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Wissenschaft

Dengue-Überträger

Massensterilisation soll Tigermücke in Deutschland ausrotten

Tigermücken übertragen gefährliche Tropenkrankheiten und kommen hierzulande immer häufiger vor. Jetzt gehen Forscher gezielt gegen die Insekten vor - und setzen in Süddeutschland Tausende sterile Männchen aus.

US CDC/ DPA

Asiatische Tigermücke

Montag, 17.07.2017   11:18 Uhr

Im Kampf gegen die Asiatische Tigermücke in Deutschland testen Wissenschaftler nun den Einsatz sterilisierter Männchen. Wenn die Weibchen mit diesen Männchen kopulierten, bekämen sie keine lebensfähigen Nachkommen, sagt der Biologe Norbert Becker. Er ist wissenschaftlicher Direktor der kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs).

Die aus Asien stammende Stechmücke gilt als besonderes Risiko, weil sie mehr als 20 Virusarten übertragen kann. Darunter sind gefährliche Varianten wie das Dengue-Fieber, das für geschwächte Menschen tödlich enden kann.

Die Tiere, die in Italien bereits verbreitet sind, kamen in den vergangenen Jahren nach Deutschland - auf Güterzügen und Lastwagen entlang der Autobahn Basel-Frankfurt (A5). Nachweise gibt es unter anderem in Freiburg und Heidelberg, wo seit Sommer 2016 ein Versuch mit sterilisierten Männchen läuft.

In Rheinland-Pfalz und im Saarland ist den Experten noch keine Tigermücke ins Netz gegangen. Das Insekt könne aber entlang der Autobahnen Hockenheim-Koblenz (A61) und Saarbrücken-Mannheim (A6) auftreten, sagt Becker, der auch als Direktor des Instituts für Dipterologie arbeitet, das die Tigermücken bekämpft.

"Da gibt es nur eine massive Bekämpfung"

Die Wissenschaftler haben nun den Plan, den Lebensraum der Tiere - zusätzlich zur herkömmlichen Bekämpfung - mit unfruchtbaren Männchen zu "überfluten", so Becker. "Wir müssen alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, um dieses Tierchen wieder loszuwerden. Und da gibt es keine halbgaren Lösungen, da gibt es nur eine massive Bekämpfung."

Sterilisiert werden die Plagegeister in Bologna, wo sich ein Kollege Beckers damit beschäftigt, die Fortpflanzung der Mücken zu verhindern. Dem habe man hiesige Tigermücken für die Zucht geschickt. Die Puppen der Männchen, die kleiner sind als die der Weibchen, werden mit einem Netz ausgesiebt und mit Gammastrahlen sterilisiert. Die Tiere könnten danach zwar noch mit wild lebenden Männchen konkurrieren, "aber das Sperma ist zu 99 Prozent nicht okay", erklärt Becker.

In Käfigen mit je eintausend Männchen reisen die Tiere dann nach Deutschland. Im Heidelberger Stadtteil Wieblingen werden aktuell einmal wöchentlich abends unfruchtbare Mücken freigelassen. Noch gibt es von dort allerdings keine belastbaren Daten zu möglichen Erfolgen.

3000 sterile Männchen auf einem Hektar

Im Sommer 2016 waren bereits acht Mal sterilisierte Tiere freigelassen worden. Damals habe man festgestellt, dass die Schlüpfrate um 15 Prozent gesunken sei. "Aber wir wollen noch weiter", sagt Becker. "Bekämpfung plus Reduzierung der Schlüpfrate müsste nach unseren Berechnungen zum Zusammenbruch der Population führen." Deswegen habe man in diesem Jahr nicht erst im August, sondern bereits im Mai begonnen, die Mücken auszusetzen und die Zahl pro Hektar von 1000 auf 3000 erhöht.

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Nach Beckers Angaben ist als nächstes geplant, neben Heidelberg auch in Freiburg sterile Männchen auszusetzen. Mit der Methode könne man gezielt eine Art bekämpfen. Sie sei daher besser als etwa der biologische Wirkstoff BTI, den die Arbeitsgruppe seit langem im Kampf gegen heimische Stechmücken nutzt. Allerdings müsse man die Kapazität für die Sterilisierung der Tiere in Italien im Blick behalten. "Die müssen ja jetzt doppelt so viele Mücken züchten und behandeln", sagt Becker. "Ob das so ad hoc geht, wissen wir noch nicht."

Wenn der Versuch in Freiburg gelingen soll, geht das nur, wenn ausreichend behandelte Männchen eingesetzt werden. Becker erinnert an einen Mainzer Professor, der in den Achtzigerjahren die Technik erstmals im südhessischen Gebiet Kühkopf-Knoblochsaue bei Groß-Gerau gegen Rheinschnaken habe anwenden wollen. Diese Mücken legten pro Hektar bis zu 300 Millionen Eier ab. "Das heißt: Wenn Sie da nicht Millionen züchten und freilassen, verpufft das."

Der Professor habe dort 30.000 Tiere ausgesetzt, wo vermutlich eine Milliarde schlüpften. "Da hat man überhaupt nichts gemerkt."

jme/dpa

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