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Wie warme Winter Braunbären quälten

Bis zum Ende der letzten Eiszeit tummelten sich Braunbären in ganz Europa. Dann ging es mit dem Bestand bergab. Die Schuld daran trägt nicht nur der Mensch.

imago/ blickwinkel

Europäischer Braunbär

Montag, 11.09.2017   10:44 Uhr

Der Mensch ist meist der größte Feind von Tier und Umwelt. Sein Verhalten ist schon so manch ausgestorbener Spezies zum Verhängnis geworden. Doch nicht nur er alleine trug in der Vergangenheit zur Veränderung der Natur bei. Im Fall des europäischen Braunbären haben auch steigende Temperaturen eine Rolle gespielt, zeigt eine Studie.

Die Erderwärmung nach dem Ende der letzten Eiszeit trug einer Modellrechnung zufolge erheblich zum Schwund bei, berichtet das Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Frankfurt.

"In den vergangenen 12.000 Jahren ist die Wintertemperatur in weiten Teilen Europas um zwei bis vier Grad angestiegen", erklärt Senckenberg-Wissenschaftler Jörg Albrecht, der die Analyse eines internationalen Forscherteams geleitet hat. "Dadurch haben die vorhandenen Braunbären weniger Nachkommen bekommen und sind letztendlich immer weniger geworden."

Braunbären (Ursus arctos) verbrauchen bei höheren Temperaturen mehr Energie für ihre Winterruhe, weil sie häufiger wach werden und dann auf kräftezehrende Futtersuche gehen. Die Weibchen, die in den Wintermonaten Junge bekommen, wenden ihre Reserven aber entweder für die Winterruhe oder aber den Nachwuchs auf. "Wird mehr Energie für die Winterruhe verbraucht, bleibt weniger für die Fortpflanzung übrig, was die Anzahl der Nachkommen verringert", heißt es vom Senckenberg-Institut.

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Schon lange bekannt ist, dass das Verschwinden der Braunbären in Europa mit der Landnutzung und der Bejagung durch den Menschen zusammenhängt. Die Studie habe nun gezeigt, dass auch der Klimawandel eine wichtige Rolle spielte, erklärt Albrecht. Am Ende der letzten Eiszeit kam der Braunbär noch überall in Europa vor, inzwischen gibt es nur noch vereinzelte Populationen in den Pyrenäen, Nordskandinavien und Osteuropa, dort etwa in der Hohen Tatra in der Slowakei.

Die Studie, an der auch die Uni Rostock beteiligt war, ist im Fachjournal "Scientific Reports" veröffentlicht. Sie entstand im Rahmen eines polnisch-norwegischen Projektes und basiert auf Modellen, die mit Daten zum Klima, zur Landnutzung und zu Braunbären-Vorkommen gespeist wurden.

"Ein erstes großes Aussterben fand in Südwesteuropa vor 7000 bis 5000 Jahren statt", so Albrecht. "Richtig bergab ging es mit dem Braunbären aber seit dem Römischen Reich vor 2000 Jahren. Danach ist der Verbreitungsraum der Tiere rasant geschrumpft und zerstückelt worden."

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Die steigenden Temperaturen hätten auch dazu beigetragen, dass der Lebensraum für die Tiere immer knapper geworden sei. Denn der Mensch habe dadurch Flächen nutzen können, die vorher klimatisch ungeeignet gewesen seien. Wie sich der aktuelle Klimawandel auf die Population auswirkt, muss sich dem Forscher zufolge noch zeigen.

In Deutschland gelten Braunbären nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF seit mehr als 150 Jahren als ausgestorben. Der Bestand in Europa werde auf etwa 17.000 Exemplare geschätzt. Größte Bedrohungen seien der Verlust von Lebensraum, die Waldabholzung und die Wilderei.

Hin und wieder geraten die Tiere zudem mit dem Menschen in direkten Konflikt. Im Juli etwa wurde ein Mann in Italien von einem Bär angegriffen. 2006 gab es großen Wirbel um den eingewanderten "Problembären Bruno", der in Bayern erschossen wurde.

joe/dpa

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