wolff.

Für ihr Jagdmanöver nutzen Plattbauchspinnen eine spezielle Seidenart. Die wird normalerweise von Spinnen genutzt, um strukturgebende Fäden stabil auf einer Oberfläche zu befestigen. Das ist beispielsweise wichtig für den Bau von Netzen. "Daher hat es uns überrascht, dass die Gnaphosiden diese Fähigkeit fast vollständig verloren haben - zu Gunsten ihrer äusserst effizienten Beutefangtechnik." Das sei ein Bilderbuchbeispiel für einen Funktionswandel, der wesentlich zur Diversifizierung der Lebensformen beitrage.

joe/dpa

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