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11.06.2005
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Kühlende Feuerberge

Vulkane könnten Treibhauseffekt bremsen

Vulkane können mit ihren Ausdünstungen Bakterien füttern, die Treibhausgase reduzieren. Gleichzeitig wirken die Staubpartikel wie ein Sonnenschirm. So könnten Ausbrüche dazu beitragen, die globale Erwärmung abzubremsen, glaubt ein britischer Geophysiker.

Vulkanausbrüche können indirekt zu einer leichten Abkühlung der Erde beitragen. Das vermutet der Geophysiker Vincent Gauci von der Open University in Milton Keynes. Der Schwefel in Rauchfahnen aktiver Vulkane geht auf Sumpflandschaften und Reisfeldern als saurer Regen nieder und fördert das Wachstum schwefelliebender Bakterien. Diese verdrängen andere Bakterien, die das Treibhausgas Methan produzieren, sagt Gauci. Seine Ergebnisse werden demnächst im Fachmagazin "Geophysical Research Letters" erscheinen.

In einem Freilandversuch simulierte der Forscher die Folgen eines Vulkanausbruchs: Nachdem eine Parzelle eines schottischen Torfmoors mit Natriumsulfat gedüngt worden war, emittierte der Boden über einen Zeitraum von zwei Jahren deutlich geringere Mengen Methan.

Gaucis Team berechnete, dass insgesamt fünf bis zehn Jahre nach der Düngung vergehen müssten, bis sich die Methanproduktion von Feuchtgebieten wieder auf Normalniveau einpendelt. Damit hätten Vulkanausbrüche gleich einen doppelten Kühleffekt auf das Klima: Ausgestoßene Staubpartikel reflektieren in der Atmosphäre die Sonnenstrahlen, während saurer Regen die Methanproduktion verringert.

Der Geophysiker vermutet, dass Schwefel aus Vulkanausbrüchen einen größeren Einfluss auf das Klima hat als industrielle Schwefelemissionen. Allerdings steht eine globale Schwefelbilanz noch aus. Sicher ist für Gauci indes, dass in vorindustriellen Zeiten Vulkanausbrüche die einzigen Quellen für sauren Regen waren und sie durch die plötzliche Bakteriendüngung mit Schwefel Klimaschwankungen bewirken konnten.

Schon früher hatten Forscher überlegt, Feuchtgebiete wie Reisanbauflächen mit Schwefel zu düngen. Damit sollte die Methanproduktion reduziert werden. Nun untersucht Gauci, ob Industrieemissionen und Vulkanausbrüche nicht schon genug Schwefel beisteuern. Ein weiterer künstlicher Eingriff wäre dann unnötig.

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