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Wissenschaft

Ostsee-Fangquoten

Lachs und Scholle werden geschont

Die EU-Fischereiminister haben sich auf neue Fangquoten für die Ostsee geeinigt. Deutsche Fischer dürfen kommendes Jahr unter anderem weniger Heringe aus dem Meer holen. Umweltschützern reicht das nicht.

AFP

Fisch-Trawler (Archiv)

Dienstag, 10.10.2017   14:10 Uhr

Die EU-Länder haben sich auf neue Fangquoten in der Ostsee für das kommende Jahr verständigt. Die EU-Fischereiminister einigten sich am Morgen in Luxemburg auf eine Verringerung der Fangmengen bei mehreren wichtigen Fischarten. Das teilte der estnische Minister Siim Kiisler mit. Estland hat derzeit den Vorsitz unter den EU-Staaten inne.

Die notwendigen Kürzungen seien "schmerzlich für die deutschen Ostseefischer", sagte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Eine langfristige wirtschaftliche Perspektive für die Fischerei werde jedoch nur durch "gute Bestände" gesichert. Umweltschützer nahmen die neuen Fangquoten mit gemischten Gefühlen auf.

Mit der Einigung der EU-Fischereiminister werde ein "Beitrag zur weiteren Erholung der Bestände und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Ostsee" geleistet, sagte Schmidt. Seinem Ministerium zufolge blieben die Kürzungen der Fangquoten bei mehreren Fischarten aber unter Forderungen oder Vorschlägen von Anrainerstaaten oder der EU-Kommission.

Weniger Lachs und Scholle

Die EU-Kommission gibt vor den Verhandlungen Empfehlungen ab, die auf wissenschaftlichen Gutachten zum Zustand der einzelnen Bestände basieren. In den Verhandlungen geht es darum, Kompromisse zwischen den Interessen der Fischfangindustrie und dem Schutz der Fischbestände zu finden.

So dürfen deutsche Fischer im kommenden Jahr deutlich weniger Hering aus der westlichen Ostsee ziehen als noch 2017. Die dort erlaubte Fangmenge werde um 39 Prozent gesenkt. Die Fangquoten für den für Deutschland ebenfalls wichtigen Dorsch in der westlichen Ostsee bleiben demnach unverändert.

Beim östlichen Dorsch verständigten sich die Minister nach den rund 20-stündigen Verhandlungen darauf, die erlaubte Fangmenge 2018 um acht Prozent zu senken. Einschränkungen gibt es auch bei Scholle sowie bei Lachs in der gesamten Ostsee, wo die Quoten um zehn, beziehungsweise fünf Prozent gesenkt werden. Erhöht werden hingegen die erlaubten Fangmengen für Hering in der zentralen Ostsee um 20 Prozent und für Sprotte in der gesamten Ostsee um ein Prozent.

Umweltschützer bemängeln zu hohe Fangmengen

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte, die EU-Fischereiminister erlaubten "auch im kommenden Jahr zu hohe Fangmengen". Damit verschärfe sich die Überfischung der Ostsee. Schmidt beuge sich "den kurzsichtigen Interessen der Fischereiindustrie" und ignoriere wissenschaftlich empfohlene Höchstmengen.

Besonders tragisch werde sich dies auf die Aal-Bestände auswirken, erklärte Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack. Um den Aal in der Ostsee vor dem Aussterben zu bewahren, sei ein Fangverbot die einzige Möglichkeit.

Die EU-Kommission hatte ein Aalfangverbot gefordert. Dies nahmen die Minister allerdings nicht an. Stattdessen soll beim nächsten Treffen im Dezember nach einer gesamteuropäischen Lösung zum Schutz des Aals gesucht werden.

Die Naturschutzorganisation WWF zeigte sich ebenfalls kritisch. "Die Situation der deutschen Brotfische in der westlichen Ostsee ist besorgniserregend. Bei den hauptsächlich von Deutschland und Dänemark bewirtschafteten Beständen von Dorsch und Hering haben die Minister die Bestandserholung bisher nicht in den Griff bekommen", sagte WWF-Fischereiexpertin Stella Nemecky. "Die diesjährige Entscheidung ist zwar ein guter Schritt, wird aber das Ziel der Fischereipolitik, bis 2020 gesunde Bestände zu erreichen, verfehlen."

