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Wissenschaft

Weltklimakonferenz

USA schicken nur Referatsleiterin zum Treffen der Staatschefs

Merkel, Steinmeier, Macron - am Mittwoch treffen sich Staats- und Regierungschefs auf dem Weltklimagipfel in Bonn. Die USA erklären wenige Stunden zuvor: Lediglich eine "Assistant Secretary" werde zu dem Termin erscheinen.

REUTERS

Leere Sitze der US-Delegation auf der Klimatagung in Bonn

Von , Bonn
Mittwoch, 15.11.2017   01:42 Uhr

Zahlreiche Länder schicken Staats- oder Regierungschefs am Mittwoch zum Höhepunkt der Weltklimakonferenz nach Bonn. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt, ebenso Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron. Länder, die keine Chefs schicken, senden Minister.

Und dann gibt es noch die USA.

Eigentlich wollte die Regierung von Präsident Donald Trump, nachdem sie den Ausstieg aus dem Welt-Klimavertrag angekündigt hatte, den Under Secretary for Political Affairs, Ambassador Thomas A. Shannon, nach Bonn schicken.

Doch wenige Stunden vor der Anreise der Staatschefs und Minister meldet das State Departement: Eine Referatsleiterin kommt, Assistant Secretary Judith Garber; eine Mitarbeiterin aus der fünften Reihe.

Fachlich finden sich auf Referatsleiterebene häufig besonders kompetente Experten, die ihren Vorgesetzten die Details erklären können. Doch am Mittwoch geht es auf der Weltklimakonferenz nicht um Details, die wurden in den vergangenen zehn Tagen von den Delegationen bearbeitet.

Kollision am Montagabend

Am Mittwoch kommen die Minister und Staatschefs, um den Klimaverhandlungen Bedeutung zu verleihen. Entsprechend das Signal der USA: Ihre Regierung will den Klimaverhandlungen offenbar wenig Bedeutung zugewiesen wissen.

Zur Begründung heißt es indes, Under Secretary Thomas Shannon sei wegen eines familiären Notfalls verhindert .

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Am Montagabend war die Regierungsvertretung der USA bei der Klimatagung mit einer Delegation von Landsleuten aneinandergeraten. Die Regierungsvertreter wollten über "saubere fossile Energien" sprechen, also zum Beispiel über Kohleverbrennung, bei der weniger Treibhausgas entsteht.

Doch die Debatte wurde von Hunderten Aktivisten überschrien. Ihr Vorwurf: Die US-Regierung unter Präsident Trump würde den Treibhausgasausstoß der USA nicht bremsen, das Klima weiter erwärmen.

Die Demonstranten können bei ihrer Kritik auf hochkarätige Unterstützung zählen: Sie wissen eine neue Abordnung der USA auf der Klimakonferenz hinter sich. Dabei handelt es sich nicht um die offizielle Regierungsvertretung, sondern um ein Bündnis von Politikern und Unternehmen, die ihrer eigenen Regierung kritisch gegenüberstehen.

Diese inoffizielle Delegation trifft sich im größten Vertretungsbüro der Bonner Konferenz: einem 2500 Quadratmeter großen Zelt, dem "Climate Action Dome". "Grüße vom offiziellen Widerstand gegen die Trump-Regierung", rief dort beispielsweise der kalifornische Senator Ricardo Lara.

Rebellen auf der Klimatagung

Die USA sind gespalten, auch auf der Weltklimakonferenz.

"We are still in" - "Wir sind noch dabei" - steht als Leitspruch über dem Zelt der inoffiziellen US-Delegation, die angeführt wird vom kalifornischen Gouverneur Jerry Brown und von Michael Bloomberg, dem Uno-Sondergesandten für Klimaschutz und ehemaligen New Yorker Bürgermeister. Der verglich die Kohle-PR-Veranstaltung mit Werbung für Tabak auf einem Krebskongress.

