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Wissenschaft

Europa

Klimawandel verschiebt Hochwassersaison

In Norddeutschland kommt das Jahreshochwasser zwei Wochen später als vor 50 Jahren. In anderen Regionen ist die Verschiebung noch deutlicher. Forscher haben dafür eine Erklärung.

DPA

Fluss in Tirol (Österreich), der über das Ufer getreten ist

Freitag, 11.08.2017   12:26 Uhr

Der Klimawandel beeinflusst in vielen Regionen Europas das Eintreffen der Wasserhöchststände von Flüssen. Zu diesem Schluss kommen die Autoren einer internationalen Studie unter der Leitung von Günter Blöschl von der Technischen Universität Wien. Allerdings zeigten sich die Auswirkungen des Klimawandels im Zeitraum von 50 Jahren sehr unterschiedlich.

Während in einigen Regionen der Scheitelpunkt des Hochwassers 2010 durchschnittlich etwa 65 Tage früher lag als noch 1960, verschob er sich anderswo um bis zu 45 Tage nach hinten.

So ereignet sich das Jahreshochwasser in Norddeutschland und anderen Gebieten rund um die Nordsee etwa zwei Wochen später als vor 50 Jahren. Dies führen Blöschl und Kollegen auf späte Winterstürme zurück, die wiederum ein Ausdruck des Luftdruckgefälles zwischen dem Äquator und dem Nordpol seien. Als Ursache für die Änderung des Gefälles gelte der Klimawandel. In anderen Regionen fällt die Verschiebung noch deutlicher aus.

Daten aus 38 Ländern

Für die im Fachjournal "Science" veröffentlichte Studie standen nicht die Häufigkeit oder das Ausmaß einzelner Hochwasser- oder Überschwemmungsereignisse im Fokus, sondern deren Zeitpunkt. Dabei analysierten die Forscher Werte von 4262 Wassermessstationen in 38 europäischen Ländern aus den Jahren 1960 bis 2010. Die Wissenschaftler bestimmten bei jeder Messstation für jedes Kalenderjahr den Zeitpunkt des höchsten Pegelstands oder des größten Wasserdurchflusses.

Als klimaabhängige Ursachen für den Zeitpunkt des Hochwassers untersuchten die Forscher die Schneeschmelze in den Bergen, die Niederschlagsverteilung und das Maximum der Bodenfeuchtigkeit. Die Flächennutzung in der Umgebung oder eine intensivere Landwirtschaft spielten für den Zeitpunkt eines Hochwassers eine geringere Rolle.

In den Alpen kommt das Hochwasser deutlich früher

Nach vorn verlagert haben sich Pegelhöchststände demnach vor allem in Regionen, in denen die Flüsse viel Schmelzwasser transportieren: Das wärmere Klima führe dazu, dass die Schneeschmelze immer früher beginne - etwa in Skandinavien, den Alpen und Osteuropa.

Auch an der Atlantikküste, von Portugal bis Belgien und Südwest-Großbritannien, liegen die Höchststände heute deutlich früher als 1960. Hier sehen die Forscher die Ursache jedoch in einer Veränderung bei der Bodenfeuchtigkeit: Die größte Wassermenge im Boden wird im Jahresverlauf früher erreicht. Diese begünstige Hochwasser.

Die Erderwärmung gilt auch als Grund für die Änderung der Zugbahn von Stürmen, die dem nördlichen Mittelmeerraum zum Teil starke Niederschläge bringen. Diese Veränderungen führen nach Forscherangaben wiederum dazu, dass auch an der östlichen Adriaküste und im Südosten Spaniens die Hochwasserspitzen später als 1960 erreicht werden.

Überschwemmungsrisiko könnte um das Zwanzigfache steigen

In einem "Science"-Kommentar schreiben Louise Slater und Robert Wilby von der britischen Universität in Loughborough, die Studie rege wichtige Fragen zur Hochwasservorhersage an. Das Überschwemmungsrisiko könne bis zum Ende des 21. Jahrhunderts um das Zwanzigfache ansteigen.

Stefan Hagemann vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg hält es für eine gute Idee, sich nur die Hochwasserzeitpunkte anzusehen und spricht von einer "soliden Studie". Allerdings werde auch die Änderung der nordatlantischen Oszillation als Erklärung herangezogen - darunter fallen Variationen der typischen Verhältnisse zwischen einem Azoren-Hoch und einem Island-Tief. Ob diese spezielle Änderung mit dem Klimawandel zusammenhänge, sei noch nicht geklärt.