Mit den Gesamtfangmengen wird bestimmt, wie viel Fisch von einem bestimmten Bestand in einem jeweiligen Jahr gefangen werden darf. Die Gesamtfangmengen werden unter den EU-Staaten dann als nationale Quoten verteilt. Wenn das in einer Quote erlaubte Kontingent ausgeschöpft wurde, darf das jeweilige Land dort vorübergehend keine Fische mehr fangen. Im Dezember wird voraussichtlich über die Fangquoten für die Nordsee und den Atlantik für das kommende Jahr entschieden.

brt/AFP/dpa

insgesamt 4 Beiträge
Epsola 10.10.2017
1.
Die ständigen Verhandlungen gehen vollkommen am Problem vorbei, suggerieren das ein Kollaps kompromissbereit sei und basieren auf der falschen Grundlage. Es sollte einfach ein dauerhafter Mechanismus vereinbart werden, wonach man [...]
Die ständigen Verhandlungen gehen vollkommen am Problem vorbei, suggerieren das ein Kollaps kompromissbereit sei und basieren auf der falschen Grundlage. Es sollte einfach ein dauerhafter Mechanismus vereinbart werden, wonach man 30% von dem fangen darf, was an Bestand in einem Jahr hinzugekommen ist, berechnet durch eine unabhängige Stelle, fertig. Geht eine Fischart zurück => automatisches Fangverbot. Die gesparte Verhandlungszzeit kann man dann investieren um den echten Raubrittern auf den Pelz zu rücken, die über Quoten nur lachen und ungeniert die Meere dieser Welt in Wüsten verwandeln, im Glauben außerhalb jeder Kontrolle zu stehen.
wetzer123 10.10.2017
2. Gerade das mit dem Aal ist tragisch
Der ist zwar wahnsinnig lecker und deshalb auch wirtschaftlich so spannend, aber er ist nun einmal menschengemacht vom Aussterben bedroht und nicht zur Zucht geeignet. Es sollte ein Fangverbot geben und zwar nicht in der Ostsee [...]
Der ist zwar wahnsinnig lecker und deshalb auch wirtschaftlich so spannend, aber er ist nun einmal menschengemacht vom Aussterben bedroht und nicht zur Zucht geeignet. Es sollte ein Fangverbot geben und zwar nicht in der Ostsee sondern weltweit wie auch bei Walen.
feld01 10.10.2017
3. Die richtige Antwort ist nicht Quote und Verbote, sondern Economics
Denn nur wenn man die ökonomischen Anreize richtig setzt, kann man die Fischbestände nachhaltig schützen. Sind Austern gefährdet? Nein, denn sie funktionieren wie Eigentum, und damit lohnt sich die private Investition in ihren [...]
Denn nur wenn man die ökonomischen Anreize richtig setzt, kann man die Fischbestände nachhaltig schützen. Sind Austern gefährdet? Nein, denn sie funktionieren wie Eigentum, und damit lohnt sich die private Investition in ihren Erhalt. Was ist also die Lösung? Fischbestände verpachten, vielleicht sogar mit vererbbar machen und das Problem ist gelöst. Man kann dann auch alle EU-Fischereiminister entlassen und es gäbe einen Grund für Brexit weniger.
Knossos 11.10.2017
4.
Weder sind Bürokraten soweit, zu Akzeptieren, daß weltliche Realität wie jene der Natur wegen irgendwelcher Wirtschaft keine Kompromisse an den Tag legt; noch verrohte Fischersleut, die inzwischen vielleicht verstanden hätten, [...]
Weder sind Bürokraten soweit, zu Akzeptieren, daß weltliche Realität wie jene der Natur wegen irgendwelcher Wirtschaft keine Kompromisse an den Tag legt; noch verrohte Fischersleut, die inzwischen vielleicht verstanden hätten, daß man auf einen Haufen gequetschter Fische im Todeskampf nicht auch noch zu zweit draufsteigt.

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