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Wissenschaft

Massensterben

Wie Vulkane fast das Leben auf der Erde auslöschten

Forscher haben das Rätsel um das größte Massenaussterben der Erdgeschichte gelöst. Außerdem in den Wissenschaftsnachrichten aus den USA: Trump und die Atomkraft und ein rätselhaftes Rokoko-Gemälde.

Getty Images

Lava

Aus Boston berichtet
Dienstag, 08.08.2017   09:24 Uhr

+++ Massensterben durch Vulkanismus +++

Vor drei Jahren habe ich davon berichtet, dass eine Gruppe von MIT-Geologen den Vulkanismus im heutigen Sibirien als Ursache für eine der größten Naturkatastrophen der Erdgeschichte entlarvt haben. Es ging um das Massensterben am Ende des Perm-Zeitalters vor gut 250 Millionen Jahren, als binnen eines erdgeschichtlichen Augenblicks 95 Prozent aller Arten auf Erden ausgelöscht wurden.

Jetzt haben dieselben Forscher nachgelegt: Sie haben auch den Hergang des Massenaussterbens aufgeklärt. Der Vulkanismus allein könne das große Artensterben nicht erklären. Denn zunächst quoll rund 300.000 Jahre lang Lava aus der Erde, ohne dass es dem Leben viel ausgemacht zu haben scheint.

Irgendwann jedoch - die Forscher datieren es auf eine Zeit vor exakt 251.940.000 Jahren - begann das Magma, sich einen anderen Weg zu bahnen. Statt wie zuvor übers Land zu strömen, infiltrierte es nun das Gestein.

Davon zeugen sogenannte Lagergänge, die sich heute in Ostsibirien über 1,5 Millionen Quadratkilometer erstrecken. Die Folge der Magma-Infusion: Das Sediment heizte sich auf, das darin gebundene Gas dünstete aus. Wahrscheinlich kam die Lava auch mit Kohlelagern in Kontakt. Schwelbrände fraßen sich durch den Untergrund.

Die Menge der Treibhausgase, die so freigesetzt wurden, muss gewaltig gewesen sein. Binnen kurzer Zeit stieg die Temperatur weltweit um bis zu zehn Grad an. An Land breiteten sich unwirtlich heiße Wüsten aus. Noch schlimmer traf es die Meerestiere. Das ausgegaste Kohlendioxid löste sich als Kohlensäure im Wasser. Vor allem für Schalentiere bedeutete das Verderben.

+++ Comeback der US-Kernenergie bleibt aus +++

In South Carolina zeigt Trumps Klimapolitik Folgen, die manch einen Umweltfreund erfreuen dürften: Zwei dort im Bau befindliche Kernreaktoren werden Ruine bleiben. Neun Milliarden Dollar hat der Betreiber in das Projekt gesteckt. Die Atomlobby hatte gehofft, mit dem Neubau ein Comeback der Kernenergie in den USA einläuten zu können.

Doch Konstruktionsprobleme und Ärger mit den Zulassungsbehörden ließen die Kosten explodieren. Gleichzeitig stagniert die Nachfrage nach Strom, und dank Fracking ist Gas zur unschlagbar billigen Alternative geworden. Zwar hätten die beiden Atomreaktoren Kohlendioxid-Emissionen eingespart, was sich South Carolina im Rahmen von Obamas "Clean Power Plan" gern hätte anrechnen lassen. Aber mit einer Trump-Regierung wird daraus nichts.

Nun werden die Kohlemeiler einige Jahre länger am Netz bleiben. Die vermeintliche Renaissance der Atomkraft erweist sich als Rohrkrepierer.

+++ Insektenschatz kehrt zurück nach Deutschland +++

Das gleißend-gold leuchtende Monstrum sieht lebensecht aus, als sei es gerade noch umhergekrochen. Und dennoch ist es schon 40 Millionen Jahre her, dass dieses Tier in einem Tropfen Baumharz kleben blieb. Die stachelig-gruselige Insektenlarve ist das prachtvollste von 383 in Bernstein eingeschlossenen Exemplaren, die jetzt nach jahrzehntelangem Aufenthalt an der Harvard-Universität zurück nach Deutschland gelangt sind. Im Jahr 1934 hatte ein US-Wissenschaftler die Sammlung in Königsberg entliehen, die Unterlagen des Vorgangs sind verschollen.

Tanja R. Stegemann/ Universität Göttingen

Insekt in Bernstein

Erst jetzt entdeckte der Göttinger Kurator Alexander Gehlen einige der kostbaren Stücke im frisch digitalisierten Katalog der Harvard-Sammlung. Die Kollegen dort zeigten sich kooperativ: Einzeln sortierten sie aus ihrer Kollektion alle Bernstein-Einschlüsse mit Königsberger Signatur heraus. Kurator Pérez de la Fuente brachte den entomologischen Schatz sodann persönlich zurück nach Deutschland.

Dass die Leihgabe so lange vergessen worden war, erweist sich jetzt als Glücksfall. Denn andernfalls hätten diese Bernsteine vermutlich nicht überdauert: Ein großer Teil der Königsberger Sammlung, aus der die jetzt zurückerstatteten Stücke stammen, wurde im Krieg zerstört.