koe/dpa/AFP

insgesamt 105 Beiträge
widder58 11.08.2017
1. 50 Jahre
als Zeitraum, um einen "Klimawandel" nachzuweisen, ist unseriös. Alles was sich in den letzten Jahrzehnten abspielt ist im Rahmen. Um Rückschlüsse auf tiefgreifende Veränderungen zu ziehen bedarf es eines Zeitraums [...]
als Zeitraum, um einen "Klimawandel" nachzuweisen, ist unseriös. Alles was sich in den letzten Jahrzehnten abspielt ist im Rahmen. Um Rückschlüsse auf tiefgreifende Veränderungen zu ziehen bedarf es eines Zeitraums von mindestens 1000 Jahren. Entsprechende Studien über globale Veränderungen z.B. seit der letzten Eiszeit gibt es zu Hauf. Vielleicht nimmt die mal jemand zur Kenntnis. Im Mittelater gab es Dürren und Überschwemmungen, ohne das der Mensch darauf schwerwiegenden Einfluss gehabt hätte. Kalt- und Warmphasen inkl. entsprechender Niederschlagstätigkeit sind das natürlichste der Welt. Es besteht kein Zweifel, dass der Mensch alles zu tun hat, um seinen wetterbedingten Einfluss, auch wenn er minimal ist, zu reduzieren - aber das populärwissenschaftliche Thema "Klimawandel" ist extrem überzogen.
pratter 11.08.2017
2. Vor 50 Jahren
kam die Post schon früh um 8 Uhr, manchmal kam sie sogar mehrmals am Tag. Vor 50 Jahren hat es im Dezember mittwochs 40 Minuten eher geschneit. Ist in den Redaktionen überhaupt noch jemamd in der Lage, sogenannte Studien auf [...]
kam die Post schon früh um 8 Uhr, manchmal kam sie sogar mehrmals am Tag. Vor 50 Jahren hat es im Dezember mittwochs 40 Minuten eher geschneit. Ist in den Redaktionen überhaupt noch jemamd in der Lage, sogenannte Studien auf Seriosität oder handwerkliche Fehler zu prüfen? Erstellung von Studien ist inzwischen 1. wirtschaftlich lukrativ 2. meist ideologisch beeinflußt. Selbst in den sogenannten "Instituten" kennt von den "Fachleuten" kaum noch einer den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität. Was für belastbare Studien ein MUSS ist.
micromiller 11.08.2017
3. Jeder Mitbürger der schon länger als
60 Jahre lebt, weiss wie das Klima war und wo wir jetzt sind. Jeder, der den Club of Rome 1971 gelesen hat, weiss, dass das alles voraussehbar und unabwendbar war. Jeder, der bereit ist sich mit den **bekannten** Fakten der [...]
60 Jahre lebt, weiss wie das Klima war und wo wir jetzt sind. Jeder, der den Club of Rome 1971 gelesen hat, weiss, dass das alles voraussehbar und unabwendbar war. Jeder, der bereit ist sich mit den **bekannten** Fakten der Eisschmelze auf Grönland und weiter nördlich auseinanderzusetzen weiss, dass es in 30 Jahren mit ziemlicher Sicherheit keine Holländischen Tomaten mehr zu kaufen gibt.
eugler 11.08.2017
4. unseriös
Unseriös! Das ist das Einzige was zu sagen bleibt - oder bei mir war der Regen vor 15,23 Jahren schon um 11:00 Uhr da. Der Klimawandel muss es sein - oder aber auch die Unvorhersehbarkeit chaotischer Systeme.
Unseriös! Das ist das Einzige was zu sagen bleibt - oder bei mir war der Regen vor 15,23 Jahren schon um 11:00 Uhr da. Der Klimawandel muss es sein - oder aber auch die Unvorhersehbarkeit chaotischer Systeme.
cindy2009 11.08.2017
5. @widder58
"----- widder58 heute, 12:48 Uhr 1. 50 Jahre als Zeitraum, um einen "Klimawandel" nachzuweisen, ist unseriös. Alles was sich in den letzten Jahrzehnten abspielt ist im Rahmen. Um Rückschlüsse auf tiefgreifende [...]
"----- widder58 heute, 12:48 Uhr 1. 50 Jahre als Zeitraum, um einen "Klimawandel" nachzuweisen, ist unseriös. Alles was sich in den letzten Jahrzehnten abspielt ist im Rahmen. Um Rückschlüsse auf tiefgreifende Veränderungen zu ziehen bedarf es eines Zeitraums von mindestens 1000 Jahren. Entsprechende Studien über globale Veränderungen z.B. seit der letzten Eiszeit gibt es zu Hauf. Vielleicht nimmt die mal jemand zur Kenntnis. Im Mittelater gab es Dürren und Überschwemmungen, ohne das der Mensch darauf schwerwiegenden Einfluss gehabt hätte. Kalt- und Warmphasen inkl. entsprechender Niederschlagstätigkeit sind das natürlichste der Welt. Es besteht kein Zweifel, dass der Mensch alles zu tun hat, um seinen wetterbedingten Einfluss, auch wenn er minimal ist, zu reduzieren - aber das populärwissenschaftliche Thema "Klimawandel" ist extrem überzogen----" Und woher haben Sie Ihre Erkenntnisse?

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