"We are still in" ist ein Versprechen - und genauso hat sich das Bündnis genannt: "America's Pledge". Der Zusammenschluss von 250 Städten und Landkreisen sowie neun US-Bundesstaaten und 1700 Unternehmen - darunter Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft - soll die Ehre der USA retten und das Klima gleich mit. Im Gegensatz zur Regierung will das Bündnis jene CO2-Menge einsparen, die die USA in den Selbstverpflichtungen zum Klimavertrag 2015 versprochen haben.

Trotz aller Proteste - bei manchen Teilnehmern der alternativen US-Delegation überwiegt Mitleid mit Verhandlern in der offiziellen Delegation der USA, schließlich handelt es sich meist um jene, die erfolgreich den Weltklimavertrag 2015 in Paris mitverhandelt hatten.

"Sie wirken verloren, müssen nun einer neuen Politik folgen und haben anscheinend Angst, Dinge zu machen, die der Trump-Regierung nicht passen", sagt ein erfahrener Teilnehmer.

Eben noch waren sie die Führer der Klimaverhandlungen, jetzt sind sie zum Schweigen verdonnert. Dass die Regierung nun nicht mal einen hochrangigen Vertreter zum Höhepunkt der Tagung schickt, dürfte sie weiter frustrieren.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Artikels hieß es, zu den Verhandlungen käme eine Sachbearbeiterin. Tatsächlich ist Judith Garber Assistant Secretary, sie leitet das Referat "Oceans, Environment and Science (OES, Bezahlungsstufe 4 (von 5 insgesamt)". Assistant Secretary werden in der Hierarchie des State Departements an fünfter Stelle geführt.

insgesamt 79 Beiträge
einwerfer 15.11.2017
1. Nun ja,
Deutschland schickt zwar 'hochrangige' Vertreter, aber tut effektiv genauso wenig für den Klimaschutz wie die USA. Für den Steuerzahler ist die US-amerikanische Lösung besser, weil sie Reisekosten senkt und weniger CO2 [...]
Deutschland schickt zwar 'hochrangige' Vertreter, aber tut effektiv genauso wenig für den Klimaschutz wie die USA. Für den Steuerzahler ist die US-amerikanische Lösung besser, weil sie Reisekosten senkt und weniger CO2 produziert.
artvandelayexportimport 15.11.2017
2. Häh?
Was ist denn das für Fake news? Assistant secretaries sind Vize minister, Bezahlungsstufe 4 (von 5 insgesamt). Die werden vom Präsident ernannt und vom Senat bestätigt.
Was ist denn das für Fake news? Assistant secretaries sind Vize minister, Bezahlungsstufe 4 (von 5 insgesamt). Die werden vom Präsident ernannt und vom Senat bestätigt.
Süddeutscher 15.11.2017
3. Reicht doch.
Zu dieser Showveranstaltung der Klimahysteriker und deren angeschlossener Industrie entsendet die USA genau die Richtige. Mehr wäre zuviel.
Zu dieser Showveranstaltung der Klimahysteriker und deren angeschlossener Industrie entsendet die USA genau die Richtige. Mehr wäre zuviel.
johannesbueckler 15.11.2017
4. Bloomberg ist mit großer Sicherheit
Nach Bonn CO2-neutral geschwommen, natürlich auch alle anderen Teilnehmer.....Der CO2-Footprint dieses Theaters übertrifft wohl den mancher Entwicklungsländer.....Vielleicht mal über Videokonferenzen nachdenken....
Nach Bonn CO2-neutral geschwommen, natürlich auch alle anderen Teilnehmer.....Der CO2-Footprint dieses Theaters übertrifft wohl den mancher Entwicklungsländer.....Vielleicht mal über Videokonferenzen nachdenken....
Siggi_Paschulke 15.11.2017
5.
Muss ich meinem Chef (Referatsleiter Ministerium) mal sagen, er ist jetzt auch Sachbearbeiter :-)
Muss ich meinem Chef (Referatsleiter Ministerium) mal sagen, er ist jetzt auch Sachbearbeiter :-)

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