+++ Geheimnisse um Rokoko-Gemälde gelüftet +++

Es kann sehr faszinierend sein, wenn die Kunsthistoriker in der Sammlung der Harvard-Universität einzelne Gemälde oder Skulpturen erklären. Derzeit zum Beispiel hängt in den "Harvard Art Museums" als Leihgabe der Washingtoner National Gallery of Art ein Meisterwerk des französischen Rokoko-Malers Jean Honoré Fragonard. Es zeigt ein junges Mädchen, das in die Lektüre eines Buches vertieft ist.

Dieses Gemälde ist Teil einer Serie von gut einem Dutzend rasch hingepinselter Bildnisse, die, bekannt als "Figures de Fantaisie", die Kunsthistoriker seit jeher vor Rätsel stellte: Wann sind diese Bilder entstanden? Wen stellen sie dar? Welches Ziel verfolgte Fragonard? Und warum schaut das lesende Mädchen, anders als alle anderen Porträtierten, den Betrachter nicht an?

Es war eine Sensation, als auf einer Auktion in Paris eine Zeichnung auftauchte, auf der Fragonard all diese Porträts zusammen skizziert hatte. Die Skizze offenbarte vielerlei Geheimnisse, unter anderem verblüffte es die Forscher, dass die Figur der Lesenden hier den Kopf dem Betrachter zuwendet. Die Forscher durchleuchteten das Bild, und tatsächlich: Röntgen- und Infrarotlicht förderten unter der Farbschicht des Mädchengesichts ein zweites Antlitz zutage. Wer es weiß, kann die beiden Augen des versteckten Gesichts sogar rechts und links des Ohres erahnen.

National Gallery of Art, Washington/ Becca Goodman & Denis Doorly

Im Uhrzeigersinn: das Originalbild, die Aufnahme mit Nahinfrarotspektroskopie und Röntgen sowie eine Simulation, wie das Bild in der ersten Fassung ausgesehen haben könnte.

Noch streiten sich die Experten, warum Fragonard das Bild übermalt hat. Der Laie jedoch kann sich überzeugen: Das Ergebnis gibt ihm recht.

insgesamt 32 Beiträge
KDM_22 08.08.2017
1. Das Teaserbild zum Massenaussterben ist falsch
Warum zeigt eine, ähm, künstlerische Darstellung zum Perm-Trias-Massenaussterben zwei Dinosaurier, wenn es die vor 250 Millionen Jahren noch gar nicht gab?
Warum zeigt eine, ähm, künstlerische Darstellung zum Perm-Trias-Massenaussterben zwei Dinosaurier, wenn es die vor 250 Millionen Jahren noch gar nicht gab?
Chipslette 08.08.2017
2. Ja, welches denn?
Welches Massensterben denn? Es gab da einige...
Welches Massensterben denn? Es gab da einige...
Lord Menial 08.08.2017
3.
Möglicherweise dasjenige, das im 1. Abschnitt des Artikels genannt wird: "...eine der größten Naturkatastrophen der Erdgeschichte entlarvt haben. Es ging um das Massensterben am Ende des Perm-Zeitalters vor gut 250 [...]
Zitat von ChipsletteWelches Massensterben denn? Es gab da einige...
Möglicherweise dasjenige, das im 1. Abschnitt des Artikels genannt wird: "...eine der größten Naturkatastrophen der Erdgeschichte entlarvt haben. Es ging um das Massensterben am Ende des Perm-Zeitalters vor gut 250 Millionen Jahren, ...."
veyssen 08.08.2017
4. Der 21. August 2017 in USA
Unter dem Yellowstone National Park befindet sich ein Supervulkan, welcher alle 600.000 bis 800.000 Jahre ausbricht. 640.000 Jahre sind um. Am 21. August geht der Kernschatten einer Sonnenfinsternis genau über diesen Bereich. [...]
Unter dem Yellowstone National Park befindet sich ein Supervulkan, welcher alle 600.000 bis 800.000 Jahre ausbricht. 640.000 Jahre sind um. Am 21. August geht der Kernschatten einer Sonnenfinsternis genau über diesen Bereich. Erst wird Anziehung erfolgen, dann ploppt das ganze weiche Material zurück. Rissbildung ist dabei nicht auszuschließen, ja sogar zu erwarten. Einige Tage später könnte ein gigantisches Problem akut werden.
strixaluco 08.08.2017
5. "Neuigkeiten"
Die Vulkan-/Klimakatastrophentheorie zum Perm-Trias-Aussterbeereignis ist nicht wirklich neu, so und so ähnlich wird das seit Jahren diskutiert. Es schadet aber sicher nicht, sich das Beispiel mal zu Gemüte zu führen, denn es [...]
Die Vulkan-/Klimakatastrophentheorie zum Perm-Trias-Aussterbeereignis ist nicht wirklich neu, so und so ähnlich wird das seit Jahren diskutiert. Es schadet aber sicher nicht, sich das Beispiel mal zu Gemüte zu führen, denn es zeigt, was großräumige CO2-Freisetzung anrichten kann.

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