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Wissenschaft

Überschwemmungen in USA

Der Osten säuft stetig ab

Die Küstengebiete im Osten der USA versinken langsam, aber stetig im Atlantischen Ozean. Hauptursachen sind jedoch weder der Klimawandel noch Stürme - sondern ein Eispanzer vor 20.000 Jahren und Eingriffe des Menschen heute.

REUTERS

Überschwemmung in Florida

Dienstag, 12.09.2017   09:17 Uhr

Der Osten der USA macht gerade schwere Zeiten durch: Erst brachte Hurrikan "Harvey" Unmengen von Regen und damit Überschwemmungen nach Texas und Louisiana - vor allem Houston war betroffen. Und dann fegt "Irma" über Florida hinweg.

Mit solchen Naturkatastrophen müssen die Menschen in der Region schon lange leben. Doch Forscher haben nun eine weitere Nachricht, die zumindest langfristig beunruhigen dürfte.

Nach einer neuen Analyse drohen der Ostküste der USA immer häufiger Überschwemmungen - diesmal geht es aber um die Bundesstaaten weiter nördlich: Besonders gefährdet seien Virginia, North Carolina und South Carolina, berichten Wissenschaftler der Universitäten Bonn, South Florida und Rhode Island im Fachjournal "Scientific Reports". Nicht unbedingt Wirbelstürme mit verheerenden Regenfällen wie bei "Harvey" oder "Irma" seien die Ursache, das Problem seien die Küstengebiete selbst: Sie versänken langsam, aber stetig im Atlantischen Ozean - jedes Jahr um bis zu drei Millimeter.

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Hurrikan "Harvey": Überschwemmung in Houston

Die Forscher hatten unter anderem GPS-Daten und Satellitenmessungen ausgewertet. Makan Karegar von der University of South Florida, der momentan Gastwissenschaftler am Institut für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn ist, sieht für die Senkung im Wesentlichen zwei Gründe: "In der letzten Eiszeit vor rund 20.000 Jahren waren weite Teile Kanadas von einem Eispanzer überzogen. Diese ungeheure Masse presste den Kontinent in die Tiefe." Die eisfreien Regionen weiter südlich wiederum seien dadurch angehoben worden - genau wie bei einer Wippe. "Als dann die Gletscher schmolzen, kehrte sich dieser Prozess um", erklärt Karegar. Folglich sinken die Gebiete nun wieder ab.

Viele der Städte an der US-Ostküste wurden Ende des 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts gegründet. Heute liegen sie allein aufgrund des Gletscher-Effekts mindestens 45 Zentimeter niedriger als damals, führen die Forscher an. Der steigende Meeresspiegel aufgrund der Klimaerwärmung habe für weitere 15 Zentimeter abwärts gesorgt: 60 Zentimeter in rund 300 Jahren, summieren die Wissenschaftler.

Die Hintergründe der Erderwärmung

Diese Effekte erklären das heute beobachtete Abtauchen der Küstenregion jedoch nur teilweise. Zwischen dem 32. und 38. Breitengrad gehe es seit einigen Jahrzehnten deutlich schneller in die Tiefe als in den Jahrtausenden zuvor, berichten die Forscher, um teilweise mehr als drei Millimeter pro Jahr. Das Abschmelzen des Eispanzers sei höchstens für ein Drittel davon verantwortlich.

Viel schwerer wiege die massive Nutzung von Grundwasser in den entsprechenden Gebieten, vermuten die Forscher. Wasser lasse Landmasse aufquellen. "Wenn Grundwasser entnommen wird, lässt sich die Landmasse stärker komprimieren", so Karegar. "Sie fällt quasi in sich zusammen und sinkt dadurch noch stärker ab." Auch das Anlegen von Stauseen könne massive Auswirkungen haben.

joe/dpa

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